Impfungen, die bei uns nicht zugleassen sind, und ihre Indikation
Prof. Dr. Tino F. Schwarz
Würzburg
 
Unter arbeits- und reisemedizinischen Aspekten ist die Anwendung von Impfstoffen, die in Deutschland nicht zugelassen sind, von zunehmender Bedeutung. Das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelrechts § 73, Absatz 4, erlaubt die Verabreichung von Impfstoffen, die in anderen Ländern zugelassen sind bei entsprechender Indikationsstellung.
Am häufigsten wird die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis durchgeführt. Vakzinen sind in vielen Ländern Asiens sowie den USA zugelassen. Impfstoffe mehrerer Hersteller sind in Deutschland über Apotheken heute verfügbar. Die Dauer des Impfschutzes beträgt 2-3 Jahre. Die Verträglichkeit dieser Impfstoffe ist heute sehr gut. Die früher berichteten allergischen Reaktionen sind heute durch eine verbesserte Reinigung der Antigene von untergeordneter Bedeutung.
Für die Impfung gegen Cholera werden zunehmend die beiden oralen Impfstoffe wegen ihrer guten Wirksamkeit sowie hervorragenden Verträglichkeit verwendet.
Für Q-Fieber steht in Australien eine zugelassene Vakzine, die unter arbeitsmedizinischen Aspekten von Relevanz sein kann. Die Impfung vermittelt eine hohe Protektion, auch die Verträglichkeit ist gut. Die Dauer des Impfschutzes beträgt etwa 5 Jahre. Als Indikation für die Impfung gelten insbesondere Personen, die in Schlachthöfen und in der Schafzucht tätig sind.
Milzbrand hat durch die bioterroristischen Anschläge in den USA seit kurzem an Bedeutung zugenommen. Dabei wird übersehen, dass die Impfung gegen Milzbrand bereits seit dem Golfkrieg zu den Routineimpfungen der amerikanischen und kanadischen Streitkräften gehört. Für die Grundimmunisierung bedarf es mehrerer Injektionen. Es werden in der Folge jährliche Wiederimpfungen empfohlen. Die Dauer des Impfschutzes ist unklar.
Für die Impfung gegen Yersinia pestis, den Erreger der Pest, stehen zwei verschiedene Formalin-inaktivierte Totimpfstoffe (USA, Australien) zur Verfügung. Bei beiden Vakzinen ist der Grad der Protektion nicht sicher bekannt. Unklar ist zudem, ob diese Vakzinen insbesondere vor Lungenpest schützen. Nach der ACIP (American Committee on Immunization Practices)-Empfehlung von 1996 ist diese Impfung für Personen, die beruflich mit Yersinia pestis arbeiten (z. B. Laborpersonal) angeraten. Zudem ist die Impfung für Personen, die beruflich mit Nagern oder deren Flöhen in Pestendemiegebieten Kontakt haben, empfohlen.
Gegen Rift-Valley-Fieber steht seit mehreren Jahren eine Formalin-inaktivierte Vakzine (TSI-GSD-200) zur Verfügung. Die Impfung wäre ggf. für exponierte Personen, z. B. Laborpersonal, Veterinäre, Entwicklungshelfer, Militärpersonal (Einsatz in Somalia!), empfohlen. In den USA hat die RVF-Impfung den Status einer "investigational vaccine".
Auch zur Vorbeugung gegen das Argentinische hämorrhagische Fieber steht seit 1991 ein lebendattenuierter Impfstoff zur Verfügung. Dieser Impfstoff induziert eine sehr gute Protektion und ist zugleich gut verträglich.
Bedingt durch die jüngsten bioterroristischen Anschläge wird nun auch die Wiedereinführung der Impfung gegen Pocken diskutiert. Die Vaccinia-Impfung wurde in den meisten Ländern Mitte der 1970er Jahre eingestellt. Die Verträglichkeit dieser Impfung muss im Vergleich zu den heutigen Vakzinen als schlecht beurteilt werden. Da das Verfallsdatum dieser Impfstoffe jedoch großteils abgelaufen ist, ist unklar, ob sie überhaupt noch wirksam wären.