Leishmaniasis in Mittel- und Südamerika Vorkommen - Infektionsrisiko - Behandlung
Dr. med. Gerhard Boecken
Auswärtiges Amt - Gesundheitsdienst -, Berlin
 
Die Leishmaniasis kommt in 88 tropischen und subtropischen Ländern vor. 350 Millionen Menschen leben in den Endemiegebieten. Neben der Malaria gehört die Leishmaniasis weltweit mit jährlich über 2 Millionen Neuinfektionen zu den wichtigsten humanpathogenen Parasitosen. Mehr als 90% der weltweiten 500.000 jährlichen Fälle an der viszeralen Verlaufsform treten in Brasilien, Indien, Bangladesch, Nepal und Sudan auf. 90% der weltweit 1.5 Millionen Fälle an cutaner Leishmaniasis kommen in Brasilien, Peru, Afghanistan, Algerien, Iran, Saudi Arabien und Syrien vor.

International wird eine Zunahme der Leishmaniasis-Importe bei Reisenden nach privaten und beruflichen Aufenthalten beobachtet, wobei Rückkehrer aus dem lateinamerikanischen Raum in Deutschland und Europa den größten Anteil stellen. Vermehrtes Reiseaufkommen und erhöhte Risikobereitschaft mögen dazu beitragen.

Die Leishmaniasis wird durch Protozoen der Gattung Leishmania verursacht. Die Erkrankung ist vektorgebunden und wird von 30 Arten von Schmetterlingsmücken (Phlebotomus spp.) übertragen. Insgesamt sind 20 verschiedene Leishmania-Arten humanpathogen, die im wesentlichen drei verschiedene Krankheitsbilder (cutane (CL), mukocutane (MCL) und viszerale (VL) Verlaufsform oder auch Kala Azar) hervorrufen. Erregerreservoir und Zwischenwirt sind in Mittel- und Südamerika Waldnager, insbesondere Ratten, Faul- und Gürteltiere, in der alten Welt sind es kleine Nagetiere und Sandmäuse. Bei der VL ist als Reservoir häufig auch der Hund betroffen.

Die Erreger werden von den Sandmücken aufgenommen, entwickeln sich dort in 5-26 Tagen zu der infektiösen Form, um dann bei der Blutmahlzeit auf den Menschen übertragen zu werden (Zoonose). Entsprechend der Erregerspezies und der Immunkompetenz des Wirtes kommt es nach einer Inkubationszeit von 10 Tagen bis 2 Jahren (durchschnittlich 3-4 Wochen bei der CL, Wochen bis Monate bei der MCL und VL) zur Ausbildung der entsprechenden Krankheitssymptome an der Haut, den Schleimhäuten oder den inneren Organen. Bei einigen Leishmania-Spezies (z.B. L. tropica, L. donovani) ist der Mensch nicht nur als Wirt betroffen, sondern auch Reservoir der Erreger geworden (Anthroponose). Da diesem anthroponotischen Zyklus der tierische Zwischenwirt fehlt, kann er bedeutend schneller ablaufen und zu dramatischen Ausbrüchen insbesondere in Großstädten und Kriegsgebieten in den Endemiegebieten führen.

Die Diagnostik der Erkrankung erfolgt entsprechend der Verlaufsform durch direkten Erregernachweis aus Wund-, Milz-, Leber- oder Knochenmarkspirat und durch kulturelle und molekularbiologische Methoden. Immunologische Verfahren haben weniger Bedeutung. Die Therapie erfolgt bei der CL speziesspezifisch und entsprechend dem Ausmaß und der Anzahl der Läsionen lokal oder systemisch, bei der VL systemisch. Es stehen 5-wertigen Antimonpräparaten, Pentamidine, liposomales Amphothericin B, Miltefosine, systemische Azole, Paromomycin oder Thermotherapie zur Verfügung. Aktuelle, speziesspezifische Therapieleitlinien werden hierzu vorgestellt. Aufgrund der z.T. komplizierten und schweren Verläufe, insbesondere bei den lateinamerikanischen, mukocutanen sowie den viszeralen Verlaufsformen und der nicht einfachen Behandlung haben Präventionsmaßnahmen einen großen Stellenwert. Eine Prävention der Leishmaniasis ist durch den Schutz vor der Übertragung (Verhaltenssteuerung, Barrieremaßnahmen), durch Reduktion der Überträger (Brutplatzvernichtung, Insektizide) und Vernichtung oder Sanierung der Reservoire (Nagerreduktion, Behandlung der Bevölkerung) möglich.

Eine Chemoprophylaxe wie bei der Malariainfektion gibt es nicht, eine Impfung ist derzeit und absehbar nicht verfügbar.