Beratung Reisender mit chronischen Magen-Darmerkrankungen
Prof. Dr. G. Burchard, ,
Tropeninstitut Berlin
 
Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa) und Steroid- oder Azathioprin-Behandlung können Lebendimpfungen kontraindiziert sein. Von Reisen in Gelbfieber-Gebiete ist dann abzuraten. Totimpfungen sind möglich, zu beachten ist allerdings, dass Impfungen bei Personen mit Immundefekt zu einer verzögerten Immunantwort und zu niedrigeren Spitzen-Antikörpertitern führen. Bei der Beurteilung der Flugreisetauglichkeit ist zu bedenken, dass es aufgrund des Boyle-Mariotteschen Gesetzes zur Ausdehnung der Gase im Gastroinestinaltrakt kommt. Die Flugreisetauglichkeit nach operativen Eingriffen im Bauchraum, auch z.B. nach Polypektomien, kann daher vorübergehend eingeschränkt sein. Am wichtigsten ist die Beratung hinsichtlich der Prophylaxe der Reisediarrhoe. Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten kann in Einzelfällen eine regelmäßige prophylaktische Antibiotika-Einnahme indiziert sein. Ansonsten sollten die Reisenden über die Selbsttherapie des Reisedurchfalls mit Loperamid und eventuell auch Antibiotika informiert sein.