Spezielle Risiken beim Wassersport älterer Menschen
Dr. med. Ulrich van Laak
 
Die weltweite Literatur über Exposition älterer Menschen im Wasser (Schwimmen oder Tauchen) ist erstaunlich mager. Als die extreme Ausprägung des Wassersports wird Sporttauchen als die extreme Ausprägung des Wassersports exemplarisch betrachtet. Aus den jährlich veröffentlichten statistischen Daten über Ertrinkungsfälle in Deutschland wird deutlich, dass überwiegend Kleinkinder betroffen sind, gefolgt von männlichen Jugendlichen. Ältere Menschen fallen in diesen Statistiken nicht auffallend auf. Möglicherweise verhält sich der Ältere beim Schwimmen zurückhaltender, vorsichtiger und geht die Sache mit mehr Erfahrung an.
Für den Unterwassersport sind Besonderheiten zu beachten, welche alters- oder krankheitsbedingte Leistungsbeeinträchtigungen verstärken können: anstrengende Schwimmarbeit, schnelle Auskühlung im Wasser, vermehrte Atemarbeit durch hohe Atemgasdichte, signifikanter Flüssigkeitsverlust über das trockene Atemgas, spezifische physiologische Veränderungen in der Herz-, Kreislauf- und Lungenfunktion sowie die Wirkungen der erhöhten Partialdrucke der Atemgase.
Für die klassischen Tauchunfälle Dekompressionskrankheit und Überdehnung der Lungen, deren Symptome durch Gasbläschen im strömenden Blut und in den Körpergeweben verursacht werden, gibt es keine eindeutigen Beweise, dass der ältere Taucher besonderen Gefährdungen unterliegt, auch wenn dies in der Literatur immer wieder behauptet wird. Mit dem Siegeszug des Sporttauchens in den weltweit leicht zugänglichen Unterwasserparadiesen hat auch das Interesse älterer Menschen am Tauchen stetig zugenommen. Gezielte Tauchurlaube im Rentenalter in tropische und subtropische Gebiete sind heute ebenso normal, wie sehr deutlich vermehrte Teilnahme älterer Taucher an Anfängerkursen. Auch ist heute die aktive Phase als Taucher vergleichsweise lang. 70jährige aktive Sporttaucher sind keine absolute Seltenheit mehr.
Die entscheidenden Fragen nach einem Kürzertreten im Alter, dem Zeitpunkt des Ausstiegs aus dem Tauchsport und vor allem einschlägige Ratschläge zur Erhöhung der Sicherheit bei der Unterwasserexposition älterer Menschen sind weitgehend ohne Antworten. Obwohl die empirischen Erfahrungen mit älteren Tauchern durchweg gut sind, müssen einige physiologischen Besonderheiten beim Wassersport älterer Menschen im Auge behalten werden. Körperliche Fitness, Kraft und Ausdauer sind reduziert. Die Reaktionszeiten sind verlängert. Reduzierte Muskelmasse und Knochenbelastbarkeit führen zu einem erhöhten Verletzungsrisiko. Die Temperaturresistenz ist vermindert. Körperliche Beeinträchtigungen und chronische Krankheiten stellen höhere Ansprüche an die Beurteilung der Tauchtauglichkeit. Die wesentlichen Risiken liegen aber in der Belastung des Herz-Kreislauf-Systems bei Immersion und Submersion. Im Wasser kommt es unmittelbar zu einer hydrostatisch bedingten Verlagerung venösen Bluts aus der unteren Körperpartie nach thorakal - ein halber Liter und mehr. Dies bedeutet eine akute Erhöhung des Preloads. Die Kälteperzeption über die Haut resultiert in einer Vasokonstriktion mit Erhöhung des Afterloads. Der individuell unterschiedlich ausgeprägte Tauchreflex, ein phylogenetisches Überbleibsel, der im wesentlichen als vagotone Reaktion bei Immersionen bestimmter Rezeptoren im Gesichtsbereich aufgefasst wird, führt zu einer unter Umständen ausgeprägten Bradykardie mit Neigung zu ventrikulären Exosystolen. Hieraus ergibt sich ein besonderes Risiko für kardiale Ereignisse unmittelbar nach Eintritt bzw. Sprung ins Wasser. Im Alter kann die Sicherheit beim Wassersport erhöht werden, in dem der Sicherheitsspielraum durch kürzere und flachere Tauchgänge vergrößert wird. Verlängerte Stopps bei den Austauchzeiten, langsamere Aufstiege und der Verzicht auf Wiederholungstauchgänge erhöhen den Spielraum. Unbedingt vermieden werden muss eine Hypovolämie, indem bewusst Flüssigkeitszufuhr unmittelbar vor dem Tauchgang erfolgt. Der ältere Taucher eine gute Leistungstoleranz vorweisen, sowie entspannt und unter Verzicht auf Stress seinem Hobby nachgehen. Besonders unterstrichen werden muss die Forderung nach dem Verzicht des Sprungs ins Wasser und dem Tragen eines perfekten Kälteschutzes. Nur auf diese Weise können die initialen Risiken einer Immersion/Submersion älterer Menschen entscheidend minimiert werden.