Bekämpfung von Filariosen in West-Afrika
Prof. Dr. med. Achim Hörauf,
Institut für Med. Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie (IMMIP) Universitätsklinikum Bonn
 
Alle bedeutenden Filarieninfektionen, wie Onchozerkose, lymphatische Filariose und Loiasis, sind in West-Afrika beheimatet. Noch vor 10 Jahren stellte die Onchozerkose mit über 18 Millionen Infizierten und fast einer Million Erblindeten oder zumindest stark im Sehvermögen eingeschränkten Personen das drängendste Problem des öffentlichen Gesundheitswesens dar. Durch das fast 30 Jahre von der Weltgesundheitsorganisation erfolgreich durchgeführte "Onchocerciasis Control Programme in West Africa" (OCP) konnten durch Vektorbekämpfung im Verbund mit Massen-Chemotherapie durch das mikrofilarizide Medikament Ivermectin in vielen Regionen ophthalmologische Neuerkrankungen vermieden werden. Für zu starken Optimismus ("Onchocerciasis defeated" oder "eliminated") ist jedoch noch längst kein Platz. Zu groß sind noch die Regionen, v.a. im östlichen West-Afrika (z.B. Nigeria) und in Zentralafrika, in denen Millionen Infizierter leben, deren Zahl in den letzten Jahren entsprechend der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung zugenommen hat, zu unklar (und in epidemiologischen Computersimulationen unterbewertet) ist der Effekt von Migration in die von Onchozerkose befreiten Gebiete, und schließlich gibt es Hinweise für eine Resistenzentwicklung gegen Ivermectin, welches derzeit das Hauptwerkzeug in Kontrollprogrammen darstellt (z.B. APOC, "African Programme of Onchocerciasis Control").

Zur Kontrolle der lymphatischen Filariose wurde in den letzten Jahren weltweit die "Global Alliance Against Lymphatic Filariasis" ins Leben gerufen. Sie stellt ein sehr gutes Beispiel für eine funktionierende "Public-Private-Partnership" dar. Die anfänglichen Erfolge werden ebenfalls sehr groß sein, jedoch ist das Ziel einer regionalen Elimination in den letzten Monaten eher in die Ferne gerückt. Auch hier könnte es zu Resistenzentwicklungen kommen, außerdem erfasst das Programm, welches ebenfalls die Transmission durch mikrofilarizide Medikamente unterbrechen soll, nicht die symptomatisch mit Lymphödem und Hydrozele erkrankten Personen, was ein Problem für die Compliance darstellt.

Aus diesem Grunde kann nicht klar genug hervorgehoben werden, dass für eine wirklich nachhaltige Kontrolle und idealerweise für eine regionale Elimination weitere Kontrollmechanismen entwickelt werden müssen. Vielversprechend scheint hier ein neuer chemotherapeutischer Ansatz zu sein, welcher sich zu Nutze macht, dass in den Erregern der Onchozerkose und der LF Endobakterien der Gattung Wolbachia sitzen, welche mit Antibiotika der Tetracyclingruppe depletiert werden können. Sie sind für die Fertilität der Würmer und teilweise auch das Überleben erforderlich.

Bei der Onchozerkose führt ein 6-wöchiger Therapiezyklus mit Doxycyclin zu einem dauerhaften Versiegen der Mikrofilarienproduktion, bei der lymphatischen Filariose sogar zum Absterben der adulten Würmer. Die Studien legen weiterhin nahe, dass die Wolbachien durch das Auslösen inflammatorischer Immunreaktionen auch an Krankheitserscheinungen wie Dermatitis und Erblindung bei Erkrankungen durch Onchozerkose sowie Lymphödem und urogenitaler Pathologie im Falle lymphatischer Filariosen beteiligt sind.

Während die derzeitige Chemotherapie mit Doxycyclin zwar für die Therapie individueller Patienten verwendet werden kann und sollte, jedoch für Massen-Chemotherapie noch nicht geeignet ist, weil die Applikationszeit zu lange ist, stellt die Ausnutzung der Symbiose doch einen interessanten Ansatz für die Entwicklung weiterer Chemotherapeutika dar. Hieran wird z. Zt. weltweit intensiv gearbeitet.