Reisen mit Lungenerkrankungen
Dr. Martin Grobusch
Tropeninstitut Tübingen, Tübingen
 
Lungenerkrankungen per se stellen kein grundsätzliches Hindernis für Reisen dar. Bei gründlicher Untersuchung vor Reiseantritt und ausreichender Lungenfunktion, stabil eingestelltem Gasaustausch, Mitnahme von Notfallmedikamenten und eventuell tragbaren Sauerstoffgeräten ist auch bei fortgeschritten lungenkranken Patienten Reisen durchaus möglich.

Bei längeren Reisen sollten Asthma- und Steroidmedikationen in ausreichender Menge mitgenommen, mögliche Notfälle mit Extrabedarf bedacht werden. Soweit möglich sollten potentielle kompetente ärztliche Kollegen am Reisezielort identifiziert werden, die bei Problemen in Anspruch genommen werden könnten. Ein in der Landessprache verfasstes Begleitschreiben vom behandelnden Arzt kann Kommunikationsprobleme und etwaige Probleme beim Zoll wegen mitgeführter Medikamente vermeiden helfen. Reiseziele sollten nach klimatischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Kontraindikationen müssen insbesondere bei geplanten Aktivurlauben (Bergwandern, Tauchsport) beachtet werden, in Zweifelsfällen sind gründliche sportmedizinische und tauchärztliche Voruntersuchungen erforderlich.

Schon bei mäßiger chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung ist von einem Bergurlaub und Anstrengung in größerer Höhe (Trekkking) abzuraten, besonders bei bereits vorliegender pulmonaler arterieller Hypertonie. Asthma bronchiale stellt keine generelle Kontraindikation zum Aufenthalt in größerer Höhe dar, wobei jedoch jede ungewohnte Anstrengung zu einer Exazerbation führen kann.

Kontraindikationen zum Gerätetauchen stellen Lungenveränderungen und -Erkrankungen dar, bei denen es zum ‚Air Trapping' kommen kann (z. B. Emphysemblasen, Kavernen, Pneumothorax). Asthmaanfälle können durch die Anstrengung und geringe Atemluftfeuchte getriggert werden. Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und restriktive Ventilationsstörungen sind in Abhängigkeit von der Lungenfunktionsprüfung relativ oder absolut kontraindiziert.

Flugreisetauglichkeit ist bei Patienten mit chronischer Bronchitis und Emphysematikern gegeben, wenn keine Ruhedyspnoe und keine Hypoxämie unter Ruhebedingungen bestehen. Bei einer frischen Pneumonie oder einem Pneumothorax sollten Flugreisen vermieden werden. Bei Asthmatikern bestehen keine Bedenken gegen Flugreisen, wenn sie medikamentös gut eingestellt sind und ein Asthmaanfall aller Voraussicht nach mit den mitgeführten Medikamenten kontrollierbar ist. Besteht Abhängigkeit von Sauerstoffgeräten, so sind längere Flugreisen nicht grundsätzlich unmöglich. Einige Fluggesellschaften ermöglichen die Applikation von Sauerstoff während des Fluges. Hier, wie überhaupt bei chronischen Lungenerkrankungen, empfiehlt sich eine gründliche Vorausplanung in Zusammenarbeit zwischen Patient, Arzt, Fluggesellschaft und Reiseveranstalter. Bei Patienten mit tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien in der Vorgeschichte, die nicht kontinuierlich mit Antikoagulantien behandelt werden, sollte eine medikamentöse Prophylaxe durch Injektion von fraktioniertem Heparin vor Reiseantritt erwogen werden. Bewegung an Bord im Rahmen des Möglichen und reichliche Flüssigkeitsaufnahme unter Vermeidung von Alkohol sollten selbstverständlich sein.

Bei Reisen in Endemiegebiete für bestimmte aerogen übertragene Erreger, insbesondere die sogenannten endemischen Mykosen wie Histoplasmose, Blastomykose und Coccidioidomykose, muß ein erhöhtes Risiko bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie bedacht werden.