Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. E. Kröger,
Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Das diesjährige Forum steht unter dem Thema: "Reisen mit Kindern". Wir haben dieses Thema ganz bewusst gewählt, bedeutet doch Reisen mit Kindern eine besondere Verpflichtung zur Reisegesundheitsvorsorge, nicht nur für die Eltern sondern auch für den Reisesektor. Allzu häufig wird das Thema Reisen und Reisegesundheitsvorsorge nur aus dem Blickwinkel der Erwachsenen gesehen. Die besonderen Belange der Kinder treten oftmals in den Hintergrund oder werden z.T. auch ganz vergessen. Jährlich reisen aber Millionen Familien mit Kindern in den Urlaub, ob mit dem PKW, mit dem Flugzeug oder mit der Bahn. Jedes Jahr wieder stauen sich zur Urlaubszeit die Blechlawinen auf den Autobahnen, bilden sich lange Schlangen an den Abfertigungsschaltern der Flughäfen oder an den Bahnhöfen und mittendrin Kinder jeder Altersstufe, vom schreienden Säugling bis hin zum 18-Jährigen, der sich gelangweilt dem Schicksal ergibt, mit den Eltern in Urlaub reisen zu müssen, anstatt - was er viel lieber täte - mit seinen Freunden oder auch einer Freundin den Urlaub zu verbringen.

Reisen mit Kindern, vor allem Kleinkindern, ist in der Regel stressig, es ist laut, oftmals auch nervig für das unmittelbare Umfeld. Immer wenn Familien mit Kindern auf Reisen gehen, oder Kinder vor Ort im Hotel herumtollen, ist etwas los, Streit und Gezänk bestimmen das Geschehen oder das Jagen miteinander oder untereinander. Genauso wie im häuslichen Alltag, empfinden dabei vor allem ältere Menschen Kinder als störend und nervend. Dabei vergessen die meisten von Ihnen, dass sie selbst einmal Kind waren und früher genau so Freude am Herumtollen hatten wie die Kinder von heute.

Andererseits bietet der Urlaub mit Kindern für viele Eltern endlich einmal eine Gelegenheit, sich wirklich intensiv mit den Kindern zu beschäftigen. Kein Alltagsstress, keine beruflichen Verpflichtungen, sondern ganz einfach mit der Familien und in der Familie neue Kraft zu schöpfen. Wie aber sieht der ideale Urlaub mit Kindern aus? Was ist bei Reisen mit Kindern besonders zu beachten? An beiden Tagen wollen wir versuchen in einem breiten Spektrum von Vorträgen Entscheidendes herauszuarbeiten: die Punkte, die Sie bei der reisemedizinischen Beratung von Eltern ansprechen sollten.

Ich denke, uns erwartet ein interessantes Programm mit vielen Themen die Spezialfragen der Gesundheitsvorsorge bei Reisen mit Kindern beleuchten. Nutzen Sie auch die Gelegenheit, im Anschluss an das Forum morgen und vielleicht auch am Sonntag die Messe zu besuchen. Reisemedizin betreiben heißt in der Konsequenz auch selber zu Reisen. Wenn man schon nicht die ganze Welt bereisen kann, so vermittelt die Ausstellung doch einen Eindruck von der Vielfältigkeit anderer Ländern und Kulturen, von Menschen und Sehenswürdigkeiten in aller Welt, wie Sie sie an keinem anderen Ort in dieser geballten Form finden. Auch wenn es überwiegend die heile Welt ist, die der Tourismus hier bei der Messe bewirbt, sollten wir uns nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass die Realität des Reiseumfeldes auch bei den schillernden touristischen Reisezielen oftmals bedrückend und auch nicht frei von Gesundheitsrisiken für den Reisenden ist. Slumgebiete um die Touristikzentren, generell mangelhafte Hygiene, begrenzte medizinische Versorgungsmöglichkeiten sind nur einige Stichworte, die das touristische Umfeld in vielen Ländern kennzeichnen.

Als Reisemediziner haben wir die Aufgabe, auch diese Schattenseiten und deren mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Touristen zu sehen. Wir müssen die aus den örtlichen Gegebenheiten resultierenden Gesundheitsrisiken bei der Beratung immer wieder mit im Blick haben, nicht etwa um Reisende vom Reisen abzuhalten, sondern, um Reisende bei der Beratung auf diese Situation vorzubereiten, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und Verhaltensempfehlungen auszusprechen, um weitestgehend sicherzustellen, dass der Reisende seinen Urlaub und seine Reise möglichst unbeschwert und frei von Gesundheitsproblemen genießen kann und vor allem auch keine unliebsamen Krankheiten von der Reise mitbringt. Dies gilt für jede Reise und für jeden Reisenden, ganz besonders auch bei der Vorsorge für Kinder. In diesem Ziel sind sich glaube ich alle einig, ob Reiseveranstalter, Reisebüro, beratende Ärzte oder Apotheker und letztlich auch die Reisenden selbst.

Was verbessert werden kann, ist die Zusammenarbeit zwischen Reisesektor und beratenden Gesundheitsberufen einerseits aber auch die Zusammenarbeit unter den Gesundheitsberufen, sprich die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und Apotheken andererseits. Unser gemeinsames Ziel sollte eine optimale Gesundheitsvorsorgeberatung der Reisenden als solche sein.