Zukunftsvision oder bald Realität?
Telemedizinische Betreuung von Reisenden
Prof. Dr. med. Rupert Gerzer, Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR und Institut für Flugmedizin der RWTH Aachen
 
Seit Jahren werden weltweit sehr viele Telemedizinprojekte durchgeführt. Auch in der Reisemedizin gibt es inzwischen konkrete Projekte, die hoffen lassen, dass telemedizinische Betreuung von Reisenden bald Realität ist.
In 2003 führte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt für die Deutsche Lufthansa AG eine erste Evaluierung möglicher telemedizinischer Betreuung im Rahmen des Lufthansa Flynet (Hochgeschwindigkeits-Internetzugang an Bord) durch, das zeigte, dass die technischen Voraussetzungen für telemedizinische Unterstützung vom Boden aus inzwischen gegeben sind. In einem ersten Schritt der telemedizinischen Betreuung erhält diese Fluglinie inzwischen vom Boden aus bei Notfällen über Sprachkontakt Unterstützung von Rettungszentralen der Firma SOS International. Diese Unterstützung soll schrittweise mit Einführung telemedizinischer Diagnosegeräte an Bord ausgebaut werden.
Seit Anfang 2005 arbeiten mit Unterstützung der Europäischen Raumfahrtagentur ESA das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das Institut für Flugmedizin der RWTH Aachen und das Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf gemeinsam mit ausländischen Partnern an der Einführung eines Telemedizinnetzwerks für Reisende und beratende Ärzte.
In einem ersten Schritt etablieren die Partner ein Netzwerk von "TEMOS-Kliniken" im Ausland. Dieses informiert über Kliniken in anderen Ländern, die im Krankheitsfall aufgesucht werden können. Angeschlossene Kliniken verpflichten sich auf gemeinsame Qualitätsstandards. Erste Informationen über beteiligte Krankenhäuser in Griechenland und in Indien können inzwischen in der CRM-Homepage (www.crm.de) abgerufen werden. Die angeschlossenen Kliniken werden aufgefordert, sich in Zukunft auch an einem gemeinsamen Telemedizinnetzwerk zu beteiligen.
In einem zweiten, ebenfalls begonnenen Schritt wird eine telemedizinische Reisesprechstunde etabliert. Hier können Kliniken im Ausland per Telekonsil medizinisches Vorgehen bei Patienten (bei Wunsch mit Beteiligung der Patienten) mit entsprechenden Experten der Uniklinik Aachen diskutieren. Zur Zeit wird regelmäßig eine solche telemedizinische Sprechstunde pro Monat mit dem TEMOS-Partnerkrankenhaus Privat Hospital in Gurgaon/Delhi in Indien durchgeführt.
Der dritte Schritt beinhaltet die Einführung von Telelearning für Ärzte. Unter Federführung des Centrums für Reisemedizin werden neue telemedizinische reisemedizinische Kurse etabliert, so dass in Zukunft reisemedizinische Fortbildung auch mit zu Hause online abrufbaren Kursinhalten durchgeführt werden kann. Außerdem ist geplant, online-Fortbildung interaktiv auch aus dem Ausland durchzuführen, so dass Kursteilnehmer in direktem Kontakt mit Experten z.B. aus Asien, Afrika oder Südamerika aktuelle Probleme diskutieren können.
Diese und weitere aktuelle Projekte lassen erwarten, dass sich mit Hilfe telemedizinischer Methoden die medizinische Betreuung Reisender bald wesentlich verbessert.