Unfälle mit Gifttieren bei Kindern- Vorsorge und Erste Hilfe
Prof. Dr. Dietrich Mebs
Zentrum der Rechtsmedizin, Klinikum der Univerisität Frankfurt
 
Gifttiere injizieren entweder mit Hilfe eines Stachels (Biene, Skorpion) oder durch Mundwerkzeuge (Spinne) oder Zähne (Schlange) aktiv Gift und bewirken dadurch eine Vergiftung mit unterschiedlichsten Symptomen und mit im Einzelfall schwer abzuschätzendem Ausgang. Kinder sind in diesem Zusammenhang besonders gefährdet, da sie bei geringerem Körpergewicht die gleiche Dosis Gift wie der Erwachsene erhalten haben. Außerdem scheint der kindliche Organismus auf manche Gifte (Skorpione, manche Spinnen) besonders empfindlich zu reagieren. Passiv giftig sind Tiere, die keinen speziellen Giftapparat besitzen, aber in ihrem Körper Gifte enthalten oder speichern. Sie bewirken Vergiftungen, wenn sie gegessen werden, d.h. wenn ihr Gift enteral aufgenommen wird. Vergiftungen nach dem Verzehr von Muscheln oder Fisch betreffen daher gleichermaßen Erwachsene wie Kinder.

Kinder legen Tieren gegenüber meist keine Scheu an den Tag. Viele Gifttierunfälle geschehen daher, wenn Kinder mit dem betreffenden Tier hantieren oder gar mit ihm gespielt haben.

Vergiftungen nach dem Biss oder Stich eines Gifttieres oder auch nach dem Verzehr eines giftigen Tieres verlaufen stets akut, wobei der Vergiftungsverlauf sehr dramatisch, aber auch trivial sein kann. Zwar sind die meisten Vergiftungen durch Tiere keineswegs tödlich, Morbiditäts- wie Mortalitätsrate liegen bei Kindern jedoch deutlich höher als beim Erwachsenen.

Gifttiere kommen weltweit vor. Den größten Artenreichtum findet man in den tropischen Regionen der Erde. Hier stellen sie in vielen Fällen ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar. Um Gifttierunfällen vorzubeugen, sollten Kinder nie unbeaufsichtigt sein. Kommt es zu einem Biss oder Stich durch ein Gifttier, sollte ohne Zeitverlust ärztliche Hilfe aufgesucht werden. Die folgenden Maßnahmen zur Ersten Hilfe treffen praktisch für alle Gifttiere zu:
  1. Beruhigend auf das Kind einwirken, Panik vermeiden.
  2. Betroffene Extremität ruhigstellen (Arm in Schlinge, Bein schienen), u.U. Schocklagerung.
  3. Ringe und Armbänder entfernen (bei Ödembildung).
  4. Identifizierung des Gifttieres, soweit dies gefahrlos möglich ist.
  5. Vitalfunktionen aufrechterhalten (Beatmung, Herzmassage).
Unbedingt zu unterlassen ist das Einschneiden, Aussaugen oder Auspressen der Bissstelle, Arm oder Bein niemals abbinden, nichts in die Bissstelle einreiben oder einspritzen, Bissstelle nicht kühlen oder erwärmen, dem Kind kein Getränk einflößen.

Eine symptomatische Therapie ist in den meisten Fällen angezeigt, zumal wenn spezifische Antidote (Antiseren) nicht vorhanden sind. Eine spezifische Therapie wird mit Antiseren zur Behandlung von Schlangen- oder Skorpions-Stichen durchgeführt. Antiseren sind jedoch nicht überall, oft genug überhaupt nicht verfügbar. Ihre Anwendung sollte wegen der Gefahr von Komplikationen wie anaphylaktischem Schock nur unter klinischen Bedingungen erfolgen.