Scheitert die Polio-Ausrottung in Westafrika?
Dr. med. Burkhard Rieke,
Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Nach den Pocken (1977) steht die Poliomeylitis seit der Erklärung der Weltgesundheitsversammlung 1988 zur Ausrottung an. Beide Erkrankungen sind hochkontagiös, haben außerhalb des Menschen kein Reservoir und können durch eine Impfung gut bekämpft werden.

Doch die Erfolgsstory der ersten 10 Jahre des Eradikationsprogrammes haben ein jähes Ende gefunden. Seit 2001 ist die Zahl der Fälle, seit 2002 die Zahl der betroffenen Länder wieder angestiegen. Diese weisen Gemeinsamkeiten auf: meist sind es islamisch geprägte Regionen und Bevölkerungsanteile in eher entlegenen Landesanteilen. Bei genauerer Untersuchung entpuppt sich internationale Reisetätigkeit, zum Teil die Hajj, als bedeutsamer Faktor, und einige Gerüchte über den Schluckimpfstoff, die sich in diesem Personenkreis offensichtlich bevorzugt verfangen konnten. Seit diese Faktoren identifiziert wurden, haben WHO und Gesundheitsbehörden reagiert: Mit beispiellosem Aufwand wird versucht, das Virus durch Impfaktionen wieder einzugrenzen und auszurotten. Saudi-Arabien hat in diesem Zusammenhang eine Pflichtimpfung für Einreisende aus betroffenen Ländern angeordnet. Der neue Ausrottungsversuch muss aber - und das ist die Lehre aus den Rückschlägen - weitaus mehr Unterstützung von politischen und religiösen Autoritäten erfahren und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden. Beispiele aus der Umsetzung dieser Erkenntnisse in Indien werden die Lehren illustrieren.