Hämorrhagische Fieber - Risiko und Möglichkeiten der Vorsorge
Prof. Dr. med. Gerd-Dieter Burchard,
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg
 
Hochkontagiöse und lebensbedrohliche Krankheiten, die wichtig in Hinblick auf mögliche Einschleppung aus den Tropen und mögliche Weiterverbreitung in Deutschland sind, umfassen: virusbedingte hämorrhagische Fieber (VHF), Pocken und humane Affenpocken, Lungenpest, hantan pulmonary syndrome und SARS. Nosokomiale Infektionen wurden beschrieben für Ebola-VHF, Marburg-VHF, argentinisches hämorrhagisches Fieber, bolivianisches hämorrhagisches Fieber, Lassa-Fieber, Lungenpest, HPS und Pocken. Laborinfektionen sind aufgetreten mit Ebola-Virus, Marburg-Virus, Lassa-Virus, Junin-Virus, C-CHF-Virus sowie Bacillus anthracis und Yersinia pestis.

Infektionen mit Ebola-Virus nach Nadelstichverletzungen wurden mehrfach beschrieben. So traten während einer Epidemie 1976 in Zaire in 85 von 318 Fällen die Infektionen bei Patienten auf, die Injektionen mit kontaminierten Kanülen bekommen hatten. Offenbar können dabei schon sehr geringe Inokula zur Infektion führen. Filoviren können aber auch durch Kontakt mit Schleimhäuten übertragen werden. Dies wurde bei Affen für das Marburg-Virus und für das Ebola-Virus gezeigt. Vermutlich hat sich 1995 in Kikwit/Zaire eine Krankenschwester durch Berührung ihrer Augen mit kontaminierten Handschuhen angesteckt. Da man bei Patienten eine große Zahl von Ebola-Viruspartikeln auf der Haut und in den Ausführungsgängen der Schweißdrüsen findet, könnte es sein, dass die Berührung infizierter Patienten zur Infektion führt - in derartiger Übertragungsweg wurde vermutet bei Personen, die während der Ebola-Epidemie 1995 in Kikwit/Zaire Verstorbene gewaschen hatten. Darüber hinaus wurde in Einzelfällen auch eine aerogene Übertragung vermutet. So erkrankten 1995 in Kikwit 5 Personen, die nur einen Patienten besucht, aber keinen körperlichen Kontakt mit diesem gehabt hatten. Auch Tierversuche sprechen für die Möglichkeit einer aerogenen Übertragung. Ähnlich wie bei Filoviren besteht bei Arenaviren eine Ansteckungsgefahr insbesondere durch Kontakt mit infiziertem Blut oder Sekreten. Dementsprechend wurden in Afrika bzw. Südamerika nosokomiale Infektionen bei Krankenhauspersonal häufig beschrieben. Ebenso wie bei Filoviren wird aber auch vermutet, dass bei Arenaviren eine aerogene Transmission möglich ist. So kam es während eines Lassa-Ausbruches in einem Krankenhaus in Nigeria zu Sekundärfällen, die auf der gleichen Station wie der Indexfall gelegen hatten, dieser hatte ein Lassa-Fieber mit schwerer pulmonaler Beteiligung gehabt . Auch nosokomiale Ausbrüche von Krim-Kongo-hämoorrhagischem-Fieber (CCHF) wurden mehrfach beschrieben. Die Infektion erfolgt meist über Blutkontakt, aerogene Übertragungen können aber nicht ausgeschlossen werden.

Patienten, bei denen der Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber besteht, sollten daher in eines der fünf Kompetenz- und Behandlungszentren in Deutschland eingewiesen werden (www.stakob.org) - nach Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden.