Medizinische Probleme unterwegs:
Mögliche Hilfestellung im Ausland
Dr. med Gunther von Laer
 
"Bleibe zu Hause und nähre Dich redlich" (??)

Früher - in "vortouristischer Zeit" - war das Reisen eine schwere und gefährliche Arbeit: Handlungsreisende, Gesandte, Missionare, Militärs oder Auswanderer, alle waren in einem Auftrag oder mit einem persönlichen Interesse und Ziel unterwegs, jedenfalls nicht zur eigenen Unterhaltung oder etwa zur Erholung. Und viele kamen nie an bzw. nie zurück, weil Krankheiten und Unfälle, Seuchen und Überfälle den Reisenden zusetzten. Heute findet die große Mehrheit der Reisen statt als touristische Tour, als Befriedigung von Neugier, Verwirklichung des eigenen Freiheitsdrangs, als Statussymbol und auf der Suche nach der Erholung vom Alltag durch die Distanz: Die "Seele baumeln" zu lassen scheint vielen Menschen heute nur möglich weitab der eigenen vier Wände, der eigenen Kultur, der eigenen Verwandten und Freunde. Erholung ist die Voraussetzung späterer Leistungsfähigkeit. Sie wird auch als Fernreise letztlich mitbezahlt vom Arbeitgeber, der mit seiner Lohnfortzahlung im Urlaub zur Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter beiträgt. Viele fahren aber im Urlaub dahin, wo sie eigentlich nicht hingehören. Sie nehmen Gefahren auf sich, die nichts mit Erholung zu tun haben. Und sie erleiden häufig leichtere Blessuren, manchmal aber auch schwere Erkrankungen, und manche überleben den Urlaub nicht. So ist das Reisen auch heute noch riskanter, als zu Hause zu bleiben.

Wer fern der Heimat in Not gerät, hat -egal warum - Anspruch auf Hilfe. Die Hilfe für Deutsche im Ausland ist rechtlich geregelt über den § 5 und § 6 des Konsulargesetzes: Wer im Ausland einem Landsmann in Not begegnet, ist ihm gegenüber in jedem Fall zur Hilfe verpflichtet. Das gilt natürlich auch bei medizinischen Notfällen, und ganz besonders dann, wenn der Mensch in Lebensgefahr schwebt. Das ereignet sich schneller, als Laien sich das vor einer Reise vorstellen können und wollen. Beispiele sind vielfältig, die Not kann unmittelbar oder nur mittelbar medizinisch sein: die schwere Verletzung nach einem Verkehrsunfall, die in einem peripheren Krankenhaus in den Tropen notdürftig nach den örtlichen Möglichkeiten versorgt wird, gehört genauso dazu wie der Hilferuf eines Diabetikers, dem seine Insulinspritzen an der Grenze abgenommen wurden. Abgesehen von Erster Hilfe sind in allen Ländern der Welt nur die Institutionen des Gastlandes und die dort zugelassenen Ärzte zu medizinischer Hilfe berechtigt.

Die Hilfsmöglichkeiten im Ausland sind unterschiedlich, aber wohl fast überall geringer als in Deutschland: Schon so mancher Tourist ist zu Schaden gekommen, weil man ihn nicht verstanden hat (Sprachbarriere), weil der Rettungsflug zu spät startete (fehlende Kostenübernahme), durch grundsätzlich andere medizinische Vorgehensweisen (Quaksalber), oder auch wegen Materialmangel in einem armen Land (z.B. Röntgenbilder oder HIV-freie Blutkonserven). Dazu muß den Betroffenen und ihren Begleitern immer klar sein, daß man auch als kranker Reisender ein Gast in einem fremden Land bleibt und dort an die örtlichen Gesetze und Regelungen gebunden ist.

Im Folgenden werden beispielhaft die Hindernisse für medizinische Hilfe im Ausland (I), die positiven Hilfsmöglichkeiten vor Ort (II) und die mögliche Vorsorge (III) in jeweils einigen Punkten angesprochen. Dabei liegt der Schwerpunkt bei den armen Zielländern in den Tropen mit schlechterer medizinischer Infrastruktur. Denn hier hat der Reisende absehbar medizinische Versorgungsprobleme. Aber auch reiche Zielländer können erhebliche Defizite bei der Betreuung von kranken Reisenden haben, und das sollte man vorher wissen bzw. erfragen. Eine individuelle Reiseberatung geht sicher über die unten angesprochenen Punkte hinaus! Sie kann individuelle Faktoren von Seiten des Reisenden, der Art der Reise und der Reiseroute mit einbeziehen, die im Einzelnen dann besonderes Gewicht haben.

