Affen- und andere humanrelevante Pocken - eine Gefahr für den Menschen?
Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz,
Zentrallabor, Stiftung Juliusspital, Juliuspromenade 19, 97070 Würzburg
 
Durch den Ausbruch in den USA im Jahr 2003 kamen Affenpocken, eine zoonotische Infektion, die bislang nur in entlegenen Gebieten West- und Zentralafrikas endemisch waren, in die Schlagzeilen. Verursacht wurde dieser Ausbruch durch eine infizierte guineische Riesenratte aus Ghana, die in einer Zoohandlung in Illinois zur Ansteckungsquelle für Präriehunde wurde. In der Folge infizierten sich mindestens 35 Personen mit diesem seltenen Virus. Als Sofortmaßnahme zur Vermeidung ähnlicher Infektionsprobleme in der Europäischen Union wurde die Einfuhr von Präriehunden aus den USA ab sofort untersagt. Des weiteren wurde auch ein Einfuhrverbot für nicht domestizierte Nagetiere und Hörnchen aus dem tropischen Afrika ausgesprochen (Entscheidung 2003/459/EG).

Das Affenpockenvirus gehört zum Genus Orthopoxvirus der Familie der Poxviridae. Antigenetisch ist das Virus eng mit Variola-, Vakzinia-, Kuhpocken sowie Kamelpockenvirus verwandt. Erstmals wurde das Virus Ende der 1950er Jahre aus einer Hautläsion eines Affens in Dänemark isoliert. Während der Überwachung der Pocken-Eradikation wurde das Virus im Jahr 1970 erstmals bei einem Menschen, der sich im Kongo infiziert hatte, isoliert. In der Folge kam es zu mehreren Berichten über spontane Ausbrüche von Pocken in Zentralafrika, die sich alle als Infektionen durch Affenpocken, nicht jedoch von Variola, entpuppten.

Affenpocken gelten heute in weiten Teilen des äquatorialen Afrikas als endemisch, doch ist die jährliche Inzidenz mit 0,63/10000 sehr gering. Nachgewiesen wurde der Erreger in den tropischen Regenwäldern von Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste, Kamerun, Nigeria und Gabun. In den letzten Jahren kam es wiederholt zu Ausbrüchen von Affenpocken in der DR Kongo, bei denen bis zu 500 humane Infektionen beobachtet wurden.

Die Infektion des Menschen erfolgt in der Regel durch Kontakt mit infizierten Tieren (Eichhörnchen, Ratten, Primaten) durch Biss, Umgang, Kontakt mit tierischem Blut und Sekreten. Neuere Untersuchungen belegen, dass das Virus wesentlich infektiöser ist als bisher angenommen und leicht durch Tröpfchen übertragen wird. Als weitere Ansteckungsquelle gilt der Verzehr von Affenfleisch. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, wobei jedoch größere Infektketten derzeit nicht vorkommen. Allerdings ist wegen dem in Folge der Bevölkerungsentwicklung stetigen Anstieg der Zahl von nicht gegen Vakzinia-geimpften Personen mit einer weiteren Zunahme von empfänglichen Personen zu rechnen.

Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 21 Tage. Das klinische Bild ähnelt dem der Pocken. Prodromal kommt es im präeruptivem Stadium zu Fieber, Lymphknotenschwellung und Kopfschmerzen. Das eruptive Stadium beginnt mit einem vesiko-pustuläre Exanthem in der Regel im Gesicht und breitet sich dann auf den Stamm und die Extremitäten aus. Die Hauterscheinungen durchlaufen die pocken-typischen Stadien, beginnend mit Maculae, gefolgt von Papulae, Pustulae, Vesiculae und zuletzt erneut Pustulae. Nach dem Überstehen der Infektion bleiben an den betroffenen Hautstellen pockenartige Narben zurück. Die Therapie der Affenpocken erfolgt symptomatisch und supportiv. Die Diagnostik von Affenpocken erfolgt ausschließlich in spezialisierten Labors. Sowohl für den Erreger- als auch Antikörpernachweis stehen diverse etablierte Testmethoden zur Verfügung.

Neben Affenpocken kommen in West- und Zentralafrika noch Tana-Pocken vor, über die jedoch nur wenig bekannt ist.