Begrüßung und Eröffnung
Prof. Dr. med. Erich Kröger
CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr verehrte Damen und Herren,

auch in diesem Jahr möchte ich Sie wieder im Namen der Veranstalter, dem Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf und dem Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes, sehr herzlich zu unserem Forum "Reisen und Gesundheit" im Rahmen der Internationalen Tourismus Börse (ITB) hier in Berlin begrüßen.

Inzwischen hat dieses Forum schon Tradition. Als wir im Jahre 2000 mit dem 1. Forum begannen, fand dies im Reisesektor nicht ungeteilte Zustimmung. Es bestand die Sorge bei den Reiseveranstaltern, dass durch eine zu starke Herausstellung von Gesundheitsrisiken bei Reisen, Kunden abgehalten würden in ferne und exotische Länder zu reisen. Inzwischen hat sich die Einstellung jedoch deutlich geändert.

Zum einen haben wir, das Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf, und auch der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes hier in Berlin immer wieder deutlich gemacht, dass es uns mit der reisemedizinischen Beratung nicht darum geht, Menschen vom Reisen abzuhalten, sondern im Gegenteil, dass wir Reisemediziner durch unsere Beratung vielen Menschen das Reisen überhaupt erst ermöglichen bzw. unsere Beratung dazu dient, Urlaub oder Reise möglichst unbeschwert genießen zu können.

Sicherlich hat auch der internationale Terrorismus der letzten Jahre dazu beigetragen, bei Reisenden das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Reisen ohne Risiko nicht möglich ist, dass Risiken aber auch nicht zwangsläufig eintreten müssen. Zahlreiche Risiken lassen sich durch gezielte Information und Beratung vor einer Reise vermeiden oder auf ein Minimum reduzieren. Dies gilt nicht nur für Terroranschläge oder Entführungen sondern auch für Infektionsrisiken und andere umweltbedingte Gesundheitsgefahren, die einem während einer Reise begegnen können. So wie jeder erfahrene Bergsteiger sich grundsätzlich vor dem Aufstieg über die Wetterlage, über die Sicherheit der Auf- und Abstiegswege und auch über die richtige Ausrüstung für den Aufstieg informiert, so sollte jeder der in ein fernes unbekanntes Land reist, sich vorher über Gefahren und Risiken des Reiselandes informieren und beraten lassen.

Ich denke, wir sind in den letzten 8 Jahren in der Reisemedizin ein ganzes Stück vorangekommen, auch wenn es noch ein langer Weg sein wird, bis die reisemedizinische Vorsorgeberatung vor einer Auslandsreise zur Selbstverständlichkeit wird. Risiken auf Reisen wird es immer geben, reisemedizinische Beratung von daher auch immer von Reisenden nachgesucht werden. Auch wenn einzelne Risiken durch besondere Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation ausgemerzt werden, wie z.B. die Poliomyelitis, so werden andere neue Risiken an ihre Stelle treten. AIDS, SARS oder in jüngster Zeit die Sorge um die Mutation des Vogelgrippevirus haben dies bereits gezeigt.

Die Reisemedizin wird auch in Zukunft ein interessantes und wichtiges Fachgebiet innerhalb der Medizin bleiben, vor allem wenn - wie es sich abzeichnet - die Tropeninstitute in Deutschland sich langsam aber stetig verringern und damit leider an Einfluss verlieren. Im wissenschaftlichen Bereich kommt künftige der Infektiologie und in der ärztlichen Praxis der Reisemedizin besondere Bedeutung zu, das Wissen und die praktische Erfahrungen im Umgang mit Tropenkrankheiten in der Medizin weiterhin aufrecht zu erhalten.
Die Reisemedizin trägt über die Tropenmedizin hinaus auch dazu bei, andere präventiv ausgerichtete Fachgebieten wie die Flugmedizin, die Höhenmedizin, die Tauchmedizin und die Verkehrsmedizin stärker in das Bewusstsein der Ärzte und auch Apotheken zu rücken. Dies ermöglicht den Ärzten und den Apotheken auch in diesen Bereichen verstärkt präventiv in die Bevölkerung hineinzuwirken. Entsprechend breit angelegt ist deshalb auch das Fortbildungsprogramm unseres Forums, das neben infektiologischen Fragen auch flug- und höhenmedizinische Aspekte beim Reisen oder wie in den vergangenen Jahren auch tauchmedizinische und verkehrsmedizinischen Themen im Zusammenhang mit Reisen behandelt hat und auch weiterhin behandeln wird.

Diesjähriges Schwerpunktthema des Forums ist nun "Reisen nach Amerika". Amerika ist der dritte Kontinent den wir mit seinen speziellen gesundheitlichen Risiken im Rahmen des Forums besonders herausstellen. 2005 war es Asien, im vergangenen Jahr Afrika. Der amerikanische Kontinent hat sich als Thema für das diesjährige Forum zwangsläufig angeboten.

Insgesamt reisen jährlich etwa 2,5 - 3 Millionen Bundesbürger nach Nord-, Mittel- oder Südamerika oder auch in die Karibik. Etwa 2 Millionen von ihnen zieht es dabei nach Nordamerika, etwa 500.000 in die Karibik und weitere 500.000 nach Südamerika. Statistisch gesehen kommen auf jeden Allgemeinarzt 50 Reisende nach Amerika und auf jede Apotheke 150 Amerikareisende. Sicherlich keine Riesenzahlen, aber dennoch ein wichtiges und häufig auch finanzkräftiges Klientel.

