Beratung bei chronischer Herz-Kreislauferkrankung
Dr. Gieseler, Medizinische Abteilung des Evang. Diakonissenkrankenhauses, Speyer
 
In der Bundesrepublik Deutschland leben nach Angaben des statistischen Bundesamtes 14 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre sind und 21 Millionen zwischen 45 und 65 Jahren. Im Jahre 2001 waren 36% der Fernreisenden älter als 60 Jahre. Insofern ist es naheliegend, sich um die große Gruppe potentieller Kunden für eine reisemedizinische Beratung zu kümmern, insbesondere, da man davon ausgehen kann, dass bei den über 60-jährigen ein nicht unwesentlicher Anteil bereits eine kardiale Vorschädigung durch koronare Herzerkrankung, Hypertonie, Diabetes usw. hat.

Von 2000 Patienten, die im Jahre 2000 in Berlin im Rahmen einer reisemedizinischen Nachuntersuchung in eine Studie aufgenommen wurden, waren immerhin 10% mit internistischen Vorerkrankungen. Aus kardiologischer Sicht sind es insbesondere Patienten mit koronarer Herzerkrankung und Vitien, die einer speziellen internistischen kardiologischen reisemedizinischen Beratung bedürfen. Zu beachten sind die speziellen Probleme dieser Erkrankungen sowie das Risiko bezüglich der veränderten klimatischen Bedingungen, als auch der Auswirkungen auf die zugrunde liegende Herzerkrankung. Hinzu kommen die speziellen Probleme verschiedener Medikamente, mit denen diese Patienten behandelt werden, wie z. B. Betablocker, Calciumantagonisten, AT I-Blocker, ACE-Hemmer, Lipidsenker usw. in Zusammenhang mit möglichen Interaktionen, z. B. bei der Prophylaxe der Malaria. Hier sind wichtige Interaktionen zu beachten, auf die die Patienten hinzuweisen werden müssen. Zugrunde liegt das Problem des Abbaus der verschiedenen Medikamente über das Cytochrom P 450, über das sowohl typische Malaria-Präparate abgebaut werden, als auch die typischen kardialen Medikationen. Einer speziellen Beratung bedürfen die Reisenden, die in höhergelegene Ziele unserer Erde reisen wollen, sei es nun auf Trekkingtouren oder auch in höhergelegene Regionen im Rahmen von Kulturreisen wie z.B. dem Hochland Südamerikas. Hier sind ebenfalls spezielle Kenntnisse und pathophysiologische Zusammenhänge zu beachten, wenn Reisen in Höhen von über 3000 Metern geplant werden. Es wird diesen Patienten gerade bei Herzerkrankungen von solchen Trekkingtouren immer wieder abgeraten, was aber generell ohne medizinische Grundlage ist.

Im Rahmen dieses Vortrags wird auf die speziellen Probleme der Herz-Kreislauferkrankungen bei Reisen nicht nur in Europa, sondern insbesondere auf außereuropäische Reisen eingegangen