Reisen nach Afrika - Beratung zur Gesundheitsvorsorge
Begrüßung und Eröffnung
Prof. Dr. med. Erich Kröger,
Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr verehrte Damen und Herren,

auch in diesem Jahr möchte ich Sie im Namen der Veranstalter, dem Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf, dem Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes und dem Tropeninstitut Berlin, sehr herzlich zu unserem Forum "Reisen und Gesundheit" im Rahmen der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin begrüßen.

Nachdem wir im vergangenen Jahr den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Thematik "Reisen nach Asien" gelegt hatten, beschäftigt sich das Forum in diesem Jahr mit Fragen und Problemstellungen der Gesundheitsvorsorge bei "Reisen nach Afrika".

Obwohl unmittelbar vor der Haustür Europas gelegen, war Afrika trotz der Entdeckungen der Europäer im 17. und 18. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ein unzugängliches Geheimnis geblieben. Küsten ohne Häfen, Flüsse mit Stromschnellen, zerklüftete Küstengebirge - die Topografie des Kontinents schien ein Durchqueren unmöglich zu machen. Von Timbuktu bis zum Fluss Oranje erstreckte sich eine weite Terra incognita, wohin niemals ein Weißer seinen Fuß gesetzt hatte. Selbst die Quellen des Nil, Hauptstütze der ägyptischen Zivilisation, waren noch nicht entdeckt worden.

Erst im 19. Jahrhundert erhielten Berge, Ebenen und Flüsse Afrikas Namen und der Kontinent fand Eingang in die europäischen Geschichtsbücher. Mit der Entdeckung des Turkanasees, des letzten der legendären Seen im inneren Afrikas, im Jahre 1888 durch Graf Teleky von Szek und dem Marineoffizier und Geographen Ludwig von Höhnel, ging die heroische Phase der Entdeckung Afrikas zu Ende.

Zur gleichen Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, begannen medizinische Expeditionen nach Ostafrika und in andere Regionen des Kontinentes, u.a. auch durch Robert Koch. Die Forschungsreisen hatten alle das Ziel, mehr über den Ursprung der Krankheiten zu erfahren, die seit Jahrhunderten in großen Seuchenzügen immer wieder die Bevölkerung Europas bedrohten, und die zum anderen aber auch die für Kolonialbediensteten sowie die Kolonialtruppen ein nicht unerhebliches gesundheitliches Risiko darstellten.

Zu dieser Zeit entstanden auch die Tropeninstitute in Europa. In Deutschland richtete die Kolonialverwaltung in Hamburg ein tropenhygienisches Institut ein, das die Aufgabe erhielt, Ärzte für den Tropendienst auszubilden, Tropenkranke zu behandeln und das Wesen der Tropenkrankheiten, insbesondere der Malaria, zu erforschen. Außerdem sollte es sich mit Fragen der Tropenhygiene befassen. Historisch gesehen war die Einrichtung der Tropeninstitute und die gleichzeitig durch die öffentlichen Gesundheitsdienste vorangetriebene öffentliche Hygieneüberwachung in Europa zur Bekämpfung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten der Anfang der heutigen Reisemedizin.

Das besondere Interesse für die Krankheiten Afrikas ist bis heute erhalten geblieben. AIDS, Lassa-Fieber, Ebola und Marburg-Viruserkrankung sind Beispiele dafür, dass auch heute noch neue gefährliche Infektionskrankheiten ihren Ursprung im Inneren Afrikas haben, auch wenn gegenwärtig aufgrund von SARS und Vogelgrippe, der Focus und Blickwinkel in dieser Hinsicht eher auf Asien gerichtet ist.

Für uns Ärzte kommt noch ein anderer Aspekt hinzu, der die besondere Faszination Afrikas ausmacht. Es ist das Vorbild Albert Schweitzer, das bei vielen jungen und auch älteren Ärzten immer wieder den Wunsch und Gedanken aufkommen lässt, für einige Jahre als Arzt in Afrika zu arbeiten. In den meisten Fällen scheitert dies jedoch an der Realität, ein solches Vorhaben mit Familie und beruflicher Karriere in Einklang zu bringen, zumal eine ärztliche Tätigkeit in Entwicklungsländern bei der anschließenden Arbeitssuche in Deutschland kaum Anerkennung findet. Die meisten Ärzte verzichten deshalb auf eine Tätigkeit im tropischen Ausland, obwohl ein solcher Auslandseinsatz jedem jungen Arzt für seine berufliche und auch persönliche Entwicklung sicherlich gut tun würde.

Um Ärzten aber dennoch die Möglichkeit zu geben, die medizinischen Verhältnisse vor Ort und bei uns nicht oder nicht mehr vorkommende Infektionskrankheiten kennen zu lernen, haben wir von Seiten des CRM gemeinsam mit dem Berliner Tropeninstitut seit einigen Jahren 2-wöchige tropenmedizinische Kurse in in Moshi/Tanzania und Addis Abeba/ Äthiopien eingerichtet. Ergänzt wird das Lehrangebot durch Kurse in Kalkutta/Indien und Manaus/Brasilien. Der Deutsche Fachverband Reisemedizin geht einen anderen Weg und bietet 2-wöchige reisemedizinische Exkursionen nach Indien und Ecuador unter Leitung eines erfahrenen Reisemediziners an. Neben diesen Kursen und Exkursionen bietet die Organisation "Ärzte für die Dritte Welt" die Möglichkeit für einen kürzeren Zeitraum von wenigsten 6-8 Wochen in Ländern der Dritten Welt auch praktisch ärztlich tätig zu sein.

