Malaria - aktuelle Prophylaxeempfehlungen für die Karibik, Mittel- und Südamerika
PD Dr. Tomas Jelinek
Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT)
 
Laut WHO treten jährlich mehr als 300 Millionen Erkrankungen an Malaria neu auf, davon verlaufen 2-3 Millionen tödlich. Zu 90 % wird Malaria auf dem afrikanischen Kontinent übertragen. Die Malaria tropica stellt wegen der zunehmenden Häufigkeit und der steigenden Resistenz gegenüber den früher angewandten Malariamitteln sowohl für die Bevölkerung in Malariagebieten als auch für Einreisende ein Problem dar.

In Deutschland werden jährlich etwa 1.000 importierte Malariafälle registriert. Hierbei sind diejenigen Patienten, die während der Reise an Malaria erkranken und vor Ort behandelt werden nicht erfasst. Eine Malariaprophylaxe wird in der Regel ausschließlich wegen der Malaria tropica empfohlen. In vielen Endemiegebieten Lateinamerikas und der Karibik sind vor allem die Städte malariafrei. In der Regel ist eine Prophylaxe gegen Malaria ab Höhen über 1500m nicht mehr notwendig, dies kann jedoch in Abhängigkeit von Temperatur und Niederschlag stark variieren - bei günstigen Bedingungen kann Malaria in Lateinamerka auch in Höhen deutlich über 2000m übertragen werden.

Das Infektionsrisiko variiert weiterhin stark mit der Saison. Bei nicht immunen Reisenden kann eine unbehandelte Malaria tropica in bis zu 80 % der Fälle tödlich verlaufen. Selbst unter suffizienter Behandlung bei Rückkehr nach Europa liegt die Todesrate im Durchschnitt bei 0,5 - 2 %.

Hauptursache für die hohe Erkrankungs- und Todesrate sind:
  1. Inkonsequente Prophylaxe und
  2. Zu späte Diagnosestellung.
Oft wird vergessen, den fiebernden Patienten nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet innerhalb des letzten halben Jahres zu fragen. Beim Aufenthalt in Übertragungsgebieten von P. falciparum-Malaria sollten vor allem vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. Primärer Schutz durch die Anwendung von Repellentien vor Einbruch der Dämmerung/Dunkelheit und die Benutzung eines imprägnierten Moskitonetzes in der Nacht sind unbedingt notwendig. Eine zusätzliche Chemoprophylaxe ist in weiten Teilen Lateinamerikas nicht unbedingt notwendig, jedoch sollte die Indikation immer individuell abgeklärt werden. Mefloquin gewährt hier einen Schutz von 90 - 95 %, ist aber wegen seines Nebenwirkungsprofils in Diskussion geraten. Ein Alternativpräparat mit ähnlicher Effektivität ist Doxycyclin, aber auch bei diesem können unangenehme Nebenwirkungen auftreten. Atovaquon/Proguanil (Malarone®) ist mittlerweile in den meisten Staaten der EU und in den USA zur Maslariaprophylaxe zugelassen. Studien belegen, dass Atovaquon/Proguanil bei nicht-immunen Reisenden eine effektive Prophylaxeoption darstellt und dass die Schutzwirkung mit der von Mefloquin und Doxycyclin gleichgesetzt werden kann. Dies bedeutet, dass derzeit 3 gleich effektive Alternativpräparate für die Malariaprophylaxe zur Verfügung stehen (Doxycyclin, Mefloquin und Atovaquon/Proguanil), die entsprechend individueller Indikationen in allen Hochrisikogebieten eingesetzt werden können.