Die Flutkatastrophe in Südasien und lessons learned - Erfahrungen aus Berlin
Dr. med. Gunther von Laer, Auswärtiges Amt (Gesundheitsdienst), Berlin
 
Riesige Naturkatastrophen wie die Flutwelle zu Weihnachten 2004 kamen auf unserer Erde immer wieder vor. Vergleiche bzw. ein "Aufrechnen" an Hand der Opferzahlen, der Art der Katastrophe oder der notwendigen Aufwendungen danach müssen aber versagen, wenn man ins Detail geht. Und Opferzahlen in fünf- oder sechsstelliger Höhe sicher in keiner Weise mehr ein lokales Ereignis oder - in der Sprache der Politik - etwa nur eine "lokale Herausforderung".

Die Einzigartigkeit der Flutkatastrophe 2004 besteht auch in dem zahlreichen Betroffensein auch von Touristen und der massiven zunächst unkoordinierten dann mit auch mit Interessen vermischten Hilfe, in der sich gerade die europäischen bzw. deutschen Helfer durch ihren aufrechten Gang große Verdienste erworben haben. Die Kritik Beteiligter an Ablauf und Organisation nach ihrer Rückkehr nehmen alle Beteiligten als kollegiale Hinweise und Anregungen gerne an, um sie möglichst weitgehend zu nutzen. Sie macht uns Reisemediziner aber besonders nachdenklich: sprach doch aus so mancher fachkundigen Einlassung auch die ganz fehlende Auslandserfahrung und ein großes Unverständnis für die fremden Verhältnisse in fremder Kultur.

Die reisemedizinische Dimension ist groß: wer kann in der Zukunft noch ganz entspannt am Strand sitzen ohne die Bilder von Opfern und Zerstörung ganz zu verdrängen ? Wer wird in der reisemedizinischen Beratung ganz unbefangen derartige Urlaubsreisen besprechen? Und doch muss es weitergehen: Uns Reisemedizinern bleibt bei den vielen Lehren aus der Weihnachtsflut 2004 die Aufgabe, auch in diesem Zusammenhang die Risikowahrnehmung auf ein vernünftiges Niveau zu heben; und es bleibt unsere Pflicht, die Einschätzung der Risiken vom Emotionalen auf die sachlich begründete Ebene zu schieben, wo nötig. Dem sollen auch meine kurzen Ausführungen zu Thema dienen.