Reisen nach Asien - Aktuelle Fragen der Gesundheitsvorsorge
Eröffnung und Einführung in das Thema
Prof. Dr. med. Erich Kröger, Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr verehrte Damen und Herren,

ich darf Sie auch im Namen der Mitveranstalter sehr herzlich zum diesjährigen Forum "Reisen und Gesundheit" im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) hier in Berlin begrüßen. Die große Resonanz, die das Forum auch in diesem Jahr wieder mit rund 400 angemeldeten Teilnehmern gefunden hat, bestätigt uns, dass diese Veranstaltung inzwischen zu einer festen Einrichtung geworden ist, und wir mit der Einführung dieses Forums im Rahmen der ITB im Jahre 2000 einen Brückenschlag zum internationalen Tourismus geschaffen haben.

Wie Sie dem Programm entnehmen konnten, hat sich der Kreis der Veranstalter inzwischen um das Tropeninstitut Berlin erweitert. Wir, die bisherigen Veranstalter, das Centrum für Reisemedizin und der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes, sehen in der Mitwirkung des Tropeninstitutes Berlin eine Stärkung unserer reisemedizinischen Kompetenz, insbesondere was die tropenmedizinischen Fragestellungen in der Reisemedizin angeht. In diesem Sinne nochmals ein herzliches Willkommen für Sie Herr Jelinek und die Mitarbeiter des Institutes.

Nachdem in den vergangenen Jahren mit dem Themen "Reisen mit chronischer Krankheit", "Reisen mit Kindern" und "Reisen im Alter" jeweils die Beratung bestimmter Zielgruppen bei Reisen im Vordergrund stand, werden wir in diesem Jahr und auch in den kommenden Jahren, Reiseregionen in den Mittelpunkt des Forums stellen und damit stärker die Beratung zur Vorsorge für bestimmte Reiseziele ansprechen.

Für dieses Jahr haben wir Asien als Thema ausgewählt, sicherlich eine der attraktivsten Regionen im Fernreisetourismus. Als wir uns im Kreise der Veranstalter Mitte vergangenen Jahres auf dieses Schwerpunktthema verständigt haben, konnte niemand ahnen, welche tragische Bedeutung ihm in den vergangenen Wochen zukommen sollte.

Nachdem die verheerenden Folgen der SARS Epidemie für den Tourismus in Asien endlich überwunden schienen und im vergangenen Jahr wieder Zuwachsraten von 29% im Tourismus der Region gemeldet wurden, hat die Tsunami-Katastrophe, die am 2. Weihnachtstag zahlreiche Touristenzentren in Südostasien zerstörte, und neben zweihunderttausend einheimischen Bewohnern auch tausende von europäischen und internationalen Touristen das Leben kostete, erneut den Tourismus in Asien schwer getroffen.

Zugleich machen diese Ereignisse einmal mehr deutlich, dass auch die schönsten Ferienidyllen durch Naturkatastrophen oder Terroraktionen zum Alptraum werden können. Diese Erkenntnis ist nicht neu, nur - und vielleicht zum Glück - neigen wir alle dazu, diesen Tatbestand zu verdrängen. Täten wir dies nicht, und lebten wir selbst im Urlaub in ständiger Angst, dann wäre der Urlaub kein Urlaub mehr.

Auch wenn das Thema "Tsunami in Südostasien" inzwischen aus den Schlagzeilen der Medien weitestgehend verschwunden ist und bestenfalls noch in Randmeldungen Erwähnung findet, so waren wir uns als Veranstalter einig, dass, wenn wir über Reisen nach Asien reden, dieses tragische Ereignis nicht gänzlich ohne Thematisierung bleiben sollte. Deshalb wird direkt im Anschluss an meine Ausführungen Herr Kollege von Laer, der als Leiter des Gesundheitsdienstes des Auswärtigen Amtes und Mitglied des Krisenstabes die Auswirkungen direkt mitverfolgen konnte, in einem Kurzreferat auf die Tsunami-Katastrophe aus Sicht der Reisemedizin nochmals besonders eingehen.

