Höhentrekking -
Grenzen der Belastbarkeit im Alter
Dr. Küpper
 
Jährlich suchen weltweit 37 Millionen Reisende extreme Höhen auf, allein aus dem deutschsprachigen Raum erfolgen jährlich 28 Millionen Höhenaufenthalte. Aus demographischen Daten ergibt sich, dass ein erhebliches Teilkollektiv aus älteren Menschen bestehen muss, bei denen ggf. ein persönliches Risikoprofil zu beachten wäre.

Zunächst lässt sich zusammenfassend feststellen, dass sich die Höhenexposition des gesunden älteren Menschen nicht von der des jüngeren unterscheidet. Einige Daten sprechen sogar dafür, dass die Anfälligkeit gegenüber Höhenerkrankungen im Alter eher abnimmt - "die Gnade der Gefäßsklerose"! Wie beim jüngeren Menschen gilt auch für den älteren als wichtigste Regel "Nicht zu schnell zu hoch!". Allenfalls kann aufgrund verminderter Kälteempfindung im kühlen Höhenklima eine erhöhte Unterkühlungsprädisposition postuliert werden.

Somit konzentriert sich das Referat automatisch auf die Risikoprofile, die durch die im Alter statistisch häufiger auftretenden Gesundheitsstörungen verursacht werden. Sowohl für die Hypertonie als auch die koronare Herzerkrankung (bzw. Zustand nach Myokardinfarkt) gilt, dass die körperliche Belastung beim Höhenaufenthalt die entscheidenden Limite sind und nicht die Höhe an sich - vorausgesetzt, es handelt sich um "alpine" Höhen bis etwa 4.000m. Die Erkrankungen sollten sich in einem einigermaßen stabilen Zustand befinden und die Blutdruckwerte im akzeptablen Bereich. Im Tal sollte die Ergometerbelastbarkeit mindestens bei etwa 100W im steady state liegen. Ähnliches gilt auch für den Diabetiker, wobei hier eher hochnormale Werte angestrebt werden. Die erhöhte Erfrierungsgefahr bei allfälliger peripherer Polyneuropathie und Mikroangiopathie stellt insbesondere zusammen mit nicht absolut exakt passenden, ausreichend warmen Schuhen eine potentielle Erfrierungsgefahr dar. Insulin muss so transportiert werden, dass Einfrieren ausgeschlossen ist.

Im Gegensatz zum Herzpatienten, der die Höhe meist erstaunlich gut verträgt, ist beim Lungenpatienten Vorsicht geboten, denn hier wird die Höhe zum eigenständigen Risikofaktor. Insbesondere bei Restriktion kann die erforderliche Steigerung des Atemminutenvolumens oft nicht erbracht werden. Wenn bereits bei leichten Belastungen im Tal Atemnot auftritt, ist ein Höhenaufenthalt in jedem Fall kontraindiziert. Bei Niereninsuffizienz ist weder die Höhe noch die Belastung limitierend, sondern der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Hier ist auf eine angemessene Bilanzierung der Defizite, die durch körperliche Anstrengung und trockene Atemluft unvermeidlich sind, zu achten. Ob die bei Gesunden eintretende Höhendiurese beim Nierenpatienten eine nennenswerte Rolle spielt, ist derzeit noch unbekannt.

Im Referat wird über die genannten Erkrankungen wie auch über weitere ein genauer Überblick unter präventivmedizinischen Gesichtspunkten gegeben.