Amerika war schon seit der Entdeckung durch Kolumbus aufgrund der langdauernden Seereise immer ein Synonym für Abenteuerreisen in ferne Länder und für die Entdeckung und Erschließung fremder Kontinente und Kulturen. Kein anderer Kontinent hat über die Jahrhunderte so viele Menschen aus Europa in seinen Bann gezogen wie Amerika. Engländer, Franzosen, Deutsche, Polen, Italiener, Griechen, d.h. Menschen aus ganz Europa zog es immer wieder nach Amerika. Millionen sind von Europa nach Amerika ausgewandert, überwiegend nach Nordamerika, besonders in die USA, aber auch in andere Länder Nord- und Südamerikas.

Kein Kontinent in der Welt, wenn man von Australien und Neuseeland vielleicht einmal absieht, ist kulturell so verbunden mit Europa, wie Amerika. Dementsprechend fühlt sich der Europäer, je nach seiner sprachlichen Herkunft, auch als Tourist in entsprechenden Sprachräumen Nord- oder Südamerikas sehr schnell heimisch. Dieses sich zuhause fühlen führt zwangsläufig dazu, dass die meisten Reisenden gar nicht auf die Idee kommen, bei sich einer Reise nach Amerika vor der Reise über Gesundheitsvorsorge beraten zu lassen. Reisen nach Amerika, insbesondere nach Nordamerika oder auch in die Karibik, werden von uns Europäern nur selten gedanklich mit besonderen Gesundheitsrisiken verbunden.

Wie ganz generell im Leben, gibt es aber nicht nur eine heile Welt, auch nicht in Amerika. Der amerikanische Kontinent, der sich vom nördlichen bis zum südlichen Eismeer erstreckt und alle Klimazonen in sich vereint, der mit der Amazonasregion das größte Regenwaldgebiet der Welt beheimatet, der von Norden bis Süden von einer langen Gebirgskette mit bis zu über 7000 m hohen Gebirgen durchzogen wird, und dessen Regionen wirtschaftlich ganz unterschiedlich entwickelt sind, ist aus reisemedizinischer Sicht auch durch eine Vielzahl von gesundheitlichen Gefahrenherden gekennzeichnet, gesundheitliche Risiken die jeden Reisenden treffen können. Diese Risken wollen wir heute und morgen herausarbeiten und diskutieren, wie ihnen zu begegnen ist und was bei einer Reise nach Amerika ggf. an Vorsorgemaßnahmen zu empfehlen ist.

Im Vordergrund stehen dabei - wie schon in Asien und Afrika - Infektionsrisiken, insbesondere wenn die Reise nach Mittel- oder Südamerika führt. Ob Dengue-Fieber, Malaria, Gelbfieber, Pest oder Tollwut, ob Chagas-Krankheit, Leishmaniose, West-Nile Fieber oder Hantavirus-Infektionen, ob Lyme-Borelliose oder die Legionärskrankheit, die zuerst in Nordamerika entdeckt wurde, es gibt eine Vielzahl von Infektionsrisiken, denen ein Reisender in Amerika begegnen kann. Auch weniger schwere Gesundheitsstörungen beeinträchtigen immer wieder das gesundheitliche Wohlbefinden während einer Reise durch Amerika. Wer hat nicht schon bei Reisen nach Mexiko "Montezumas Rache" zuspüren bekommen, oder in Einzelfällen im Urlaub in der Dominikanischen Republik Symptome einer Fischvergiftung mit anschließend auffallenden Sensibilitätsstörungen an Armen und Beinen verspürt, wer bei einer Flugreise nach Bolivien bei der Ankunft in La Paz nicht erste Anzeichen einer Höhenkrankheit mit Kopfschmerzen, Müdigkeit und eventuell auch Unsicherheit bei Gehen bei sich beobachtet.

Am heutigen ersten Tag des Forums stehen zunächst die Infektionsrisiken im Vordergrund. Einige der Krankheiten waren ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent gar nicht existent, sondern wurden von Europäern, oder durch Tierimporte bzw. mit Handelsschiffen nach Amerika eingeschleppt. Andere wie die Legionärskrankheit wurden erstmalig in Amerika beobachtet.

In Nordamerika sind Infektionskrankheiten bei dem hohen Hygienestandard und der hervorragenden medizinischen Versorgung, und nicht zuletzt auch Dank dem CDC, dem Center for Diseases Control in Atlanta, dem bedeutendsten Institut in der Welt zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, weitestgehend unter Kontrolle und bedeuten für die Bürger der USA wie auch für Reisende keine unmittelbare Gefahr. Dennoch gibt es einige Infektionskrankheiten, die der Erwähnung bedürfen und die morgen im ersten Block des Vormittags auch angesprochen werden.

Ansonsten werden auch einige andere Themen aufgegriffen, wie die Beratung von jungen Menschen, die häufig unvorbereitet und selten gut beraten für mehrere Monate in Entwicklungsländer gehen und dort als Praktikanten arbeiten. Am Beispiel von Exkursionen des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V. nach Ecuador wie auch der 14-tägigen tropenmedizinischen Kurse des CRM in Manaus, die im Herbst dieses Jahres wieder aufgenommen werden sollen, werden Gelegenheiten vorgestellt, interessante Reiseländer aus reisemedizinischer Sicht kennenzulernen oder auch Tropenkrankheiten vor Ort erleben zu können.

Zum Abschluss werden wir morgen dann noch einen Blick in die Zukunft der Reisemedizin werfen. Was wenige wissen, ist die Tatsache, dass in Amerika bereits heute touristische Reisen in den Weltraum geplant werden. Zwangsläufig werden hier spezielle gesundheitliche Anforderungen an die "Weltraumtouristen" gestellt werden. Hierüber und über den künftigen Weltraumtourismus wird uns Prof. Gerzer, der Direktor des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin beim DLR in Köln, und gleichzeitig auch Vorsitzender des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin berichten.