Reisen mit Kindern in Malaria-Gebiete
Prof. Dr. med. Gerd-Dieter Burchard
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg
 
Bei Reisen mit Kindern ist zu beachten, daß Kinder schwere lebensbedrohliche Erkrankungen bekommen können, daß Kinder einige Krankheiten leichter und schneller bekommen als Erwachsene, sowie daß Kinder eine andere Symptomatik als Erwachsene aufweisen können. Ein ganz wichtiges Beispiel hierfür ist die Malaria, die bei Kindern wohl aufgrund der geringeren Gesamtanzahl von Erythrozyten schneller zum Tode führen kann als bei Erwachsenen. Ein anderer wesentlicher Unterschied ist, daß die zerebrale Malaria bei Kindern häufiger zu neurologischen Defektheilungen führt. Auch kognitive Störungen nach Malaria wurden bei Kindern beschrieben. Zusammenfassend sollte deshalb von Reisen mit Kindern in Malariaendemiegebiete abgeraten werden.

Entschließen sich die Eltern dennoch zur Reise, sollte zunächst eine konsequente Expositionsprophylaxe (Moskitonetz über Betten und Spielfläche) angeraten werden. Die medikamentöse Vorbeugung sollte sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) orientieren, diese sind insbesondere mit länderspezifischen Orientierungshilfen im Internet unter www.dtg.org einsehbar. Nach diesen Empfehlungen wird eine regelmäßige medikamentöse Vorbeugung für einige Bundesstaaten in Brasilien (Rondonia, Roraima und Acre), für Afrika südlich der Sahara, für Indien (nördlich einer Linien von Goa nach Madras), sowie für Indonesien (östlich von Bali) angeraten.

Grundsätzlich kommen zur medikamentösen Prophylaxe Mefloquin (Lariam) oder Atovaquon/Proguanil (Malarone) in Frage. Bei Kindern ist Mefloquin ab 5 kg Körpergewicht zugelassen, Malarone ist gegenwärtig für Kinder noch nicht zugelassen (mit der Zulassung ist aber für das Jahr 2003 zu rechnen). Für andere Gebiete in Südamerika und Indien, für weite Bereich Südostasiens, wird im allgemeinen die Mitnahme eines Mittels zur notfallmäßigen Selbsttherapie angeraten, hierfür kommen grundsätzlich in Frage Mefloquin, Atovaquon/Proguanil oder Artemether/Lumefantrin (Riamet). Bei Kindern ist zu beachten, daß Riamet nur ab 12 Jahren und 35 kg Körpergewicht zugelassen ist. Mefloquin zur Therapie ist ab 5 kg Körpergewicht zugelassen, Malarone zur Therapie ab 11 kg Körpergewicht.

Im Übrigen sollte auch schwangeren Frauen dazu geraten werden, touristische Reisen in Malaria-Endemiegebiete auf die Zeit nach der Schwangerschaft zu verschieben. Eine Malaria in der Schwangerschaft stellt ein hohes Risiko für Mutter und Kind dar. Nach bisherigem Erkenntnisstand können in der Schwangerschaft nur Chloroquin und Proguanil prophylaktisch eingesetzt werden, Mefloquin sollte nach derzeitigem Kenntnisstand nicht im ersten Trimenon eingenommen werden. Während und bis zu drei Monaten nach der Einnahme von Mefloquin wird vom Hersteller eine Schwangerschaftsverhütung angeraten.