Hautinfektionen bei Kindern und Jugendlichen bei Reisen in südliche Länder
Prof. Dr. med. S.W. Wassilew
Städtisches Klinikum Krefeld
Dermatologische Klinik
 
Epidemiologische Daten über Hautinfektionen bei Kindern und Jugendlichen nach Reisen in südliche Länder liegen nicht vor. Nach eigener Erfahrung werden jedoch Ärzte immer häufiger von Eltern gefragt, wie ihre Kinder sich bei gemeinsamen Reisen in südliche Länder vor Infektionen schützen können. Dies gilt insbesondere für Kinder, die aufgrund von vorbestehenden Hauterkrankungen oder Infektionen besonders gefährdet sind. So sind Kinder und Jugendliche mit bestehender Neurodermitis besonders anfällig gegenüber bakteriellen Infektionen mit z.B. Staphylokokken und viralen Infektionen, z. B. mit dem Molluscum contagiosum-Virus. Eine Prophylaxe gelingt hier durch sorgfältige Hautpflege.

Jugendliche mit bekannter, rezidivierender Herpes simplex-Infektion können bei Reisen in südliche Länder schwere Rezidive erleiden. Dies kann sicher verhindert werden durch die prophylaktische Einnahme von 2 x 200 mg bis 2 x 400 mg Aciclovir. Die Einnahme muss drei Tage vor Urlaubsantritt begonnen werden und kann über die gesamte Urlaubszeit erfolgen.

Auch wenn die empfohlene Hautpflege sorgfältig durchgeführt wird, kommt es immer wieder zu Hautinfektionen. Bakterielle Erkrankungen, wie oberflächliche Pyodermien oder multiple Abszesse, werden auch in tropischen Regionen durch die hier vorkommenden Erreger verursacht. Klinische Ausprägung und Verlauf sind jedoch häufig schwerer. Lokale Maßnahmen sind daher in der Regel nicht ausreichend. Eine systemische Antibiose, orientiert am vermuteten oder besser nachgewiesenen Erreger, erscheint notwendig. Die medikamentöse Behandlung ist oft mit chirurgischen Maßnahmen zu kombinieren.

Ähnlich häufig wie bakterielle Infektionen treten oberflächliche Infektionen durch Pilze bei Reisen in südliche Länder auf. Auch hier ist häufig die Lokalbehandlung, besonders bei disseminierten oder abszedierten Mykosen, nicht ausreichend. Eine systemische Therapie mit Griseofulvin, 10 mg/kg KG/Tag, bis zur Abheilung kann empfohlen werden. Schneller wirksam ist die Behandlung mit modernen systemisch wirksamen Antimykotika, die zur Therapie von Mykosen bei Kindern allerdings nicht zugelassen sind.

Von den Protozoonosen wird die Leishmaniasis am häufigsten bei jugendlichen Besuchern von Tropen und Subtropen gesehen. Falls keine Spontanheilung auftritt, kann die Behandlung kryochirurgisch unterstützt werden.

Von den Erkrankungen durch Würmer und Larven spielt die Creeping Eruption (Hautmaulwurf, Larva migrans cutanea) für den Dermatologen eine besondere Rolle. Zur Behandlung eignet sich Tiabendazol 10 - 15 % in einer Salbengrundlage oder - empfehlenswerter - die systemische Behandlung mit Albendazol (Eskazole®) 400 mg, 1 - 3 Tage, oder Ivermectin (Stromectol®) 200 µg/kg KG als Einmaldosis.

Prophylaxe, Diagnose, Differenzialdiagnose und Therapie der Hautinfektionen bei Kindern und Jugendlichen bei Reisen in südliche Länder werden anhand von Beispielen ausführlich besprochen.