Hilfsmöglichkeiten im Ausland
Dr. von Laer
Auswärtiges Amt, Berlin
 
Fern der Heimat und dann akut krank werden: auch in leichten Fällen ist das in der Regel ein unvorhergesehener, unangenehmer, störender Zustand. Er geht mit besonderer Angst, mit Ärger und Zeitverlust und/oder dem Verzicht auf eine gewollte/beabsichtigte Leistung oder Erholung einher. Krank unterwegs: das verlangsamt den Gang, ändert die Richtung, ist zeit- und energieaufwendig und ein Kreuz für die Betroffenen und die Begleiter.

Oder eine chronische Krankheit wird schlimmer, ein eingefahrenes Gleichgewicht dekompensiert und der Reisende droht abzurutschen, wenn nicht sach- und fachkundig interveniert werden kann. Eine Fülle von Beispielen erkrankter Deutscher Reisender im Ausland jeden Tag zeugt von dem auch zahlenmäßig großen Problem: als medizinische Einzelfälle mit der Dimension des Leidens, der Funktionsstörung und der vitalen Bedrohung durch die Ferne und durch die Fremdheit der lokal möglichen Hilfe, durch Sprach- und Versorgungsprobleme wie durch praktische Einschränkungen: wie stelle ich die Kühlkette für Insulin unterwegs sicher, wer ersetzt defekte Teile des Hörgerätes oder wer kann mir in Tibet den Abtransport nach unten bieten - als rasche Therapie der Höhenkrankheit? Ein buntes Kaleidoskop von Problemen ergibt sich, bei deren Lösung sich vieles mischen muß, wie z.B.: Pragmatismus mit Ortskenntnis und einiger Intelligenz sowie Lebenserfahrung . Nur als orginelle Einzellösung sind diese leichteren und schwereren Fälle der krankheitsbedingten Reiseprobleme individuell zu beherrschen. Denn benötigt werden diese Eigenschaften in immer anderem Verhältnis zueinander, wenn man den Einzel"fall" wieder ins Gleichgewicht bzw. in den status quo ante bringen will.
Wer an dieser Stelle vor(!)sorgt im wahrsten Sinne des Wortes, der kommt in viele Nöte gar nicht: Das Gesundheitsmanagement einer Reise beginnt deutlich vor Abfahrt ( Ärztliche Beratung, Tauglichkeit für diese spezielle Tour, generelle und/oder individuelle Ausstattung, Vorinformation, Impfen, Blutgruppe und Diät, Kleidung und Wasserentkeimung, Sexualhygiene und zahnärztliche Kontrolle: die Liste der Dinge, die vorher zu bedenken sind, ist für den chronisch Kranken lang, für Gesunde aber auch nicht zu vernachlässigen, und für ganze Familien manchmal eine Herausforderung der besonderen Art.

Und wer hört unterwegs den Hilferuf? Im schlechtesten Fall niemand, bzw. es versteht ihn niemand, wenn man weit ab, allein und ohne Kommunikationsmöglichkeit erkrankt. Häufig glauben Reiseunternehmen wie Reisende, die Deutschen Botschaften seien so eine Art Notfallagentur für schlecht vorbereitete, reiseuntaugliche Reisende. Das ist nicht so: Natürlich wird in der Not geholfen, was das System hergibt. Aber Hindernisse wie das lokale Recht, die eigentlichen Aufgaben der Deutschen Botschaft mit reduziertem Personal und das Fehlen deutscher Ärzte oder einer belastbaren Kostenübernahme, das haben die Mitarbeiter der Botschaften weder zu verantworten noch können sie es ändern: Sie können als Verwaltungsbeamte in Bereitschaftsdiensten rund um die Uhr im Wesentlichen organisatorische Hilfe bieten. Besser ist es, sich über den Reiseveranstalter oder anderweitig die praktischen Fragen wie Kostenübernahme etc. per Versicherung vom Hals zu halten die Reiserisiken gesundheitlicher Art zu minimieren, etwa durch minutiöse Vorbereitung wie die kluge Wahl der Reiseroute, der Jahreszeit, der Ausrüstung, der Malariaprophylaxe und der Impfungen sowie der Beachtung anderer Aspekte. Wer unterwegs etwa mit fremden Partnern schläft und dann in eine AIDS-Angst verfällt, dem ist weder sachlich noch mit Zuspruch zu helfen in seiner Not, und der Urlaub ist gelaufen für ihn/sie: Viele wissen ja gar nicht, daß es männlicher und weiblicher Sextourismus ist, dem sie aufsitzen, wenn sie einen netten einheimischen Partner für die Dauer der Reise gewinnen, und ihn/sie unterwegs aushalten. Und Sexprofis sind nun mal unterwegs nicht am Handtäschchen erkennbar, aber gefährlich, weil häufig HIV-positiv. Und Hilfe kommt dann evtl. zu spät. Zusammengefaßt sind die zentralen Punkte die Vorsorge und die gute Ausrüstung, das Geld, das vernünftige Verhalten und die Reisetauglichkeit: gegen all diese erscheinen die Hilfsmöglichkeiten im Ausland sekundär.