Hygiene bei Kurz- und Langzeitaufenthalten mit Kindern im Ausland
Dr. med. Gunther von Laer,
Auswärtiges Amt (Gesundheitsdienst), Berlin
 
Kinder sind eine Freude, aber nicht unbedingt unterwegs.
Kinder müssen Hygiene auch zu Hause erst noch lernen.
Kinder sind überall auf der Welt ganz besonders infektgefährdet.

Die Konsequenz, Kinder am besten im warmen Nest zu Hause zu lassen, sie nicht mitreisen zu lassen, ihnen das Reisen vorzuenthalten aus infektiologischen Gründen ist aber unrealistisch und der falsche Ansatz. Deshalb muß man sich detailliert darum kümmern.

Die Probleme für Kinder unterwegs sind z.T. andere als die der Erwachsenen. Sie sind teilweise spezifisch, zum Teil aber auch bedingt durch das Reiseziel, den Reisestil oder andererseits die soziale, hygienische oder pädagogische Inkompetenz der Eltern. Während gestillte Säuglinge unterwegs kaum andere Probleme haben als zu Hause, sind Kleinkinder durch ihre altersentsprechende Aktivität, durch das Testen, Erkunden und Erfahren der näheren Umwelt (Krabbeln, Spielen, Selbständigkeit suchen) infektiologisch und tropenmedizinisch in einer ganz anderen Situation, besonders in den Tropen bzw. in warmen Ländern mit niedrigem Hygienestandard. Ältere Kinder und Jugendliche wiederum behalten diese Infektrisiken, es kommen allerdings zunehmend Unfall (Verkehrsunfall-)Risiken und später dann die Probleme durch Erlernen der Sexualität (HIV ! erweiterte Sexualhygiene) insbesondere bei den Langzeitaufenthalten in entsprechenden Ländern dazu.

Die Prävention: Prophylaktische Beratung und die möglichen Maßnahmen der Familie bzw. innerhalb der Familie, die sich auf den Schutz der Kinder beziehen, wird besonders aufwendig und ebenfalls (siehe oben) altersentsprechend auszurichten sein. Die allgemeinen Hygieneregeln, die intensiv - fast zwanghaft - angeordnet, durchgeführt und kontrolliert werden müssen (Händewaschen) sind unendlich wichtig. Ein Jugendlicher im Langzeitaufenthalt in den Tropen, der im HIV-Hochendemiegebiet seine Sexualität lernt, braucht mehr als nur eine Aufklärungsbroschüre, vielmehr sexualhygienisch frühzeitige und begleitende Gespräche mit Vertrauten und Vertrauenspersonen, die diesen Namen auch verdienen.. Auch anderes wie die Unfallvorsorge durch bauliche, verhaltensspezifische oder pädagogische Maßnahmen sowie auch so etwas wie innerfamiliäre Richtlinien in dann fortgeschrittenem Kindes- und Jugendalter ist von ganz erheblichem Wert.

Eltern sind allein mit diesen Aufgaben auch für Kurzreisen vielfach völlig überfordert. Um diese Situation abzumildern und so etwas wie eine fachspezifische Lobby für Kinder auf Reisen zu fördern, sollte für jedes Kind getrennt und für die Gesamtfamilie von Fachkundigen ein "setting" im Sinne allgemeiner und spezieller altersunabhängiger und alterspezifischer Verhaltensregeln und Ausrüstung vom Reisemediziner entworfen und den Eltern an die Hand gegeben werden. Dies kann ein wichtiger Beitrag für einen gelungenen, erholsamen (!) Urlaub aller Familienmitglieder sein und bei Langzeitaufenthalten den Erfolg der doch aufwendigen, Jahre dauernden Auslandsaktivität mit absichern. Eine vollständige Sicherheit vor Infekten ist nach praktischer Erfahrung nicht erreichbar, zumal viele Erregerformen in spezifischer Umwelt immer präsent zu sein scheinen (Beispiel: Amöbenzysten). So und aber jedenfalls, durch vernünftige Verfahrensweisen und Abläufe, die Infektionsrate innerhalb der Familie zu senken, das Bewusstsein für das Kind als besonders gefährdetes Mitglied zu stärken und den Eltern bewusst zu machen, dass Kinder häufig diejenigen sind, die am meisten unter einer Reise leiden, besonders wenn Fehler gemacht werden. Und auch die Funktion, Erreger von außen in die Familie zu tragen, die das Kind unbewusst häufig hat, sowie andere generelle Problemkonstellationen sollte der kundige Reisemediziner bzw. Tropenmediziner den Eltern frühzeitig nahebringen. Dazu gehört auch die Entscheidung, ob überhaupt gereist wird bzw. ob gerade diese Reise oder jener Langzeitaufenthalt den Kindern mit ihren besonderen Problemen überhaupt zumutbar ist. Denn es wird immer wieder Konstellationen geben, in denen man sich im Sinne des Kindes auch einmal unter spezifischen Konditionen gegen eine Reise wird entscheiden müssen. Die verschiedenen Aspekte werden im Vortrag illustrierend angeschnitten und im Interesse der Kinder auf Reisen werden,wo es möglich erscheint, Lösungen angeboten.