Ratschläge an ältere Reisende zum Verhalten bei Erkrankungen oder Unfällen im Ausland
Dr. med. Irmgard Seidl, ADAC
 
Durch unerwartete Erkrankung oder Verletzung kann aus einem Traumurlaub ein Albtraum werden. Das gilt für Reisende jeden Alters, aber gerade für ältere Menschen kann die Bewältigung dieser Situation aufgrund verringerter Flexibilität zum unlösbaren Problem werden.
Die Problemlösung beginnt bereits bei den Reisevorbereitungen. Das Urlaubsziel sollte unter Berücksichtigung der örtlichen Infrastruktur, der Jahreszeit und Reisedauer und nach Rücksprache mit dem Hausarzt ausgewählt werden. Alle regelmäßig einzunehmenden Medikamente sowie die wichtigsten Informationen zu Vorerkrankungen sollten - eventuell in englischer Sprache - mitgeführt werden, ebenso wie eine Aufstellung wichtiger Kontaktadressen und Telefonnummern. Ferner ist der Abschluss einer Reisekrankenversicherung vor Reiseantritt ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil.
Im Falle einer Erkrankung oder Verletzung hat die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe vor Ort oberste Priorität. Bis auf wenige Ausnahmefälle ist dies auch fast immer möglich. Aus Angst vor Verständigungsproblemen, mangelnder Hygiene und unzureichendem medizinischen Standard besteht häufig eine gewisse Angst davor, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Vor übereiltem Antritt der Rückreise, gelegentlich sogar auf Anraten des telefonisch konsultierten Hausarztes kann aufgrund des unkalkulierbaren Risikos nur gewarnt werden. Daneben können kommerzielle Fluglinien die Mitnahme eines Passagiers verweigern, wenn Anzeichen einer Erkrankung oder Verletzung äußerlich erkennbar sind. Ein sofortiger Krankenrücktransport, wie er häufig gewünscht oder sogar gefordert wird, kann in Unkenntnis der Diagnose aufgrund medizinischer und vielleicht auch organisatorischer Probleme oft nicht veranlasst und durchgeführt werden.
Hilfe bei der Arzt- oder Krankenhaussuche vor Ort geben in der Regel Hotels, Reiseleiter oder Mitreisende. Um nach den Erstmaßnahmen die Qualität einer adäquaten Versorgung beurteilen zu können, benötigt man die Hilfe von Vertrauensärzten von Konsulaten oder Botschaften oder - einfacher und schneller - von Ärzten der Assistancegesellschaften der - hoffentlich vorhandenen - Reisekrankenversicherung. Durch Kontaktaufnahme dieser Ärzte mit den behandelnden Kollegen kann die Diagnose geklärt werden, die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung und die eventuelle Notwendigkeit einer Verlegung oder eines Krankenrücktransportes geklärt werden. Die Organisation eines Krankenrücktransportes wird von den behandelnden Ärzten, den Botschaften oder einer Assistance dann in die Wege geleitet. Abhängig von der Art der Reisekrankenversicherung ist die Kostenübernahme für die medizinische Behandlung und den Transport gesichert. Ohne entsprechende Absicherung müssen die u.U. hohen Kosten von dem Patienten oder den Angehörigen selbst übernommen werden.