Die reisemedizinische Beratung im Praxisalltag - welche Fragen stellen ältere Patienten
Dr. med. Ulrich Klinsing, Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin mit Niederlassung in Frankfurt, Vorstand des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin.
 
Hausärzte sind die primären Ansprechpartner, wenn es um die Vorbereitung von Reisen geht. Dies trifft besonders für Reisevorhaben von älteren Personen zu, die häufig aufgrund chronischer Vorerkrankungen bereits eine vertrauensvolle Bindung zu einem Hausarzt haben.

Den "älteren Patienten" gibt es in unseren Praxen nicht. Vielmehr haben wir es mit einer heterogenen Personengruppe mit sehr unterschiedlichen reiserelevanten Voraussetzungen zu tun. Dies wird verdeutlicht durch die große Altersspanne der Senioren (ab 60 Jahren bis nach oben unbegrenzt) und durch sehr unterschiedliche Ausprägungen von Gesundheitsschäden und daraus folgenden Behinderungen. Den Patienten selbst geht es um die Verwirklichung ebenfalls sehr unterschiedlicher Reisevorhaben, die wiederum aus den verschiedensten Motivationslagen heraus geplant werden. All dies führt zu einer bunten Palette von Fragen, die uns im Rahmen von medizinischen Beratungen und Hilfestellungen zur Reisevorbereitungen von älteren Patienten gestellt werden.

Aus der breiten Spanne der Beratungsvoraussetzungen ("gesunde" Senioren bis Patienten, die durch Erkrankungen erheblich in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind einerseits und Vorhaben mit offensichtlich geringer Belastung bis zu Vorhaben mit Expeditionscharakter andererseits) ergibt sich ein sehr interessantes und komplexes Spannungsfeld. Anhand von Beispielen aus der Praxis wird dieses Spannungsfeld problematisiert. Dies reicht von mehr nebenher gestellten Fragen eines gut eingestellten älteren Hypertonikers kurz vor Verlassen des Sprechzimmers bis zur detaillierten Nachfrage eines älteren Patienten mit ausgeprägter chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung nach der Vorbereitung einer Tibetreise. Das gesamte Spektrum reisemedizinischer Fragestellungen adaptiert an die Bedürfnisse älterer Patienten kommt hierbei zur Geltung.

Bei unseren Antworten müssen die Auswirkungen normaler Altersveränderungen ebenso berücksichtigt werden wie die funktionellen Auswirkungen schwerer chronischer Erkrankungen auf die Reisefähigkeit. Unsere Beratung sollte zum Ziel haben, durch Strategien zur Verbesserung der reiserelevanten Leistungsfähigkeit und Einflussnahme auf die Gestaltung der Reise den Patienten bei der Verwirklichung ihrer Reisepläne zu helfen. Insbesondere ist hierbei der hohe soziale Integrationswert von Reisen zu berücksichtigen. Nur in sehr wenigen Fällen muss von einer Reise ganz abgeraten werden. Da der Hausarzt häufig erster Ansprechpartner besonders der älteren Patienten ist, sollte jeder Hausarzt über fundierte Kenntnisse in Reisemedizin verfügen.