Schlafkrankheit - nach Ruhephase wieder auf dem Vormarsch
PD Dr. med. August Stich
Missionsärztliche Klinik, Würzburg
 
Die Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) ist eine von der Tsetse-Fliege auf den Menschen übertragene parasitäre Infektionskrankheit. Zunächst bemerkt der Patient eine Hautläsion an der Stelle des Insektenstiches, die sich nach etwa fünf Tagen entwickelt und einige Wochen bestehen bleiben kann. Bereits während dieser Zeit kommt es häufig zu undulierenden Fieberschüben mit einem oftmals septisch anmutenden, manchmal lebensbedrohlichen Krankheitsbild. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine generalisierte, vorwiegend nuchale Lymphadenopathie sowie eine Hepatosplenomegalie. In der Spätphase der Erkrankung leiden die Patienten an einer schleichenden Enzephalopathie mit zunehmender Störung des Bewusstseins und einer Alteration des Schlaf-Wach-Rhythmus. Unbehandelt verläuft die Erkrankung tödlich.

Diagnostik und Therapie sind sehr schwierig und erfordern viel Erfahrung. Für Deutschland wird empfohlen, Patienten mit dem Verdacht auf Trypanosomiasis umgehend in eine tropenmedizinische Einrichtung zu überweisen.

Die Schlafkrankheit ist auf den afrikanischen Kontinent zwischen dem 14 Grad nördlicher und 25 Grad südlicher Breite beschränkt und kommt auch dort nur in bestimmten, relativ genau bekannten Foci vor. Einige davon liegen in Tierreservaten und Nationalparks Ostafrikas, die regelmäßig von europäischen Touristen besucht werden. Die derzeit größten Vorkommen der Schlafkrankheit befinden sich allerdings in den schwer zugänglichen Gebieten der Demokratischen Republik Kongo, Angolas und im Sudan.

In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts galt die Schlafkrankheit als nahezu ausgerottet. Dies war die Errungenschaft intensiver Anstrengungen der Kolonialbehörden im Rahmen vertikaler Kontrollprogramme mit den Hauptkomponenten der Tsetsebekämpfung und Reihenuntersuchung der afrikanischen Bevölkerung. Nachdem in vielen Ländern Afrikas durch Bürgerkriege, wirtschaftlichen Niedergang und Korruption alle Aktivitäten einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zum Erliegen kamen, kehrte auch die Schlafkrankheit mit voller Wucht, aber weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit zurück. Heute schätzt die WHO 300 bis 500.000 Infizierte, 60 Millionen Menschen gelten als potentiell von der Schlafkrankheit bedroht.