Afrika übt aber nicht allein von der beruflichen Seite her auf uns Ärzte eine besondere Faszination aus. Afrika spricht viele von uns auch als Urlaubs-Reiseziel ebenso an, wie viele andere Menschen. Wunderschöne Badestrände, traumhafte Hotels, exotische Tiere in freier Natur, beeindruckende Sonnenuntergänge, jederzeit verfügbares Dienstpersonal, und besonders auch die Atmosphäre in einer Safari-Lodge oder im Garten eines Hotels am Abend entspannt einen Gin Tonic zu genießen - dies alles vermittelt einen Hauch von kolonialem Lebensstil.

Eine solche Traumwelt wird von den Reiseveranstaltern in vielen Reiseprospekten auch ganz bewusst herausgestellt. Sie spricht ganz zwangsläufig die Menschen in unserer heutigen stressigen Zeit an, insbesondere dann, wenn durch Sonderangebote und kostengünstige Last-Minute-Buchungen ein solcher Traumurlaub zu Schnäppchenpreisen für viele auch bezahlbar wird.

Hier beginnt dann aber auch unsere ärztliche Sorge, wenn bei den Sonderangeboten und Last-Minute-Reisen vom Veranstalter oder auch im Reisebüro verschwiegen wird, dass zur Erlebniswelt Afrikas fast immer auch die unsichtbare Gefahr gehört, mit gefährlichen Krankheiten und Krankheitserregern in Berührung zu kommen. Malaria, Gelbfieber, Ebola, Lassa Fieber, Meningitiden, Bilharziose, Filariosen, Schlafkrankheit oder auch Pest und Cholera sind Krankheitsbilder, die in vielen Regionen Afrikas in der Bevölkerung oder auch in der Tierwelt immer noch verbreitet sind. Sie bedeuten letztlich ein ständiges potentielles Risiko für den Reisenden sich zu infizieren, vor allem dann, wenn er die Infektionswege und Infektionsquellen nicht kennt bzw. nicht einschätzen kann - was bei den meisten Touristen der Fall ist. Der reisemedizinischen Vorsorgeberatung kommt daher gerade bei Afrika-Reisen eine besondere Bedeutung zu.

Auch wenn die internationalen Organisationen, allen voran die WHO und UNICEF, aber auch viele private humanitäre Hilfsorganisationen, sich bemühen, mit viel Engagement und persönlichem Einsatz von einheimischen und internationalen Fachpersonal die Krankheiten zu bekämpfen und auch schon beachtliche Erfolge erzielt haben, so bleibt doch ein Restrisiko, das wir nicht überbewerten, aber auch nicht ignorieren sollten. Die Tatsache der Ausrottung der Pocken Ende der 70-iger Jahre hat den internationalen Reiseverkehr erheblich erleichtert. Die absehbare Ausrottung der Polio, wie auch die sich abzeichnenden Erfolge bei der Bekämpfung von Gelbfieber, Malaria, Meningokokken-Menigitis, Onchozerkose, Bilharziose, Drakunkulose und anderen Krankheiten, haben die Prävalenz dieser Krankheiten und damit auch das Infektionsrisiko in vielen Ländern bereits deutlich vermindert.

Dies bedeutet nicht, dass wir befürchten müssen in der Reisemedizin eines Tages arbeitslos zu werden und niemand mehr zur reisemedizinischen Beratung kommt. Zum einen zeigen die bereits erwähnten zahlreichen neuen Infektionskrankheiten wie AIDS, SARS, die Vogelgrippe oder auch Ebola, Lassa Fieber, Marburg-Virus-Erkrankung, dass immer wieder neue Herausforderungen auf uns zukommen. Zum anderen werden auch die nichtinfektiösen Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Reisen bleiben und mit der zunehmenden Überalterung der Reisenden auch wesentlich an Bedeutung gewinnen.

Lassen Sie mich auf das diesjährige Forum zurückkommen: Afrika bietet ein breites Spektrum von reisemedizinisch relevanten Themen. In der Strukturierung des Forums haben wir uns bemüht, die Themen verschiedenen Regionen Afrikas, Nord-, Ost-, Süd- sowie West- und Zentralafrika zuzuordnen, in denen die jeweilige Thematik eine besondere Rolle spielt. An einigen Stellen ist dies - bedingt auch durch die Verfügbarkeit des Referenten - nicht ganz stringent gelungen. Andererseits haben die meisten Themen aber auch für ganz Afrika eine Bedeutung.

Eingangs hatte ich auf die Erforschung der Tropenkrankheiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Afrika und auf die medizinischen Expeditionen von Robert Koch und anderen Forschern nach Afrika hingewiesen. Im Hinblick auf die historische Bedeutung dieser Expeditionen bot es sich geradezu an, das Forum mit einem Vortrag über die Kolonialzeit beginnen zu lassen. Hier fügte es sich zudem, dass im vergangenen Jahr ein interessantes Buch: "Expeditionen ins Reiche der Seuchen" von Johannes Grüntzig und Heinz Mehlhorn erschienen ist, mit dem Untertitel: "Medizinische Himmelfahrtskommandos der Deutschen Kolonial- und Kaiserzeit". Ein Buch, das für jeden Reisemediziner und auch für Laien eine interessante Lektüre darstellt.

Ich freue mich deshalb ganz besonders einen der beiden Verfasser dieses Buches, Professor Mehlhorn von der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, hier ankündigen zu dürfen Er hat sich bereit erklärt, das Einführungsreferat über Forschungsreisen nach Afrika zur Kolonialzeit zu halten, und er lässt damit die historische Brücke zwischen Reisen und Reisemedizin für uns lebendig werden.