Malariarisiko und Prophylaxe in Malaria-Grenzgebieten und bei Langzeitaufenthalten
Dr. med. Klaus-J.Volkmer,
Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Malariarisiko und Prophylaxe-Empfehlungen für das tropische Afrika sind generell einfach: Mit Ausnahme einiger Städte und Höhenlagen im Osten ist das Risiko überall hoch und die empfohlene Prophylaxe besteht aus konsequentem Mückenschutz und vorbeugender Tabletteneinnahme.

Anders ist die Situation in den Randzonen. Eine statische Grenzlinie zwischen "malariafrei" und "malaria-endemisch", wie viele Verbreitungskarten vortäuschen, gibt es nicht. Im Norden, wo das Reiseaufkommen eher gering ist, sind die Verhältnisse durch die Sahara noch gut überschaubar. Im Süden verläuft die Übergangszone als breites, unregelmäßig strukturiertes Band durch fünf Reiseländer: Namibia, Botswana, Simbabwe, Südafrika und Swasiland. Hier nimmt die Malaria durch klimatische und geographische Einflüsse ein epidemisches Muster mit ausgeprägter saisonaler Dynamik an.

Diese Variablen den individuellen Bedürfnissen anzupassen, ist Aufgabe einer guten reisemedizinischen Beratung. Die hierzu notwendigen Vorgaben erhält der Berater

  1. aus einem Informationssystem:
    (z.B. CRM-Handbuch Reisemedizin, Malariaempfehlungen der DTG)

    Gibt es im Reiseland autochthone Malaria? Wenn ja - ganzjährig oder saisonal (Regenzeit) landesweit oder regional
    Übertragungsrisiko (Praevalenz)
    Parasitenart, speziell P. falciparum
    Resistenzen gegen Medikamente;
  2. vom Reisenden:
    Reisezeit, Aufenthaltsdauer
    Reisestil - organisiert oder individuell ortsständig oder mobil (Safari, Trecking)
    Aufenthalt Stadt, Touristikzentrum / ländliches Gebiet
    Unterkunft Hotel, festes Haus / Hütte, Zelt
    ärztliche Versorgung vor Ort.
So wird man einen organisiert reisenden Touristen im Juli für zwei Tage Krüger-Park mit guter Unterbringung anders beraten als einen Rucksackreisenden, der im April 2 Wochen im Okawangobecken treckt: Ersterer kommt mit einem Mückenschutz aus, letzterer benötigt eine vorbeugende Medikation

Darüberhinaus sind persönliche Daten des Reisenden zu berücksichtigen:
gesund oder (chronisch) krank,
Allergien, Medikamenteneinnahme,
Schwangerschaft, Kind, Alter, Immundefizienz

Bei der Malaria-Vorbeugung geht es primär um die Frage: Benötigt der Reisende eine Chemoprophylaxe oder reicht ein sorgfältiger Mückenschutz aus. Das gilt in besonderem Maße für die Beratung von Personen, die sich für längere Zeit oder in kurzen Abständen wiederholt in einem Malariagebiet aufhalten. Für sie gibt es keinerlei festgeschriebene Empfehlungen. Die Entscheidung muß immer nach individueller Risikoabwägung gemeinsam mit dem Reisenden getroffen werden. Die folgende Tabelle dient als Orientierungshilfe, welche Faktoren in eine Risikokalkulation einbezogen werden sollten:

Faktoren mit Einfluß auf das Malaria-Risiko
Faktor Risiko-Trend
  niedrig hoch
Aufenthaltsort / Reiseroute stationär mobil
Reisezeit / Reisedauer lang (resident) kurz
(tourist, arrival)
Malaria vor Ort
Praevalenz, Inzidenz gering hoch
Saisonalität Trockenzeit, Winter Regenzeit, Sommer
Parasitenart P. vivax,
P. ovale
P. falciparum
Resistenzen nicht vorhanden vorhanden
Unterkunft relativ "mückensicher" ja nein
Außenaktivitäten (Beruf, Freizeit) tagsüber abends/nachts
Ärztliche Versorgung ständig erreichbar nicht erreichbar
Risikobewußtsein, Compliance vorhanden unsicher

Ist der Risiko-Trend mehrheitlich hoch, würde man eher für eine vorbeugende Tabletteneinnahme plädieren, ist er vorwiegend niedrig, kann man sich wahrscheinlich mit einem guten Mückenschutz begnügen. Daraus ergeben sich sinnvolle Variablen, z.B. die Tabletten nur am Beginn des Aufenthaltes oder nur während der Regenzeit oder nur bei Reisen vor Ort zu nehmen und sie unter günstigeren Konditionen wegzulassen. Oft besteht bei Langzeitaufenthalten auch die Möglichkeit, die Unterkunft z.B. durch kleine bauliche Veränderungen, Anbringen von Screens, Beseitigung von Brutplätzen in unmittelbarer Umgebung etc."mückensicherer" zu machen.

Besonders wichtig ist es, dem Reisenden ein gesundes Risikobewußtsein und eine adaequate Compliance zu vermitteln. Er muß bei Fieber immer an eine Malaria denken und ärztliche Hilfe aufsuchen. Die ständig erreichbare medizinische Versorgung mit der Möglichkeit sofortiger Diagnostik und Therapie hat einen hohen Stellenwert zur Risikosenkung. Wo es sie nicht gibt, kommt unter den gegebenen Umständen eine notfallmäßige Selbstbehandlung mit einem Stand by-Medikament in Betracht.