Verkehrsunfälle - ein unterschätztes Risiko auf Reisen
Prof. Dr. med. Rupert Gerzer,
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR
 
Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass nach Herz-Kreislauf-Todesfällen (knapp 50%) Verkehrsunfälle mit etwa 25% die häufigste Todesursache auf Reisen sind. Infektionserkrankungen fallen dagegen mit ca. 1% kaum ins Gewicht. Bei notfallmäßigen Rücktransporten spielen Unfälle mit durchschnittlich 20 - 30% aller Fälle eine herausragende Rolle.

In Afrika sterben - bezogen auf die Gesamtbevölkerung - im Durchschnitt drei Mal so viele Menschen an Verkehrsunfällen als in Westeuropa. Bezieht man die Verkehrstodesfälle auf zugelassene Fahrzeuge, dann ist das Todesrisiko pro zugelassenes Fahrzeug in einzelnen Ländern Afrikas bis zum über Hundertfachen erhöht. Da etwa 40% aller verkehrsbedingten Todesfälle in afrikanischen Ländern Fußgänger betreffen, ist auch der passive Teilnehmer am Straßenverkehr massiv gefährdet.

Die Ursachen für diese erschreckenden Zahlen sind vielfältig. Sie bedeuten aber, dass der Reisende sich der Gefahr, einen Verkehrsunfall zu erleiden, bewusst sein muss. In einem Entwicklungsland selbst Fahren ist sehr gefährlich. Kommt zu den bekannten Stressoren (Zustand von Straßen, Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer, fremde Umgebung, Müdigkeit etc.) noch Linksverkehr hinzu, verdoppelt sich das Risiko noch einmal.

Auch als Fußgänger sollte man wissen, dass das Unfallrisiko drastisch erhöht ist. Neben Personenautos sollte sich der Fußgänger vor allem vor Minibussen und Lastautos in Acht nehmen.

Nachts wird es oft besonders gefährlich. Dann sind die übermüdeten und durch Alkohol oder Drogen aufgeputschten Überland-Lastwagenfahrer unterwegs. Deshalb sollte man vor allem spätnachts den Straßenverkehr den Einheimischen überlassen.

Wird man selbst Opfer eines Unfalls, ist wegen fehlender Infrastruktur das Problem oft die adäquate Versorgung bzw. die Zeit, die ohne Therapie vergeht, bis man ordentlich versorgt wird. Deshalb wird immer wieder bei eigentlich glimpflich verlaufenen Unfällen die eintretende Sepsis zur lebensbedrohlichen Komplikation.

Wird bei einem Unfall ein Einheimischer verletzt oder gar getötet, sollte man als Beteiligter sehr vorsichtig sein. In einigen Dritte-Welt-Ländern gilt unabhängig von der Schuldfrage das Prinzip Auge um Auge - Zahn um Zahn, und man sollte unter Umständen, um dann das eigene Leben zu schützen, möglichst schnell fliehen.

Insgesamt muss man sich vor einer Reise in ein Dritte-Welt-Land bewusst sein, dass Straßenverkehr die Hauptgefahr für reisebedingte Todesfälle darstellt und sich entsprechend verhalten.