Im Alter im Ausland leben und reisen
Dr. G. von Laer
 
Leben und Reisen im Ausland hat viele positive Effekte: Es erweitert den Horizont, korrigiert (oder verfestigt) so Vorurteile, "putzt" die Seele und kann ein Vergnügen sein. Dabei sind neben den Bedingungen wie Reiseland und dortige Kultur, Infrastruktur auch medizinisch am Ort oder die Sicherheitsfragen und die Infektionskrankheiten wichtig für das Gelingen. Natürlich sind auch die subjektiven Faktoren des Reisenden wie Alter, Geschlecht, Motivation, Anlass der Reise oder Reiserfahrungen und Art der Reise von jeweils spezifischer Bedeutung. Babys haben andere Ansprüche als Erwachsene an den Reisestil und die Ausrüstung, und Jugendliche andere Vorstellungen als Alte von dem was man einen Erfolg einer Reise oder eines Langzeitaufenthaltes im Ausland nennen kann.

Wer alt ist (das ist ab 55 Jahren zunehmend zutreffend) und sich fit fühlt, den sollte man zunächst einmal grundsätzlich in Reiseplänen bestärken, aber doch als Arzt dabei nicht allein lassen. Die im Alter zunehmenden physischen und psychischen Narben können Funktionseinschränkungen bedeuten, die unter der Dauerbelastung eines besonderen Klimas zu einem Problem aufblühen; Außerdem wird die eigene "Erfahrung" für das Reisen vom alten Menschen eher überbewertet, wie auch die eigene physische und psychische Leistungsfähigkeit.

Deshalb lohnt es, den alten Menschen als Reisenden oder als Auslandsdeutschen gerade in dieser Altersstufe ins Blickfeld zu nehmen. Dabei gehören eine erweiterte Beratung ggf. Untersuchung zur Reisetauglichkeit durch den Hausarzt und / oder Tropen- oder Reisemediziner, die Beratung hinsichtlich notwendiger Kontrollen bei Langzeitreisen ebenso ins Programm, wie Gespräche des Arztes über das Problem, "draußen" möglicherweise schwer krank zu werden oder auch dort zu versterben. Auch wenn dies insgesamt bei Kurzreisen eher seltenes Ereignis ist, bedeutet doch ein professionelles Gespräch des Arztes, das auch diese Themen berührt, sicher eine Erweiterung der soliden Grundlage, auf der ältere Leute die Heimat verlassen und für kurze oder längere Zeit ein Ziel verfolgen, dass sie sich selbst gesteckt haben, wie z.B.:
  • Noch mal etwas erleben ?
  • Beruflicher Einsatz im inzwischen in der Heimat aufgegebenen Beruf ?
  • Ins Ausland ziehen zu den dort lebenden Kindern ?
  • Humanitärer Einsatz (um jedenfalls gegen Lebensende noch etwas Sinnvolles zu tun) ?
Wie bei allen Reisenden sind Reiseziel, Reisestil persönliche Faktoren, die finanzielle Lage des Reisenden und Reisedauer so prägende Faktoren, dass zwar im Vortrag die Grundlinien aufgezeigt werden können. Sie sind aber in ihrem Gewicht für den Einzelnen alten Reisenden immer nur der individuellen Beratung durch den kundigen Arzt wirklich zugänglich. In diesem Sinne soll der Vortrag die Möglichkeiten und Grenzen reisemedizinischer Beratung, aber auch die Grenzen der Reisetätigkeit von Älteren aufzeigen. Andererseits soll aber auch ein Beitrag geleistet werden, dass diese Gruppe mit großem Gewinn für sich und andere den eigenen Auslandsaufenthalt gestalten kann.