Können Kinder Tauchsport betreiben - Was ist aus ärztlicher Sicht zu beachten?
Dr. med. Ulrich van Laak, Schifffahrtsmedizinisches Institut der Marine, Kronshagen
 
"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen". Dieser Leitsatz aus der Kinderheilkunde gilt auch für die Tauchmedizin ohne Abstriche. Er hat sogar besondere Bedeutung, weil sich der Tauchsport durchaus zum Familiensport entwickelt und weltweit Gebiete erschlossen hat, die geradezu ideale Umgebungsbedingungen für tauchende Kinder darstellen.

Erstaunlicherweise existieren aber kaum allgemein gültige Kriterien für die Tauchtauglichkeit von Kindern, obwohl diese von allen Verbänden nachhaltig gefordert wird.
Grundsätzlich gelten als Voraussetzungen für eine Tauchtauglichkeit die selbständige Schwimmfähigkeit, die Kommunikationsfähigkeit, eine geistige Reife zu eigenverantwortlichem Handeln, sowie die Fähigkeit anderen Tauchern helfen zu können. Die spezifischen Kriterien für die Tauchtauglichkeit sind im deutschsprachigem Raum durch die Fachgesellschaften definiert worden (z. B. www.gtuem.org).

Ab welchem Alter Sporttauchen mit und ohne Gerät und unter welchen Randbedingungen möglich sein kann, ist derzeit unscharf definiert. Eindeutig ist lediglich, dass die Standard-Tauchtauglichkeitsuntersuchung von einem Startalter von 16 Jahren ausgeht.
Als Problemfelder für das Kindertauchen werden die adäquate Gefahrenerkennung, allfälliges Fehlverhalten, unvorhersehbare Reaktionen und Überlastung des Organismus (größere Wärmeverluste, verminderte Kraftressourcen, rasche Ermüdung) gesehen. Für den Tauchmediziner ist es daher zusätzlich zum Standarduntersuchungsgang wichtig, abzuklären, ob das Kind die erforderliche, körperliche und psychische Reife besitzt, ob eine freiwillige Motivation zum Unterwassersport vorliegt, welche Position die Eltern dabei vertreten und dies alles abschließend ausführlich zu dokumentieren.

Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. schlägt eine untere Altersgrenze bei 8 Jahren vor, ältere Kinder bis 14 Jahre sollten nur im Rahmen von Einführungstauchgängen innerhalb gut betreuter Tauchkurse unter Wasser gehen. Die Tauchverbände und die Tauchsportindustrie hat bereits auf die kindliche Kundschaft reagiert, so dass auf dieses Klientel zugeschnittene erlebnisorientierte Ausbildungsgänge angeboten werden und auch die Ausrüstungsgegenstände in den erforderlichen kleinen Dimensionen zur Verfügung stehen.

Bei tauchenden Kindern werden verstärkt Probleme im HNO- und Lungenbereich gesehen. Weiterhin treten eher Probleme mit der Unterkühlung auf.
Geraten wird zu kurzen Tauchgängen mit gut passendem Equipment, insbesondere zu einem kindgerechten Lungenautomaten mit geringer Atemarbeit. Bis zum Alter von 12 Jahren steigert sich die erlaubte Tauchtiefe und die Art des Tauchgewässers allmählich bis zu einer "Tabuzone" im Freiwasser von 10-12 Metern.

Die Frage, ob Kinder Tauchsport betreiben können, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Unbedingte Voraussetzung sind Freiwilligkeit und Spaß. Gruppendynamischer oder familiärer Druck muss unbedingt ausgeschlossen werden! Die Ausbildung ist aufwändig, über Strecken ist ein Verhältnis Kind zu Ausbilder von 1:1 erforderlich. Tauchtauglichkeitsuntersuchungen müssen ggf. im Dialog mit dem Kinderarzt erfolgen. Der beurteilende Tauchmediziner muss Erfahrungen mit dem Kindertauchen haben. Bis zur möglichen Freigabe des Sporttauchens als Jugendlicher oder Erwachsener im Alter von 14 oder 16 Jahren gelten strengste Zeit-/Tiefenlimits für den Tauchsport betreibende Kinder.