Unliebsame Begegnungen - Gifttiere auf dem amerikanischen Kontinent
Prof. Dr. Dietrich Mebs, Zentrum der Rechtsmedizin, Klinikum der Universität, Frankfurt/Main
 
Sowohl in Süd- wie in Nordamerika sind Begegnungen mit Gifttieren nicht selten.

Quallen wie die Portugiesische Galeere können entlang der Küste Floridas Schwimmer durch ausgedehnte Nesselverletzungen in Lebensgefahr bringen. Aber auch der Verzehr von Meerestieren wie Muscheln und Fischen birgt die Gefahr einer Vergiftung. Muschelvergiftungen treten bevorzugt in den kalten Meeresregionen auf, Ciguatera, eine Fischvergiftung, in der Karibik.

Skorpione, Spinnen, Bienen, Wespen und Schlangen sind Gifttiere nicht nur der Tropen, sondern auch der gemäßigten Regionen. Der Stich eines Skorpions kann eine Antiserum-Therapie notwendig machen, bei Kindern ist eine intensivmedizinische Behandlung außerdem erforderlich. Spinnen rufen durch ihren Biss schmerzhafte Vergiftungen (schwarze Witwe), auch Nekrosen um die Bissstelle (Speispinnen) hervor. Der Stich von Bienen und Wespen ist für Menschen mit allergischer Anamnese durch anaphylaktische Reaktionen oftmals lebensbedrohlich. Massenhafte Stiche kommen vor allem beim Angriff von sog. "Killer-Bienen" vor und führen zu schweren, auch tödlich verlaufenden Vergiftungen.

Giftschlangen sind auf dem amerikanischen Kontinent mit Ausnahme weniger Gebiete (Chile, Hawaii) überall verbreitet. Ihr Biss bewirkt eine komplexe Vergiftungssymptomatik, die je nach Art der Schlange variiert: Lähmungen als Folge einer neurotoxischen Wirkung, Störung der Blutgerinnung mit Verbrauchkoagulopathie, Hämorrhagie und Nekrose um die Bissstelle. Eine Antiserum-Therapie, rechtzeitig angewandt, ist lebensrettend , doch gehören Antiseren wegen ihrer riskobelasteten Anwendung (Gefahr der Anaphylaxie) in die Hand des Arztes und sind nicht für Erste-Hilfe-Maßnahmen geeignet.