Dialyse im Ausland - was ist zu beachten?
PD Dr.med. H.J. Deuber
KfH-Dialysezentrum, Erlangen
 
Infolge zunehmender Angebote nehmen immer mehr dialysepflichtige Patienten die Möglichkeit wahr, Urlaub zu machen und im oder in räumlicher Nähe zum Urlaubsort ein Dialysezentrum aufzusuchen. Häufig bestehen zwischen den Dialyseeinrichtungen und den Hotels Vereinbarungen, so daß der Transfer vom Hotel zum Dialysezentrum und zurück auch über größere Strecken gewährleistet ist. Ideal in räumlicher Hinsicht sind die in den letzten Jahren ebenfalls vermehrt angebotenen Schiffsdialysen. Bei diesen bucht der Patient eine Schiffs-/ Kreuzfahrt und kann an Bord die Dialysebehandlung erfahren. Diese wird dann so gelegt, daß er auch an sämtlichen Sehenswürdigkeiten und Landgängen teilhaben kann. Zumindest in den typischen Urlaubsländern des Mittelmeerraumes findet sich in fast jeder Dialyseeinrichtung ein Mitarbeiter, sei es Schwester oder Arzt, der des Deutschen ausreichend mächtig ist, so daß Verständigungsschwierigkeiten auf ein Minimum reduziert werden können. Im weiter entfernten Ausland ist dies zwar nicht immer gewährleistet, mit Englisch sollte man aber weltweit zurecht kommen. Evtl steht auch das Hotelpersonal für Dolmetscherdienste zur Verfügung.

Hilfreich ist es sicher, dem Dialyse-Patienten Adressen von Nephrologen im Urlaubsland an die Hand zu geben bzw. die Adresse der dortigen Botschaft, damit diese einen kompetenten Arzt vermitteln kann, falls erforderlich. Die Adresse, Telefon- und Fax-Nummer sowie ggf. die e-mail-/Internet-Adresse des Heimatzentrums sollte der Patient ebenfalls immer bei sich tragen, damit erforderlichenfalls eine Kontaktaufnahme erleichtert wird.

Damit das Dialysezentrum weitestgehend den Bedürfnissen des Urlaubs-Patienten entgegen kommen kann, ist es üblich, einige Wochen vor dem geplanten Urlaubstermin vom Heimatzentrum einen Dialysebericht an das Ferienzentrum zu senden, dem die Kennparameter der Dialysebehandlung zu entnehmen sind. Sofern keine außergewöhnlichen Erfordernisse an Dialysator oder sonstiges Material, wie bestimmte Unverträglichketen, allergische Reaktionen, gestellt werden, kann in jedem der Urlaubszentren im Ergebnis der im Heimatzentrum vergleichbare Dialyse-Qualität angeboten und gewährleistet werden. Natürlich müssen vom Patienten entsprechende Kostenübernahme-Erklärungen seiner Krankenkasse beschafft werden.

Bestehen für Hämodialyse-Patienten praktisch keine Probleme, eine passende Dialyse-Einrichtung zu finden, sieht die Verfügbarkeit von Zentren, die das Verfahren der Peritonealdialyse anbieten bzw. beherrschen deutlich schlechter aus und ist keinesfalls flächendeckend.

Anders sieht es großteils bereits in Deutschland mit Medikamenten aus, die an der Dialyse verabreicht werden bzw. als orale Dauermedikation einzunehmen sind. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, erhalten die Patienten im Urlaubsdialysezentrum kein Erythropoietin oder Eisen injiziert. Ebenso wird in der Regel anstelle von niedermolekularen Heparinen unfraktioniertes Heparin appliziert. Auch Verschreibung und Verfügbarkeit oraler Dauermedikation sind häufig nicht gewährleistet, so daß der Patient auf einen ausreichenden Urlaubsvorrat seiner Medikamente achten sollte.
Da im Urlaub verständlicherweise das Wohlbefinden des Patienten im Vordergrund steht, wird häufig das Trockengewicht etwas großzügiger interpretiert, so daß die Patienten nicht selten überwässert bzw. mit wieder schlecht eingestelltem Blutdruck nach hause zurückkehren. Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, daß im Urlaub auch ein realer Gewichtszuwachs aufgetreten sein kann. Auch andere Maßnahmen, wie Acidose-Ausgleich, Vitamin-D-Substitution etc. erfolgen nicht immer konsequent. Deshalb empfiehlt es sich, von dem Dialyse-Patienten einen "Labor-Status" nach Rückkehr zu erheben, um erforderliche korrigierende Maßnahmen rechtzeitig ergreifen zu können.

In vielen Ländern stellt sich für den Urlaubsdialyse-Patienten auch das Problem eines deutlich höheren Infektionsrisikos gegenüber Hepatitis B und HIV als zuhause. Zum einen, weil die Infektions-Prävalenz im Urlaubsland deutlich höher als hierzulande ist, zum anderen, weil man sich entsprechende serologische Untersuchungen und Impfungen nicht leisten kann, aber auch, weil teilweise die Hygiene weniger streng gesehen wird. Deshalb sollte bei Patienten, die einen Urlaub in gefährdeten Ländern planen, der Impfschutz nochmals besonders kritisch geprüft werden. Ca. 6 Monate nach Rückkehr sollten dann entsprechende serologische Kontrollen erfolgen. Umgekehrt sind Hepatitis C-, B- oder HIV-positive nur schwer an Urlaubs-Dialysezentren zu vermitteln, so daß deren Urlaubs-Möglichkeiten deutlich eingeschränkt sind.

Adressen von Dialyse-Zentren, bei denen eine Urlaubs-Dialyse möglich ist, sind in Eurodial, einem von der I.D.O. (International Dialysis Organisation) herausgegebenen Verzeichnis (www.Eurodial.org), oder in der Übersicht Dialyse International (www.Dialysepatienten-Deutschlands.de), das vom Verband der Dialysepatienten Deutschlands e.V. herausgegeben wird, zusammengestellt.

Im Urlaub steht der Patient auch vor dem Problem, seine phosphat- und kaliumarme Diät sowie seine stark eingeschränkte Trinkmenge einhalten zu können. Eine diesbezügliche nochmalige Beratung des Patienten ist vor Urlaubsantritt anzuraten.

Empfehlenswerte Reise-Impfungen stellen infolge der urämiebedingten Immunsuppression ein weiteres Problem dar. Auch auf eine Malaria-Prophylaxe muß meist verzichtet werden, da die Niereninsuffizienz eine Kontraindikation dafür darstellt. Der Expositionsprophylaxe kommt damit bei Dialyse-Patienten eine besondere Bedeutung zu.