Malaria in Asien - aktueller Stand der Verbreitung und Prophylaxeempfehlungen
Dr. med. Klaus-J.Volkmer, Düsseldorf Centrum für Reisemedizin
 
Asien als Ganzes ist im Gegensatz zu Afrika südlich der Sahara kein flächendeckendes Hochrisikogebiet für die Malaria. Sein Anteil an den Importen durch Rückkehrer nach Deutschland liegt bei 7-10%, wobei es sich in den meisten Fällen um Malaria tertiana handelt.

Demgegenüber bietet bei detaillierter Betrachtung kein anderer Kontinent so große geographische und saisonale Unterschiede auf engem Raum wie Asien. Gebiete und Zeiten mit geringem bzw. hohem Risiko innerhalb eines Landes sind hier keine Ausnahme sondern eher die Regel. Deswegen stellen asiatische Reiseziele hinsichtlich einer optimalen individuellen Beratung zur Malariavorbeugung an den Reisemediziner besonders hohe Anforderungen. Hierfür zwei Beispiele von touristisch stark frequentierten Ländern:

In Indien gibt es geographische Unterschiede, dabei sind die Prävalenzen bemerkenswerter Weise im tropischen Südindien wesentlich geringer als in den nordöstlichen Landesteilen außerhalb des Wendekreises. Eine größere Bedeutung hat hier das Klima. Der Monsun, der zwischen April und November das Land mit einer Regenzeit von jeweils etwa drei Monaten überzieht, bestimmt das Übertragungspotential. Dabei kann es zu regelrechten Ausbrüchen kommen, andererseits kann die Malaria quasi verschwinden, wenn der Regen ausbleibt.

Anders in Thailand, wo das Risiko weitgehend geographisch determiniert ist. Mehr als zwei Drittel der Malariafälle bei der einheimischen Bevölkerung rekrutieren sich aus 10 der 76 Provinzen. Diese sogenannten "Top-Ten" sind Grenzgebiete zu Kambodscha und Myanmar, wo fehlende Antimalaria-Aktivitäten eine wirksame Kontrolle auf thailändischem Gebiet verhindern. Hohe Prävalenzen mit einem höheren Anteil von P.falciparum und verbreiteten Multiresistenzen schaffen hier einen Problemkomplex, von dem die übrigen Landesteile nahezu unberührt sind.

Nach Sentinel-Daten (SIMPID) wurden innerhalb der letzten vier Jahre aus Indien und Thailand zusammen nur 25 Malaria-Erkrankungen nach Deutschland importiert, davon 9 durch P.falciparum. Gemessen an einem Reiseaufkommen von etwa 2 Millionen für den gleichen Zeitraum ist diese Zahl verschwindend gering. Gründe dafür sind, dass die Hochrisikogebiete nicht intensiv bereist werden und die Mehrzahl der Reisenden durch die Kürze und die äußeren Bedingungen des Aufenthaltes weniger exponiert sind als die Einheimischen. Dadurch kann das Risiko einer medikamentösen Prophylaxe höher als das Infektionsrisiko werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) hat in Abstimmung mit den Fachgesellschaften der Schweiz und Österreichs ihre Empfehlungen zur Malariavorbeugung dieser Datenlage angepasst. In der Regel bedeutet das für die meisten Reisegebiete in Asien keine vorbeugende Tabletteneinnahme sondern sorgfältigen Mückenschutz und Mitführen eines geeigneten Medikamentes zur notfallmäßigen Selbstbehandlung (sog. "stand by-Medikation"). Dieses Vorgehen gilt allerdings nur für den organisiert reisenden "Standardtouristen". Ansonsten empfiehlt die DTG eine Beratung durch einen fachkundigen Arzt, der im Rahmen einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung unter Einbeziehung von Aufenthaltsdauer, Reisestil, regionaler, saisonaler oder aktueller Besonderheiten vom Standard abweichen kann.

Die DTG-Empfehlungen zur Malariavorbeugung können im Internet über www.dtg.mwn.de heruntergeladen werden. Schriftliche Anforderungen sind unter Einsendung eines adressierten und frankierten (1,44 €) Briefumschlages zu richten an
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) e.V.
- Info-Service -
Postfach 40 04 66
80704 München

Die DTG selbst führt keine Beratungen durch. Detaillierte Angaben zur Malaria-Epidemiologie in den einzelnen Ländern sowie Möglichkeiten eventueller Abweichungen von den Standardempfehlungen bietet z.B. das CRM Handbuch Reisemedizin in seiner jeweils neuesten Auflage. Aktuelle Änderungen sind im Infodienst Reisemedizin aktuell, der alle 2 Wochen erscheint, nachzulesen oder im Internet über www.crm.de bzw. www.travelmed.de abzurufen. Von hier aus gelangt man auch zu Listen reisemedizinisch fortgebildeter Ärzte in Deutschland.