I. Hindernisse für medizinische Hilfe im Ausland:
(Beispiele)

Das eigene Verhalten:
Ein offensives bzw. aggressives Verhalten des Patienten und seiner Begleiter in der Not und in der Angst im fremden Land ist nicht selten: es ist zwar menschlich verständlich, behindert aber häufig die Rettung bzw. die Hilfe, indem der Stolz der Gastgeber oder die Landessitten verletzt werden. Wer sich z.B. in einer Notaufnahme eines Krankenhauses an der Reihe der anderen akut Kranken vorbei nach vorne drängelt, macht seine Lage dadurch nicht gerade besser, denn weder die anderen Patienten, noch das Personal des Krankenhauses verstehen auf den ersten Blick die besondere Situation als Ausländer. Und so wird gerade das Auftrumpfen im Ausland häufig der Beginn einer Schieflage bei der medizinischen Versorgung, die anders besser abgelaufen wäre. Zur Enttäuschung vieler Reisender trägt auch der Umstand bei, daß man ja nicht einfach in die Deutsche Botschaft gehen kann, und damit sind alle Probleme gelöst. Vielmehr sind auch die Mitarbeiter dort gebunden an die örtlichen Gesetze. Sie sind mit dem Patienten abhängig von örtlich geltenden Richtlinien und den erreichbaren Versorgungsmöglichkeiten. Die Touristen sind oft schlecht vorbereitet, kaum ausgerüstet, sie sind häufig chronisch krank oder gar nicht reisetauglich. Trotzdem waren schon viele kranke Reisende schließlich zutiefst dankbar dafür, daß ihnen Angehörige der jeweiligen Botschaft entscheidend und selbstlos geholfen haben.

Die Sprachbarriere:
Im Notfall gebraucht man am besten seine Muttersprache. Geht es doch häufig um seelisch sehr belastete Situationen oder das Erklären von auch intimen seelischen oder körperlichen Problemen. Auch sprachversierte Reisende versagen in eigenen Notlagen gelegentlich: Wer keine der großen Sprachen oder die Landessprache aktiv und passiv beherrscht, der hat ein zusätzliches gesundheitliches Risiko. Wenigstens einige Zusammenhänge sollte man in der lokalen Sprache oder doch wenigstens in Englisch oder Französisch ausformulieren können, das könnte ein Teil einer guten medizinischen Reisevorbereitung sein.

Die Kostenübernahme:
Ein Rettungsflug startet erst gar nicht ohne vorherige Kostenübernahme, und entsprechend verhalten sich auch die Krankenhäuser bei der Aufnahme oder die lokalen Ärzte bei der Versorgung. In vielen Ländern ist "Vorkasse" durch den Patienten selbstverständlich. Jeder Tourist tut gut daran, sich noch zu Hause vor der Abreise die weltweite Gültigkeit von der eigenen Krankenkasse bestätigen zu lassen. Diese Bestätigung gehört in Englisch und Französisch, möglichst auch in der Landessprache ins Gepäck: so sind dann in der Regel wenigsten keine finanziellen Hürden wirksam. Für die Heimschaffung im Krankheitsfall eine Zusatzversicherung für die ganze Reisedauer abzuschließen ist evtl. notwendig. Unterwegs muß dann im Notfall trotzdem ausreichend Bargeld zur Hand sein. Und eines ist auch wichtig: Ohne entsprechende korrekte Rechnung bekommt man auch später in Deutschland sein Geld kaum wieder.

Die medizinischen Möglichkeiten am Ort:
Viele Länder, auch touristisch interessante Länder, sind kaum in der Lage, auch nur die medizinische Basisversorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern. Eine Versorgung nach europäischen Maßstäben und Ansprüchen ist oft schon allein wegen Materialknappheit, wegen Personalproblemen und der Hygiene nicht möglich. Auch Rettungsdienste bzw. Rettungsketten fehlen oder arbeiten auf dem örtlich gegebenen Niveau. Und das kann wegen der fehlenden oder unzulänglichen medizinischen Infrastruktur mangelhaft oder gefährlich sein kann. Zum Beispiel kann eine schwere Verletzung in einem Land, in dem das Blutspendesystem nicht sicher HIV-frei arbeitet, allein über die Blutkonserve zu einer tödlichen Gefahr für den Reisenden werden. Dabei kommen auch sogenannte reiche Länder gelegentlich schlecht weg, da in manchen dieser Länder drastisch am Medizinsystem gespart wird. Damit wächst das Risiko.

