Busfernreisen im Alter -
Beratung durch den Arzt
Volker Schmidt
 
Innerhalb Deutschlands und von Deutschland ausgehend werden jährlich millionenfach touristisch ambitionierte Busreisen durchgeführt. Dabei handelt es sich um die unterschiedlichsten Fahrten, vom geselligen Halbtagesausflug bis hin zu Langstreckentransfers, z.B. über Nacht von Deutschland nach Spanien, und ausgedehnten Rundreisen in der ganzen Welt.
Was augenscheinlich schön und entspannend wirkt, entpuppt sich in der Realität für viele Reisende leider als Strapaze, die sich nahe oder bereits in deren gesundheitlichem Grenzbereich bewegt.
Einige der werbewirksamen Schlagworte bei Busreisen lauten: "entspannt reisen", "bequem von Ort zu Ort", "nicht selbst fahren müssen", "kurzweilige Programmgestaltung", "abwechslungsreiches Erlebnisprogramm", usw. In der Realität wird so manche "entspannte oder kurzweilige Reise" dann zur gesundheitsschädigenden Stresstour. Eine Besichtigung jagt die nächste. Zeitdruck durch zu enge Terminvorgaben seitens des Reiseveranstalters. Noch immer ist das Motto der Reiseorganisatoren: Möglichst viel sehen in kurzer Zeit. Bloß keine Zeit zum Verschnaufen einplanen, es könnte ja Langeweile aufkommen. Vorprogrammierter Dauerstress von morgens bis abends, von Anfang bis Ende der Reise. Früh aus den Federn, zwischendurch schnell irgendwo einen Imbiss einnehmen und am Abend endlich eine gescheite Mahlzeit, nur meist viel zu spät. Und dann am besten noch ein Abendprogramm hintendran. Ein Szenario, dass durchaus öfter anzutreffen ist, als man glauben mag.
Auch bei Rundreisen, die noch so sorgfältig geplant werden, treten immer wieder Verlegenheiten auf, die einzelnen Mitreisenden das Leben unterwegs schwer machen. Eine häufige Ursache ist die Reisediarrhoe. Bei manchem Reisenden reicht allein die Angst davon betroffen zu werden schon als Auslöser. Je weiter und je fremder das Land, desto höher das Risiko. Verstärkt wird der Effekt beispielsweise durch ein noch bei Buchung eher positives Argument, die Vorteile einer Gruppenreise. Jetzt wird der Vorteil und die Sicherheit einer Reisegruppe plötzlich zum Gruppenstress. Wer ausfällt oder "lahmt" wird zum Bremser und macht sich bei den übrigen Reisenden nicht unbedingt beliebt. Die Karawane zieht weiter, zu den nächsten Besichtigungspunkten, zum nächsten Übernachtungsort. Also bloß nicht ausfallen, fit bleiben. Dieser Stress ist nun mal nicht jedermanns Sache, Ausfälle sind manchmal schlichtweg vorbestimmt.
Ein weiteres Thema bei Busfernreisen ist der gebotene Komfort an Bord. Geworben wird mit bequemen Schlafsesseln, Klimaanlage und Co. Die bequemen Sessel sind nur leicht neigbare Sitze mit in aller Regel viel zu geringem Abstand zum Vordersitz, d.h. von entspanntem Schlaf keine Spur. Klimaanlagen sind sicher im Sommer und in warmen Gefilden eine nützliche Hilfe. Doch nur, wenn der Busfahrer damit auch richtig umgehen kann. Die Praxis zeigt, dass dies eben nicht immer der Fall ist. Der Bus wird zum Kühlschrank. Tür auf und die hohe Temperaturdifferenz haut einen beim Verlassen des Busses regelrecht um. Herzlich Willkommen Erkältung, Grippe and friends. Von wegen schöne Reise. Statt die Schönheiten der Reise zu erleben, lernen die Teilnehmer wie ihre Medikamente in Landessprache heißen.
Es gibt also reichlich Schwachstellen bei Busfernreisen, bei denen dringender Informationsbedarf im Rahmen der Patientenberatung besteht. Das Wissen um die Reiserealitäten hilft die Beratung treffender zu gestalten. Ihre Patienten werden es Ihnen danken. Gesund abreisen heißt noch lange nicht gesund wiederkommen!