Höhenaufenthalt von Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern
Dr. med. Thomas Küpper, Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Es werden die wesentlichen Gesundheitsprobleme von Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern beim Höhenaufenthalt dargestellt. Dazu wird insbesondere auch die körperliche Belastbarkeit des genannten Personenkreises unter Höhenbedingungen erläutert. Ergänzend wird ein Überblick über präventive Strategien zur Vermeidung der aufgeführten Risiken gegeben. Die Betrachtungen fokussieren extreme Kurzaufenthalte (Paßstraßenfahrten, Flüge) sowie Kurzaufenthalte (Urlaub), also Zeiträume, innerhalb derer keine vollständige Höhenanpassung erfolgt. Immigranten in hoch gelegene Regionen werden hier ebenso ausgeklammert wie "Höhenvölker".

Durch seine multifaktorielle Belastung (hypobare Hypoxie, Kälte, Hitze, Strahlung, Flüssigkeitsverlust...) stellt der Höhenaufenthalt altersunabhängig eine Streßsituation für jeden Organismus dar ("physiologisches Globalereignis"). Höhenakklimatisation von Kindern erfolgt - soweit bei derzeit noch spärlicher Datenlage zu sagen - offensichtlich zeitlich analog zu Erwachsenen. Neben weiteren betreffen die wesentlichen Unterschiede zum Erwachsenen vor allem die wesentlich geringere Resistenz gegen Kälte und Hitze sowie die geringere glykolytische Kapazität. Hohe Leistungen kann ein Kind daher nur kurz erbringen, Dauerbelastungen sind destruktiv. Besonders problematisch ist die Diagnostik von Höhenerkrankungen bei kleinen Kindern. Hier wird der Children's Lake Louise Score (CLLS) vorgestellt, der für die Eltern gut anwendbar ist und reproduzierbare Ergebnisse bringt. Jeder Höhenaufenthalt mit Kindern setzt voraus:
1. Akklimatisation beachten, etappenweiser Höhenaufstieg;
2. Ausreichend trinken;
3. Umfassende Aufklärung von Eltern bzw. Aufsichtpersonen in der Diagnostik und Therapie von Höhenerkrankungen beim Kind;
4. Präsenz eines zuvor festgelegten Notfallkonzeptes. Jede medikamentöse Prophylaxe von Höhenbeschwerden wird beim Kind strikt abgelehnt!

Auch hinsichtlich des Höhenaufenthaltes Schwangerer bestehen noch erhebliche Wissensdefizite, denn fast alle Daten wurden an Hochlandbewohnern und nicht beim Höhenaufenthalt von Tieflandbewohnern erhoben. Die vorliegenden Ergebnisse werden detailliert vorgestellt. Verschiedene Mechanismen sorgen dafür, daß die Hypoxie für den Fetus begrenzt und teilweise kompensiert wird. Zusammengefaßt kann derzeit davon ausgegangen werden, daß ein Höhenaufenthalt für die Schwangere wie für die Schwangerschaft unproblematisch ist, wenn
1. Es sich um eine unkomplizierte Schwangerschaft handelt; 2. Höhen bis etwa 3.000 (3.500) m nicht überschritten werden;
3. Keine ungewöhnlich hohen körperlichen Belastungen in der Höhe erfolgen (insbesondere keine Preßatmung);
4. Akklimatisationsregeln strikt beachtet werden;
5. Möglichst tief geschlafen wird (zumindest nicht auf höchster erreichter Tageshöhe);
6. Keine Teilnahme an Aktivitäten mit hohem Traumarisiko erfolgt.
Von Trekkingtouren sollte weniger wegen der Hypoxie, sondern insbesondere wegen der geringen Infrastruktur im Falle einer Komplikation dringlich abgeraten werden. Höhenbergsteigen oder Expeditionen sind kontraindiziert. Bei Risikoschwangerschaften, vor allem bei Eklampsierisiko, sollte kein Höhenaufenthalt erfolgen. Insgesamt betrachtet stellt ein moderater Höhenaufenthalt für den betrachteten Personenkreis in der Risikoabwägung aus zahlreichen Gründen eher einen Benefit denn ein erhöhtes Risiko dar.