Medizinische Versorgungsstrukturen in Asien- Ergebnisse der Evaluierung von Krankenhäusern
Dr. med. Eberhard Stockmann, Betriebsärztlicher Dienst der Siemens AG, Erlangen
 
Der Standard asiatischer Kliniken ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, vor allem in den Ausländerabteilungen. Hier ist im allgemeinen auch nachts immer ein Englisch sprechender Arzt erreichbar. Bei Bedarf werden in den großen Kliniken Spezialisten aller Fachrichtungen hinzugezogen, wenn nötig, auch von anderen Krankenhäusern.
Ärztliche Hausbesuche sind nach wie vor in den meisten asiatischen Ländern noch nicht die Norm (Ausnahme: Singapore). Deshalb empfiehlt es sich im Falle einer Long Term Delegation nach Ankunft eine Medical Sightseeing Tour zu unternehmen. Sinn und Zweck besteht darin, sich mit den in den Infos empfohlenen medizinischen Möglichkeiten vor Ort vertraut zu machen. Häufig entstehen medizinische Notfälle nachts oder am Wochenende. Es wird wertvolle Zeit und viel unnötiger Stress eingespart, wenn in dieser Situation das nächstliegende geeignete Hospital bereits bekannt ist.
In manchen Städten Asiens empfiehlt es sich bei medizinischen Fragen die Regionalärzte der Botschaften zu konsultieren, vor allem dann, wenn auch Familienmitglieder betroffen sind. Diese Kollegen besitzen große Erfahrungen über das lokale who is who aller Fachrichtungen und können wertvolle Empfehlungen geben, oder bei der Vermittlung behilflich sein.
Der Regionalarzt des Auswärtigen Amtes in Peking ist z. Zt. Dr. Stumpenhorst, und in Jakarta Dr. Agbar Anwar. Beide Kollegen decken den gesamten ostasiatischen Bereich ab.
Neben den großen Kliniken gibt es auch in zunehmender Zahl kleinere Ambulanzkliniken (z. B. SOS, IMC), in denen auch hier teilweise Deutsch, aber zumindest Englisch gesprochen wird und deren Personal medizinisch im allgemeinen gut ausgebildet ist.

Schwangerschaftsüberwachungen können, solange alles normal verläuft, in vielen Kliniken sehr gut durchgeführt werden. Bei eventuell eintretenden Komplikationen jedoch sollte die weitere Überwachung z.B. in Hong Kong, Singapore oder Deutschland erfolgen. Über das Thema Entbindungen in China wird in Fachkreisen (auch in chinesischen) kontrovers diskutiert, da bei eventuell eintretenden Komplikationen während der Geburt eine entsprechende Notfallbehandlung nicht immer gesichert ist. Generell sollte vor jedem längeren Auslandsaufenthalt und auch zwischendurch eine zahnärztliche Kontrolle und gegebenenfalls Sanierung in Deutschland erfolgen. Für den Notfall stehen jedoch in Asien zunehmend gute bis sehr gute zahnärztliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Unabhängig von allem Gesagten, sollten planbare medizinische Behandlungen, wie Operationen, vor Ausreise im Heimatland durchgeführt werden.