II. Positive Hilfsmöglichkeiten vor Ort im Ausland:

Der Heimflug bzw. die Heimschaffung:
Dies ist nur auf den ersten Blick die einfachste und immer richtige Methode. Nur leider stimmt das nicht: Viele Kranke sind im Notfall nicht flugtauglich, ein Heimflug würde sie evtl. stark gefährden und sie bleiben daher besser, wo sie sind und werden dort behandelt, bis ihnen eine Flugreise zugemutet werden kann. Oder ein extrem teurer Rettungsflug, der technisch und personell entsprechend ausgerüstet ist, fliegt als kleine Intensivstation ein: Das kostet nicht nur hohe, fünf- bis sechsstellige Geldbeträge, sondern vor allem auch wertvolle Zeit, die Notfallpatienten vielfach nicht haben. Entscheiden muß also letztlich der behandelnde Arzt am Ort, der die Flugtauglichkeit und die Dringlichkeit bestätigt oder die Therapie am Ort einleitet (oder beides kombiniert). Wenn Reisende, die nicht flugtauglich sind, einen Linien- oder Charterflug nehmen, so kann es zu schweren Zwischenfällen mit zusätzlicher Zwischenlandung kommen, die der Patient inclusive der Landegebühren selber zahlen muß, weil dafür wohl keine Versicherung aufkommt. Auch nicht beherrschbare medizinische Zwischenfälle an Bord kommen gelegentlich vor, auch Todesfälle.

Ärztlicher 24-Stundenservice unterwegs
per Telefon bzw. online:

für Touristen:
Mehrere Gruppen deutschsprachiger Ärzte arbeiten neuerdings als Beratungsfirmen, die ihren Service "on line" rund um die Welt und natürlich rund um die Uhr dem reisenden Kunden öffnen.
Derartige Verträge beinhalten meist
- die freie Erreichbarkeit von ärztlichem, evtl. auch fachärztlichem Rat unterwegs,
- das Management und die Durchführung von notwendigen Heimschaffungen;
- Vermittlung von örtlicher medizinischer Versorgung;
und natürlich auf Wunsch - oder arbeitsmedizinisch geboten -
- entsprechende Vor- und Nachuntersuchungen im Zusammenhang mit einem Arbeitsaufenthalt in Übersee (s.u.).

Weitere Aspekte werden von diesen Firmen in unterschiedlicher Form, gel. auch gegen Aufpreis in das sogenannte "Service-Paket" mit aufgenommen. Beispiele sind die Zusammenstellung einer Reiseapotheke, das Vorhalten einer Kurzfassung der eigenen Krankengeschichte on line für den Fall des Falles oder die Ausgabe von Ärzteadressen für den Dienstort bzw. die Route. Generell sind viele deutsche Ärzte über diese Art ärztlicher Beratungstätigkeit irritiert. Ich selber kann aber darin nur Gutes sehen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- wenn die Qualität stimmt (wirklich erfahrene Reisemediziner?? Wir haben in Deutschland sicher nicht mehr als eine Handvoll von diesen Spezialisten!), und
- wenn der Preis stimmt. In vielen tropischen oder abgelegenen Ländern agieren vor Ort einzelne, erfahrene, aber leider als Monopolisten auftretende "Reisemedizinfirmen", die sich die exklusive Unterstützung durch die jeweilige Regierung gesichert haben: In solchen Ländern gelingt keine Luftrettung ohne diese wertvollen "Partner", die durch ihre Beziehungen ganz konkret z.B. die Landeerlaubnis für das Rettungsflugzeug erwirken, den Krankentransport auf das Flugfeld an die Maschine möglich machen und auch sicherstellen, daß die Grenzformalitäten gemeistert werden können. Diese Partner können vielfach aber den Preis allein bestimmen, der dann evtl. vom Patienten später eingezogen wird. Und sie können die Qualität ihrer Leistung als jeweils optimal ausgeben, weil ortskundige Fachleute und eine Kontrolle fehlen. Reisende sollten deshalb vor der Abfahrt nur glasklaren und eindeutigen Regelungen vertraglich zustimmen und Ermessensspielräume der Vertragspartner sowenig wie möglich zulassen. Gelegentlich helfen hier dem Reisenden auch gute Reisebüros oder erfahrene Reise- bzw. Tropenärzte.

