Neue Virusbedrohungen aus Asien
Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Zentrallabor
Stiftung Juliusspital Würzburg
 
Der Ausbruch von SARS und die Schlagzeilen über die Vogelgrippe lenken das Interesse der Öffentlichkeit wie auch von Reiseverantaltern auf Asien. Tatsächlich kam es in den letzten Jahren zum Auftreten von "Emerging" Infektion in dieser Region. Neben der humanen Influenza, der aviären Influenza und SARS ist ferner das Nipah-Virus zu nennen. Aber auch bereits seit längerem bekannte Virusinfektionen stellen sowohl für Urlauber, wie auch beruflich in Asien Tätige, immer wieder gewisse Risiken dar. Hier sind neben Dengue-Fieber, Japanischer Enzephalitis, hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom (Hantaan-Virus), Tollwut, Chikungunya-Fieber, Kyasanur-Waldkrankheit, hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber und Hepatitis E, auch Hepatitis A, B, C sowie HIV aufzulisten.

Ursachen für das Auftreten von "neuen" viralen Zoonosen sind u. a. die hohe Bevölkerungsdichte, ein enges Zusammenleben des Menschen mit Haustieren (insbesondere Schweine und Hühner) in ländlichen sowie suburbanen Regionen (z.B. aviäre Influenza), die industrialisierte Nutztierhaltung (z.B. Nipah-Virus), Speisegewohnheiten (z.B. SARS-Coronavirus), mangelnde oder keine Hygienekontrollen beim Import von Nutztieren (z.B. Rift-Valley-Fieber, hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber), Tierhandel, hohe Migration der Bevölkerung, sowie mangelnde Transparenz bzw. Kooperation des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Von besonderer Bedeutung ist die Fähigkeit einiger Viren zur genetischen Rekombination, wodurch es den Erregern damit ermöglicht, die Speziesbarrieren zu durchbrechen und damit für eine andere als die ursprüngliche Spezies pathogen zu werden. Obgleich diese molekulargenetischen Veränderungen sicherlich insgesamt selten vorkommen, so können sie Epidemien von erheblich klinischer sowie ökonomischer Relevanz verursachen, wie sich dies am Beispiel des Ausbruchs von Nipah-Virus in Malaysia belegen lässt. Dem gegenüber erlangen Themen wie die Vogelgrippe, deren klinische und epidemiologische Bedeutung unerheblich ist, ein unnötiges Medieninteresse. Zwar birgt jede Veränderung der Influenzasituation in Asien das Risiko der Entstehung eines Pandemievirus, jedoch muss die Einschätzung der Bedeutung der Vogelgrippe als übertrieben angesehen werden. Dass es in den nächsten Jahren irgendwann zum Auftreten eines Influenza-Pandemievirus kommen wird, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Da die Influenza-Surveillance weltumspannend inzwischen gut etabliert ist, sollte dieses Virus rasch erkannt werden und sich damit eine große Gefährdung der Bevölkerung durch gezielte Maßnahmen (Impfung, Neuraminidase-Inhibitoren) vermeiden lassen.