Infektionsprophylaxe bei Fernreisen im Alter
Dr. med. Klaus-J.Volkmer, Düsseldorf Centrum für Reisemedizin
 
Immer mehr ältere Menschen gehen heute auf Reisen, nicht nur zur Kur in den Harz oder an die Ostsee, sondern auch in andere Kontinente, teilweise sogar unter Abenteuerbedingungen. Dabei sind sie den gleichen Risiken ausgesetzt wie Jüngere; sind sie ihnen auch in gleichem Maße gewachsen?

Involutionsprozesse etwa im Bereich von Leistungsfähigkeit, Adaptation, Immunabwehr sind in diesem Lebensabschnitt physiologisch. Derartige Nachteile gleicht der ältere Mensch gern durch Lebenserfahrung, Besonnenheit und unterschwellige Todesangst aus - Eigenschaften, die der Jugendliche nicht unbedingt mitbringt.

Für die Infektionsprophylaxe sind diese altersspezifischen Schutzmechanismen von großer Bedeutung, allerdings nicht ausschließlich. Auf der anderen Seite stehen Infektionen, gegen die man im fortgeschrittenen Lebensalter einfach schlechtere Karten hat, sei es durch höhere Manifestationsraten, schwerere Verläufe, häufigere Komplikationen oder höhere Letalitäten. Hierzu gehören Erkrankungen wie Malaria, West Nile-Fieber, Hepatitis A, Legionellose, aber auch Reisediarrhoe, Grippe und SARS.

Der Arzt muß diese Fakten bei der reisemedizinischen Beratung berücksichtigen, zumal sie nicht allgemein bekannt sind. Für eine wirksame Vorbeugung gebührt dem Insektenschutz und der Hygiene eine besondere Sorgfalt. Wo es möglich und notwendig ist, wird sie durch eine Impfung ergänzt bzw. komplettiert. Bei Reisen in Malariagebiete mit hohem Übertragungspotential hat die Chemoprophylaxe einen hohen Stellenwert; erfahrungsgemäß kann sie das erhöhte Krankheitsrisiko im Alter ausgleichen.

Die besondere Situation des älteren Menschen unterstreicht die Bedeutung einer fachgerechten ärztlichen Beratung und Betreuung sowohl vor wie auch nach der Reise. Eine ärztlich Basisversorgung sollte auch während des Auslandsaufenthaltes gewährleistet sein. Ein oft vernachlässigtes Vorbeugungspotential liegt in der Auswahl der Reisezeit im Abgleich mit der Saisonalität bestimmter Erkrankungen vor Ort (z.B. Malaria, Arbovirosen). Bei entsprechenden Kontraindikationen muß evtl. auch einmal von einem designierten Reiseziel abgeraten werden.

Eine individuell angepaßte Beratung durch den Arzt und eine sorgfältige Beachtung der empfohlenen Vorsorgemaßnahmen macht das Risiko einer Fernreise auch in höherem Alter kalkulierbar.