Unabhängig von der tragischen Tsunami-Katastrophe wird sich das Forum heute und morgen vor allem den ständigen Gesundheitsrisiken und Gesundheitsvorsorgefragen bei Reisen nach Asien zuwenden. Dabei dürfte deutlich werden, dass - ohne zu dramatisieren - gewisse grundlegende Vorsorgemaßnahmen generell getroffen werden sollten, angefangen von gezielten Impfungen und für bestimmte Regionen auch gezielter Malariaprophylaxe bis hin zu einer gewissen Vorsicht beim Essen und Trinken. Hinzu kommen gerade in der Region Asien eine Reihe von speziellen Risiken, die sich aus Spezialreisen ergeben, wie Höhentrekking im Himalaya oder Tauchsporturlaub auf den Malediven oder auch individuelle Abenteuerreisen durch Indien.

Nachdem Asien sich inzwischen zu der am meisten boomenden Wirtschaftsregion der Welt entwickelt hat und viele Unternehmen aus Europa und aus Deutschland Mitarbeiter für längere Zeit in das Gebiet entsenden, kommt auch dem Thema Vorsorge bei beruflichen Langzeitaufenthalten besondere Bedeutung zu.

Insgesamt reisen jährlich über 1 Million Bundesbürger nach Asien. Von daher muss jeder niedergelassene Kollege bzw. Kollegin und auch jede Apotheke damit rechnen, zu Gesundheitsvorsorgefragen bei Reisen in Länder Asiens befragt zu werden. Im Mittelpunkt stehen dabei sehr häufig, besonders nach der SARS-Epidemie und dem Auftreten der Vogelgrippe beim Menschen in dieser Region, Fragen nach den Infektionsrisiken bei Reisen nach Asien.

Diese Thematik steht deshalb auch am ersten Veranstaltungstag im Vordergrund der Referate. Mit der Malaria, dem Dengue Fieber, der Tollwut und der Japanischen Enzephalitis werden wir die wichtigsten Infektionsrisiken Asiens thematisieren bis hin zu selteneren parasitären Erkrankungen und der HIV-Situation. Es werden darüber hinaus auch neue Virusbedrohungen aus Asien angesprochen.

Als Besonderheit und Neuerung haben wir am Ende des Nachmittags eine Multiple-Choice TED-Befragung eingebaut, sodass Sie testen können, wie fit Sie für die Beratung von Asienreisenden sind. Auch wenn die TED-Aktion aus Zeitgründen sich nur auf wenige Fragen erstrecken kann, so glauben und hoffen wir, dass Sie diese Form als eine interessante und belebende Variante in der Fortbildung erfahren werden.

Am zweiten Tag steht zunächst die medizinische Versorgungsmöglichkeit in Asien als Thema im Vordergrund, wobei ich hier besonders auf den Vortrag von Prof. Gerzer hinweisen möchte, der interessante Perspektiven für die künftige telemedizinische Krankenversorgung auf Reisen aufzeigen wird.

Im zweiten Teil der Vormittags werden dann die besonderen Risiken beim Höhentrekking im Himalaya und beim Tauchsporturlaub auf den Malediven besprochen. Höhentrekking und Tauchsport werden immer beliebter und ziehen immer mehr Urlauber in ihren Bann, sodass auch diesen Themen bei der reisemedizinischen Vorsorgeberatung eine immer größere Bedeutung zukommt.

Zwei weitere interessante Beiträge über reisemedizinische Fortbildungsmöglichkeiten vor Ort in Asien runden das Programm des zweiten Tages ab. Einmal stellen wir Ihnen die vom Deutschen Fachverband Reisemedizin e.V. angebotenen "Reisemedizinischen Exkursionen nach Indien und Ecuador" vor sowie die vom Tropeninstitut Berlin in Zusammenarbeit mit dem CRM angebotenen "Kurse in Klinischer in Tropenmedizin" in Afrika, Asien und Südamerika. Beides sind interessante Möglichkeiten, reisemedizinisch relevante Eindrücke zu sammeln und Einblicke in die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten vor Ort zu bekommen, was dann wiederum in die reisemedizinische Beratung von Patienten einfließen kann.

