Tauglichkeitskriterien für den Weltraum-Tourismus
Prof. Dr. med. Rupert Gerzer
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR, Köln
 
Für 20 Millionen US$ kann man als Tourist mit der Soyuz-Rakete zur Internationalen Raumstation fliegen (www.spaceadventures.com). Dafür müssen die für trainierte Astronauten erforderlichen Tauglichkeitskriterien erfüllt werden.

Seit einigen Jahren arbeiten auch private Firmen an Raumfahrzeugen, die Touristen für einen Preis von ca. 200 000 US$ in über 100 km Höhe bringen und einige Minuten Schwerelosigkeit ermöglichen sollen (z.B. www.virgingalactic.com). Es werden auch Millionen in die Entwicklung von Weltraumhotels (www.bigelowaerospace.com) gesteckt und erste Space Ports in New Mexico, Kalifornien und in den vereinigten Arabischen Emiraten errichtet, auch der Flughafen in Kiruna in Schweden ist als Space Port vorgesehen.

Da die ersten solchen völlig privaten suborbitalen Weltraumflüge bereits in den nächsten fünf Jahren starten sollen und ein riesiges Marktpotential haben, müssen bereits heute Tauglichkeitskriterien für Weltraumtouristen erarbeitet werden.

Dafür hat die Internationale Akademie für Astronautik (IAA) eine aus ca. 20 Experten verschiedenster Länder bestehende Arbeitsgruppe eingerichtet, die als Grundlage dieser Tauglichkeitskriterien ein Positionspapier erarbeitet.

Die Arbeitsgruppe stellt fest, dass die Tauglichkeitskriterien Empfehlungscharakter haben sollen und hier Behörden möglichst wenig regulieren sollen, damit sich dieser neue Milliardenmarkt möglichst ungehemmt entwickeln kann. Man geht davon aus, dass die Risikobereitschaft der entsprechenden Unternehmer bzw. deren Rechtsabteilungen und ihre Versicherungen sowie evtl. Vorschriften einzelner Länder den Ausschlag für konkrete Richtlinien geben werden. Trotzdem ist die IAA der Meinung, man solle für die Tauglichkeit als Richtschnur einen internationalen "Goldstandard" entwickeln, der Empfehlungscharakter hat.

Da Astronautentraining in einem Massenmarkt nicht durchgeführt werden kann, wird vorgeschlagen, dass vor einem Flug eine Tauglichkeitsprüfung durchgeführt wird, die dem "Medical" eines Berufspiloten ähnlich ist. Dabei sollte neben der Gesundheit und körperlichen Fitness auch die Beschleunigungstoleranz für das entsprechende Raumschiff mit untersucht werden. Körperliche und psychische Schäden, die eine Gefahr für den Passagier oder die gesamte Mission darstellen, sollen ausgeschlossen werden.

Zunächst geht man davon aus, dass die entsprechenden Tauglichkeitsuntersuchungen von solchen medizinischen Sachverständigen durchgeführt werden, die auch Berufsastronauten betreuen. Sicherlich werden die entsprechenden Unternehmen zumindest in den ersten Betriebsjahren auch eigene medizinische Abteilungen für Tauglichkeitsuntersuchungen einrichten.

In weiterer Zukunft kann jedoch davon ausgegangen werden, dass solche Tauglichkeitsuntersuchungen z.B. auch dafür zugelassene niedergelassene Ärzte durchführen können.

Die Zukunft auf diesem Gebiet liegt schon näher, als es die meisten vermuten.