für Arbeitnehmer:
Wer in den Tropen oder in armen Ländern einen Arbeitsvertrag nach deutschem Recht, evtl. sogar mit einem deutschen Arbeitgeber eingeht, sollte nach Möglichkeit die deutschen Arbeitsschutzregeln vertraglich mit einbeziehen, von denen sich eine ordentliche Firma ihrem Arbeitnehmer gegenüber nicht einfach verabschieden sollte, nur weil der Arbeitseinsatz weitab im Ausland erfolgt. Dann gilt auch die Pflicht des Arbeitgebers zur Untersuchung auf "Tropentauglichkeit", damit Fehlbesetzungen von Arbeitsplätzen im Ausland und viel menschliches Leid durch die absehbaren medizinischen Probleme vermieden werden. Vielfach verfügen große Firmen ja über einen eigenen betriebsärztlichen Dienst, der sich - so gut es geht - auch um die Auslandsmitarbeiter kümmert. Große Firmen halten einen ihrer Ärzte rund um die Uhr erreichbar und dieser kann dann evtl. der Ansprechpartner in der Not sein. Die Berufsgenossenschaft der Branche ist grundsätzlich zuständig. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften in St. Augustin ist ein guter und kompetenter Ansprechpartner, am besten noch vor Vertragsabschluß. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) verfügt über eine Liste der Ärzte in Deutschland, die zur Durchführung dieser Vorsorgeuntersuchung ermächtigt sind.

Ärzte am Ort:
In den meisten Ländern der Welt gibt es recht gute Ärzte in der Hauptstadt, die zumeist Englisch sprechen, eine wissenschaftlich begründete Medizin gelernt haben und zuverlässig helfen können. Quacksalber kann man also vermeiden! Diesen Ärzten sind im Alltag allerdings wegen der vielfach reduzierten Infrastruktur, fehlender Hygiene oder wegen Materialmangels die Hände gebunden: Ohne Röntgenbildmaterial kann man keine Röntgenbilder machen; wenn Gips fehlt, wird die Versorgung von Knochenbrüchen schwierig; und was tun, wenn eine Blutbank aus Kostengründen ohne HIV-Testung der Blutkonserven auskommen muß? Diese Bedenken gelten in erster Linie für die ärmsten Länder, können aber gel. auch in touristischen Hochburgen eine Rolle spielen. Ärzte sind über das eigene Hotel, das jeweilige Touristeninformationszentrum, im Einzelfall auch evtl. bei der deutschen bzw. einer europäischen Botschaft am Ort zu erfragen.

III. Was kann man prophylaktisch tun?
(Beispiele)

"walking blood bank"
Blutkonserven, die für Schwerverletzte benötigt werden, können wegen der Infektionsgefahren in manchen Ländern ein erhebliches Risiko darstellen. Da macht es evtl. Sinn, wenn größere Reisegruppen oder Gruppen von z..B. Europäern am Ort eine Liste der Blutgruppen bei einem immer erreichbaren Arzt führen lassen und im Notfall gegenseitig Frischblut spenden können. Voraussetzung ist natürlich, daß diese Personen selber spenden dürfen (getestet sind) und kein Infektionsrisiko hinsichtlich AIDS oder Hepatitis B eingegangen sind ( beides sind Geschlechtskrankheiten). Auch dies kann Teil einer guten Reisevorbereitung sein.

Verhalten des Patienten:
Sich angepaßt zu verhalten, ist gesund und klug im fremden Land, besonders in der Not. Denn die Hilfe wird in anderen Kulturen nicht unbedingt so, wie in einer christlich geprägten Umgebung gewährt: Oft spielt auch der eigene Vorteil des Helfers (Bezahlung?) eine große Rolle. Daß das eigene Verhalten eine entscheidenden Rolle dabei spielt, Notlagen erst gar nicht aufkommen zu lassen, ist für die meisten tropischen Infektionskrankheiten mit ihren einfachen Infektionswegen auch für medizinische Laien leicht zu verstehen und zu vermeiden (z.B.: HIV -Geschlechtsverkehr mit Fremden; Malaria - Mücken vermeiden). Die Vorinformationen vor der Reise sollten ebenfalls in diese Richtung wirken: das so wichtige , unabdingbare Beratungsgespräch vor der Reise mit einem erfahrenen Tropenarzt über Impfungen und persönliche Hygiene (auch: wohlverstandene Sexualhygiene!), aber auch über Verhalten und Anpassung unterwegs kann man nicht durch einen Blick ins Internet ersetzen. Dateien sind oft hilfreich, aber nicht entscheident bei persönlichen Problemen, die man auf die Reise mitnehmen muß, von Angst und Heimweh bis hin zur Vereinbarkeit der Vorerkrankungen mit der Höhenlage und dem Klima.

