Auslandsreisen mit chronischer Krankheit
Prof. Dr. Robert Steffen
Zürich
 
Wie bedeutend der Anteil der Reisenden mit chronischen Krankheiten wirklich ist, hängt davon ab, wie man chronische Leiden definiert. Gemäss frühen Studien geben rund 5% aller Reisenden solche an. Verbessert wird der Gesundheitszustand bei 1.6% derjenigen, welche die Tropen oder Subtropen bereisen, aber nur bei 0.5% der Nordamerikatouristen (p=0.002). Eine Verschlechterung vermelden rund 0.8% beider Gruppen. Eine Linderung wurde im warmen, zumeist stressärmeren Klima verzeichnet vor allem bei Patienten mit chronischen Infekten des oberen Respirationstraktes, Kopfschmerzen, Gelenk- und Rückenbeschwerden, gewissen Hautkrankheiten, währenddessen sich vor allem Verdauungsbeschwerden eher verschlimmerten.

In der reisemedizinischen Beratung sind folgende Gruppen von Patienten eine ganz besondere Herausforderung - hierzu nur einige Beispiele:
Immunkompromittierte: Sowohl Asplenie, als auch Transplantierte, Patienten unter Chemotherapie oder wesentlichen Dosen von Kortikosteroiden, und wohl am häufisten Personen mit HIV-Infektion sollten Infektionsrisiken meiden, dies vor allem durch Expositionsprophylaxe, da Impfungen hier oftmals nicht den gewünschten Schutz werden erbringen können. Eine medikamentöse Prophylaxe ist je nach Erkrankung und Destination zu erwägen.
Herzkreislaufpatienten: Prioritär sind hier zu grosse Anstrengungen zu vermeiden, z.B. beim Trekking, und gerade in den letzten Monaten ist uns allen bewusst geworden, dass wir bezüglich Thromboseprophylaxe bei langem Sitzen sehr viel systematischer und aktiver vorgehen sollten.
Diabetiker: Hier gilt es primär wiederum, Infektionen zu vermeiden, zudem können Zeitverschiebungen den behandelnden Arzt zwingen, die Insulindosierung anzupassen.
Seltener wird man Patienten mit anderen Stoffwechselkrankheiten beraten müssen, bei denen unter anderem sich Fragen bezüglich Dosierung der Malariamedikation stellen können.
Für Dialysepatienten muss die Infrastruktur vor der Reise organisiert werden.