Impfberatung für Reisen nach Afrika
Dr. med. Christian Schönfeld,
Institiut für Tropenmedizin, Berlin
 
Grundsätzlich sollte jeder Arzt-Patienten-Kontakt auch zum Anlass genommen werden, den allgemeinen Impfstatus zu kontrollieren. Dabei werden - abhängig vom Alter und Gesundheitszustand - die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Masern, Mumps, Röteln (MMR), Influenza und Pneumokokken auf Vollständigkeit überprüft. Da nach neueren Untersuchungen die Pertussis-Inzidenz bei Erwachsenen in westlichen Industrieländern auf bis zu 500/100.000 Einwohner angestiegen ist und in Deutschland seit 2005 kein monovalenter Pertussis-Impfstoff mehr zur Verfügung steht, muss auf Kombinations-Impfstoffe (TdaP bzw. TdaP-IPV) zurückgegriffen werden. Dieser Aspekt sollte deshalb bei jeder geplanten Tetanus-Diphtherie bzw. Tetanus-Diphtherie-Polio-Auffrischimpfung berücksichtigt werden.

Wie bei allen reisemedizinischen Beratungen erfolgt auch bei Reisenden nach Afrika - abhängig vom Reiseziel, -stil, -dauer, Jahreszeit, berufliche Tätigkeiten, Freizeitaktivitäten, Abreisetermin - eine länderspezifische Impfberatung.

Grundsätzlich wird die Hepatitis A-Impfung für alle afrikanischen Länder empfohlen. Bei gleichzeitig bestehender Typhus-Impfindikation (insbesondere bei Reisen nach Nord- und Westafrika sowie bei Rucksacktouristen und Langzeitaufenthaltern) stehen auch Hepatitis A-Typhus-Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.

Wenn über die Reise hinaus auch ein Schutz gegen Hepatitis B aufgebaut werden soll, empfiehlt sich die A+B-Kombinations-Vakzine, von der zwei Injektionen vor Abreise erfolgen müssen, damit auch ein sicherer Hepatitis A-Impfschutz gewährleistet ist.

Die Gelbfieber-Endemiegebiete liegen im tropischen Afrika zwischen dem 15. nördlichen und dem 10. südlichen Breitengrad. Bei Reisen ins tropische Afrika ist die Gelbfieber-Impfung grundsätzlich indiziert oder bei der Einreise vorgeschrieben.

In der Trockenzeit (Dez.-Mai) sollte die tetravalente Meningokokken-Impfung allen Reisenden in Epidemie- und Langzeit-Reisenden (> 4 Wochen) in Endemiegebieten der Sahelzone sowie allen Risikopersonen aus medizinischen und sozialen Berufen auch unabhängig von der Jahreszeit empfohlen werden.

2003 wurden aus 45 Ländern 111.575 Cholera-Fälle mit 1.894 Todesfällen gemeldet. Dabei entfielen 96 Prozent aller registrierten Fälle auf Afrika. Reisende sind jedoch nur ausgesprochen selten von dieser Krankheit betroffen. Dennoch kann die seit 2004 in Deutschland verfügbare Cholera-Schluckimpfung für Afrikareisende sinnvoll sein. Dieser rekombinante orale Cholera-Impfstoff zeichnet sich nicht nur durch eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit aus. Er schützt wegen der Verwandtschaft des Cholera-Toxins mit dem hitzelabilen Toxin (LT) von Escherichia coli (ETEC) - außer gegen Cholera - teilweise auch gegen die durch ETEC hervorgerufenen Diarrhöen. Obwohl der Cholera-Impfstoff für die Indikation der Prophylaxe der ETEC-Diarrhöe in den deutschsprachigen Ländern nicht zugelassen ist, ist es jedoch im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit möglich diesen Impfstoff außer zur Prävention der Cholera auch zur Prävention ETEC-bedingter Reisediarrhöen einzusetzen.

Aufgrund der häufig bei Reisen vorkommenden Tierbisse und der schlechten Versorgungslage mit Tollwut-Impfstoffen und -Seren in den meisten afrikanischen Ländern, sollte die Tollwut-Impfindikation bei Reisen generell großzügig gestellt werden.

Alle genannten Impfungen können von jedem niedergelassenen Arzt vorgenommen werden. Einzige Ausnahme ist die Impfung gegen Gelbfieber, die zur Gültigkeit im internationalen Reiseverkehr nur von einem Arzt oder einer Impfstelle mit staatlicher Zulassung dokumentiert werden darf.