Persönliches medizinisches "Datenblatt":
Alle Reisenden sollten ihre Blutgruppe und evtl. weitere, für eine Notversorgung entscheidende Informationen immer bei sich und in Kopie im Koffer haben. Dazu zählen u.a. die Blutgruppe, die Medikamente mit der Dosis und der internationalen Kurzbezeichnung ("Generic"), die eigenen chronischen Erkrankungen (z.B Hypertonus / Bluthochdruck), aber auch die Tel.Nr / Fax-Nr. des betreuenden Arztes zu Hause, der Name der Versicherungen und die eigene Versicherungsnummer zu Heimschaffung und auch zu allgemeiner Krankenversicherung, auch die Adresse, Tel.-und Fax-Nr. von Verwandten oder Freunden und dem Hausarzt daheim und was einem sonst aus der eigenen Anschauung noch vernünftig vorkommt. Diese Informationen passen auf einen kleinen Zettel oder eine dazu von der Versicherung evtl. ausgegebene Karte, die ins Portemonnaie gehört und dann im Notfall auch wirklich zur Hand ist. Ist man schon vor Abreise mit einer gehaltvollen Krankengeschichte belastet, so kann der behandelnde Arzt auf Wunsch evtl. eine "Karteikarte" erstellen, die man mitnimmt oder sich im Notfall "on line" abruft. Derartige kleine Dateien verwalten auf Wunsch auch manche Reiseveranstalter unterwegs oder von Deutschland aus. Viele Leser werden dies für übertrieben halten. Viele Reisende sind aber auch schon schwerer erkrankt, nur weil zentral wichtige Daten im Ausland erst zu spät oder gar nicht zur Hand waren.

Reiseveranstalter in der Pflicht:
Seit 1999 sind auch die Reiseveranstalter in der Pflicht, den Reisenden auf Risiken der Reise generell und auf eine entsprechende Vorbereitung hinzuweisen. Seriöse Reiseunternehmen tun das gern und auf reisemedizinisch hohem Niveau, indem sie sich die Hilfe entsprechender Reisemediziner sichern. Allerdings hat sich dies noch nicht vollständig durchgesetzt, so daß es immer noch auch organisierte Reisen gibt, für die die entsprechende Vorbereitung oder Einbindung eines Tropen- und Reisemediziners fehlt. Die Entwicklung ist hier aber ermutigend.

Sechs Gebote für die Reise:
Du sollst nicht gegen ärztlichen Rat reisen
Du sollst tropenmedizinische Beratung und die Impfungen vorher erledigen
Du sollst Dich für die Reise versichern (Erkrankung und Rettung)
Du sollst unterwegs gesund (sauber) essen und trinken
Du sollst die Landessitten beachten
Du sollst nicht mit fremden Menschen schlafen.

Zusammenfassung:
Das Risiko medizinischer Notfälle gibt es auf allen Reisen. Es ist abhängig von Reisestil, Reiseziel, Reiseroute, aber auch vom Reisenden (Prophylaxe? Verhalten? Vorbereitung? Vorerkrankungen? Tauglichkeit?) Jeder kann selber dazu beitragen, diese Risiken zu minimieren. Hilfe im Ausland im Notfall ist immer schwierig: kommt naturgemäß oft spät, es werden Fehler gemacht, die Rettung ist riskant oder die Möglichkeiten sind begrenzt. Trotzdem können an diesem Problem insbesondere die Reiseveranstalter und die Reisenden selber viel verbessern. Mit dem Risiko praktisch fertig zu werden sollte dem gut vorbereiteten und gut beratenen Patienten gelingen. Das bedeutet allerdings auch in letzter Konsequenz, daß die eine oder andere Reise einmal aus individuellem medizinischem Grund gar nicht stattfindet. Der größte Fehler ist es in diesem Zusammenhang, sich selbst zu überschätzen. Denn reisetauglich ist nicht jeder.