Das Programm schließt mit einem Ausblick auf das Forum im kommenden Jahr, das unter dem Thema "Reisen nach Afrika" stehen wird. Die vielfältigen Gesundheitsrisiken dieses Kontinentes, seien es Infektionskrankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Ebola und Lassa-Fieber, Meningitis oder HIV aber auch die Vielzahl von parasitären Erkrankungsrisiken, angefangen von der Schlafkrankheit über die Onchozerkose, Bilharziose und Filiariosen bis zur Drakunkulose lassen - auch wenn die meisten Erkrankungen Reisende nur sehr selten betreffen - ein spannendes Forum auch für 2006 erwarten. Mit einer TED-Befragung zum Schluss des diesjährigen Forums wollen wir Sie dann auf die Veranstaltung im kommenden Jahr schon ein wenig einstimmen.

Lassen Sie mich zum Schluss noch einen wichtigen Aspekt der Reisemedizin ansprechen. Kürzlich hat die Bundesärztekammer im Rahmen der Fort- und Weiterbildungsregelung eine Qualifikation "Reisemedizinische Gesundheitsberatung" geschaffen, basierend auf einem 32-stündigen curriculären Kurs mit Abschlusstest. Mit dieser Anerkennung hat die Reisemedizin den Eingang in die offizielle Fort- und Weiterbildung der Ärzteschaft erreicht, und was noch viel wichtiger ist, die Reisemedizin hat sich damit auch als eigenständiges interdisziplinäres Fachgebiet innerhalb der Medizin durchgesetzt. Dies ist sicherlich ein besonderer Verdienst auch des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V., der die Interessen der Reisemedizin offziell vertritt und inzwischen über 800 Mitglieder hat, die sich aktiv für die Reisemedizin engagieren und reisemedizinische Beratung zu einem besonderen Leistungsangebot in Ihrer Praxis entwickelt haben.

Die Anerkennung des 32-stündigen curriculären Fortbildungskurses erfüllt aber auch uns beim CRM mit gewissem Stolz. Es war das CRM, das vor 15 Jahren auf curriculärer Basis die ersten 30-stündigen Kurse in Reisemedizin eingeführt hat, schon damals mit Abschlusstest und Zertifikat. Das Curriculum der Bundesärztekammer unterscheidet sich nur geringfügig vom Lehrplan der CRM-Kurse. Bis heute haben über 4000 Ärzte und Ärztinnen die CRM-Kurse mit Erfolg absolviert und sie stellen das Grundgerüst für ein flächendeckendes Netz qualifizierter reisemedizinischer Beratungsstellen in Deutschland dar, das durch ein ergänzendes Netz von ebenfalls vom CRM regelmäßig fortgebildeten Apothekern und Apothekerinnen sinnvoll ergänzt wird.

Mit dem jährlichen Forum hier im Rahmen der ITB wollen wir eine Brücke zum Reisesektor schlagen und den Dialog mit Reiseveranstaltern, Reiseversicherern und Reisebüros fördern. Im Miteinander und nicht im Gegeneinander liegt der Erfolg. Letztlich wollen wir alle, der Reisesektor und wir Reisemediziner das Gleiche - dass die Reisenden einen gesunden und erholsamen Urlaub verbringen.

In diesem Sinne und mit diesem Ziel wünsche ich allen eine interessante und erfolgreiche Fortbildung hier im Rahmen der ITB. Vergessen Sie nicht, auch der Messe einen Besuch abzustatten. Es lohnt sich. So viele schöne Urlaubsziele auf einmal können Sie nur hier bei der ITB erleben. Einen Gutschein für eine Tageskarte haben Sie mit Ihren Tagungsunterlagen erhalten.