Praktikumseinsätze junger Menschen im Ausland - was ist bei der Vorsorgeberatung besonders zu beachten?
Dr. med. Burkhard Rieke
CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Gerade an der Nahtstelle zwischen Schule und Beruf oder der Lehrstelle und der ersten "richtigen" Arbeitsstelle gehen viele junge Erwachsene für einige Monate, manche auch für ein Jahr, in Projekte im Ausland. Genaue Zahlen existieren nicht, es dürfte sich jedoch um mehrere Zehntausend pro Jahr handeln. Mit der Ankündigung einer Förderung solcher Aufenthalte durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) im Januar 2007 dürfte eine deutliche Zunahme der Zahlen für das kommende Jahr zu rechnen sein.

Projekte für diese Gruppe werden von einer Vielzahl karitativer wie kommerzieller Organisatoren in zahlreichen Ländern Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und zunehmend auch Osteuropas angeboten, wobei die südamerikanischen Ziele deutlich im Vordergrund stehen. Aus der Beobachtung heraus, dass viele kleine Träger solcher Projekte mit den gebotenen rechtlichen, psychologischen und medizinischen Vorbereitungsinhalten überfordert sind, hat die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) in Köln, zweitgrößter Entsender von Fachkräften der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland, vor nunmehr 12 Jahren begonnen, diese Vorbereitung in Form von Kursen anzubieten, die die entsendende Organisation in vergleichbarer Professionalität und Häufigkeit nicht leisten könnte - ein klassisches Outsourcing also.

Der Referent ist seit diesen Anfängen für die Inhalte und die Durchführung der medizinischen Vorbereitungseinheit verantwortlich gewesen und stellt die thematischen Schwerpunkte dar, die von tropen- und reisemedizinischer Seite in diese Inhalte einfließen. Eine gegenwärtig vorbereitete Rückkehrer-Fragebogenaktion lässt erstmals auch Daten zum "erlebten Risiko" während der Projektzeit erwarten. Die bisher vorliegenden Rückmeldungen aus Projekten zeigen jedoch, dass sich die gesundheitsrelevanten Probleme dieses Personenkreises von dem des touristisch Reisenden deutlich unterscheiden. Wesentlich dringender sind besonders die Fragen rund um Erfahrung von Gewalt und Kriminalität, der Umgang mit Sexualität, aber auch der Konflikt zwischen dem Wunsch nach lokaler Integration und der Anforderung, besondere Vorsicht im Umgang mit Lebensmitteln walten zu lassen. Es wird deutlich, dass die Beratung andere Schwerpunkte setzten muss, als sie für das sonst im Vordergrund stehende reisemedizinisch beratene Publikum gelten.