Reisemedizinische Exkursionen nach Ecuador und Indien - eine sinnvolle Ergänzung für die fachliche Qualifikation in der Reisemedizin
Dr. med. Ulrich Klinsing
stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin, Arzt für Allgemeinmedizin, Frankfurt
 
Eine qualifizierte reisemedizinische Tätigkeit setzt neben breiten allgemeinen medizinischen Kenntnissen spezielles Wissen und Erfahrungen voraus, die nur zum Teil durch Seminare, Kurse und praktische Tätigkeit an unseren Arbeitsplätzen erlangt werden können. Integriert in unser 2-stufiges Kurskonzept zur Erlangung des Basiszertifikates "Reisemedizinische Gesundheitsberatung" und des "Fachzertifikat Reisemedizin (DFR)" hat der Deutsche Fachverband Reisemedizin das fakultative Fortbildungselement "Reisemedizinische Studienexkursion" entwickelt. Grundlegend für die Konzeption einer solchen Exkursion ist die Vorstellung, dass Engagement und Qualität der Beratung zunehmen, wenn auf eigene Reise- und reisemedizinische Erfahrungen zurückgegriffen werden kann.

Ziele der Exkursionen sollen Länder mit besonderer klimatischer oder gesundheitlicher Belastung in unterschiedlichen geographischen Lagen sein, die touristisch und reisemedizinisch möglichst vielfältige Besonderheiten bieten. Wir haben als konzeptionell besonders geeignet Indien und Ecuador als Zielländer gewählt. Indien zählt zu den klassischen häufig kulturell und zunehmend auch geschäftlich begründeten Reisezielen mit hohem gesundheitlichen Gefährdungsgrad. Im Rahmen der Gesamtthematik der Veranstaltung wird im Vortrag besonders auf unser südamerikanisches Exkursionsziel Ecuador eingegangen. Dieses Land ist aufgrund seiner geomedizinischen Lage besonders gut geeignet, da hier auf engem Raum eine Vielzahl reisemedizinischer Problemfelder berührt und didaktisch aufbereitet werden können. Dies betrifft u. a. die klimatischen Gegebenheiten mit Äquatornähe und mehreren zum Teil extrem unterschiedlichen Klimazonen, die medizinischen Besonderheiten durch verschiedenste touristische Aktivitäten (Dschungelerkundungen/ Höhentrekking/ Tauchen/Schiffstouren und vieles mehr) und die medizinische Versorgung durch sehr unterschiedliche Versorgungsebenen und Notfallrettungssysteme. Die reine Wissensvermittlung der curriculär festgelegten reisemedizinischen Inhalte kann in dieser Region durch vielfältige und intensive Selbsterfahrung vor Ort ergänzt werden.

Im Rahmen des Vortrages wird besonders auf die Erfahrungen eingegangen, die die Teilnehmer der Ärztegruppe selbst in verschiedenen Reisezusammenhängen erfahren konnten. Dies reicht vom Erleben der Höhe als "nicht bergerfahrene Reisende" bis zum Krisenmanagement bei medizinischen Notfällen innerhalb der Reisegruppe. Hier kommt ein wesentliches Programmelement besonders zum Tragen, nämlich das Erleben der Reisegruppe selbst aus medizinischer Sicht. Hierbei geht es zum einen um die Beurteilung von eigenen Symptomen, besonders aber auch um die Einschätzung und Abwendungsmöglichkeiten von Beschwerden Mitreisender.

Die Exkursionen nach Ecuador und Indien sind von der Ärztekammer Hessen zertifiziert und vom Fachverband für inhaltlich entsprechende Aufbaumodule des Fachzertifikates anerkannt. Sie werden organisiert und durchgeführt in Zusammenarbeit mit namhaften Reiseveranstaltern (Studiosus/Windrose), wobei die organisatorisch-touristische Verantwortung bei den Reiseveranstaltern liegt und die medizinische Programmgestaltung von Deutschen Fachverband Reisemedizin verantwortet wird.

Die Teilnahme an einer solchen Exkursion setzt Flexibilität und Mut zum Engagement in einer Ärztegruppe voraus. Der Lohn für den nicht unerheblichen Einsatz ist dann aber auch, so die Beurteilung der Teilnehmer, ein sehr hoch einzuschätzender Zuwachs an reisemedizinischer Kompetenz.