Medizinische Betreuung von Expatriates in Indien Patientenstatistik eines privaten Hospitals
Dr. med Kalyan S Sachdev, Private Hospital, New Delhi
 
Indien befindet in einem raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Mittelklasse erweitert sich fortwährend und zählt inzwischen schon mehr als 300 Millionen Menschen. Der Anteil der Bevölkerung unter 40 Jahren liegt bei ca. 70%. Eine gewaltige Konsumgesellschaft ist entsteht. Die Anzahl der ausländischen Betriebe nimmt ständig zu. Während in der Vergangenheit die Expatriates in Indien hauptsächlich Diplomaten waren, gehören heute auch viele Geschäftsleute dazu.

Der Gesundheitssektor verzeichnet in Indien ein gutes Wachstum. Allerdings macht die medizinische Infrastruktur nur langsame Fortschritte, besonders in ländlichen Gebieten. Die vorhandene medizinische Infrastruktur, auch die in den Städten, entspricht immer noch nicht den euro-amerikanischen Erwartungen, mit Ausnahme einiger Institutionen. Die Hygiene, Ausstattung und das Umfeld sind in vielen medizinischen Einrichtungen noch mangelhaft und erwecken bei Expatriates kein Vertrauen. Es kommt immer wieder vor, dass Expatriates einen "Kulturschock" erleiden, nicht nur wegen der Diskrepanzen und Kontraste im täglichen Leben in Indien, sondern auch wegen der Zustände in den medizinischen Einrichtungen. Besonders betroffen reagieren Expatriates mit Kindern, wenn eine Krankheit oder ein Unfall in der Familie auftritt.

Der Straßenverkehr ist häufig chaotisch und das bereitet den Expatriates, vor allem bei Reisen durch das Land, zusätzliche Probleme. Viele von ihnen wurden vor der Abreise nach Indien nur ungenügend von ihren Hausärzten vorbereitet. Die Ehepartner, meist sind es die Ehefrauen, die in Indien keine organisierte Beschäftigung vorfinden, haben noch weitere Probleme, psychosomatischer Art. Das indische Haushaltsleben ist anderes als das in Europa.

Das Privat Hospital Gurgaon bei Neu Delhi ist ein modernes, mittelgroßes Krankenhaus. Als Leiter dieses Krankenhauses habe ich mich bemüht, die Patientenbetreuung und Hygiene möglichst auf europäischen Niveau zu bringen. Das Krankenhaus ist in der Lage, Patienten von abgelegenen Ortschaften per Straßenambulanz oder Flugambulanz zu evakuieren. Seit 3 Jahren können auch Patienten eine Second Opinion per Telemedizin aus dem Ausland bekommen. In den letzten 9 Jahren wurden ca. 1200 Expatriates stationär und mehr als 5000 ambulant betreut. Ungefähr 75% kamen aus dem euro-amerikanischen Raum. Das Spektrum der Erkrankungsfälle ist vielfältig. Ein Drittel der Patienten litt an Darm- und Atemwegserkrankungen. Die chirurgischen und gynäkologischen Fälle waren mit ca. 20% vertreten. Auffallend war der Anteil der orthopädischen und Wirbelsäulen-Erkrankungen mit 12%. 15 Expatriates wurden stationär und 52 ambulant wegen psychischer Probleme behandelt.