Lebenswichtig
Thomas Grether Chefredakteur tm - Das Tourismus-Magazin
 
Service im Reisebüro ist überlebenswichtig, für die Agentur, aber auch in gewisser Hinsicht für den Kunden: Der muss sich nämlich vor, während und nach einer Reise darum kümmern, dass er gesund bleibt. Damit er sich kümmert, werden die Veranstalter ihn darauf hinweisen. Denn der DRV hat gegenüber dem Bundesjustizministerium im Namen seiner Mitglieder eine schriftliche Selbstverpflichtungserklärung abgegeben. Reiseveranstalter haben versprochen, künftig in Reisekatalogen, Prospekten und auch auf den Internet-Seiten folgenden Hinweis zu publizieren: "Der Reisende sollte sich über Infektions- und Impfschutz sowie andere Prophylaxemaßnahmen rechtzeitig informieren, gegebenenfalls sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Auf allgemeine Informationen, insbesondere bei den Gesundheitsämtern, reisemedizinisch erfahrenen Ärzten, Tropenmedizinern, reisemedizinischen Informationsdiensten oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wird verwiesen." Im Klartext: Reisebüros können ihren Kunden Ärzte nennen, die weiterhelfen - ein wichtiger Service. Die Adresse solcher Mediziner erfahren Expedienten beispielsweise vom Centrum für Reisemedizin (CRM; im Internet unter www.crm.de), dem nach eigenen Angaben größten Anbieter ärztlicher Weiterbildung auf dem Sektor der Reisemedizin. Damit können Reisebüros ihren Kunden einen guten Dienst erweisen, denn auch unter den Weißkitteln tummelt sich der eine oder andere, der gerne mit Leistungen Geld verdient, die vollkommen unnötig sind. Beispielsweise soll es Ärzte geben, die Besucher eines Kongresses in Bangkok Impfungen für 1500 Mark unter die Haut gejagt haben, die eigentlich nur bei einem langen Dschungel-Aufenthalt nötig wären.

Da also können die Reisebüros helfen, indem sie Adressen geeigneter Ärzte an ihre Kunden weitergeben. Gesundheit auf Reisen schafft für die Agenturen auch eine Möglichkeit für ehrliches Cross Selling: Mehrumsatz und zufriedene Kunden bekommen Agenturen, wenn sie an gesetzlich Versicherte eine gute Auslandskrankenversicherung vermitteln - grundsätzlich bei jeder Reise, und auch in solche Länder mit denen Sozialversicherungsabkommen bestehen. Denn das Sozialgesetzbuch verbietet es den Gesetzlichen Krankenversicherungen, ärztliche Leistungen im Ausland zu bezahlen, die über den Sätzen der deutschen Pflichtversicherer liegen. Wer im Ausland zum niedergelassenen Arzt geht und die Rechnung vorstreckt, bekommt zumeist Summen bis 1000 Mark anstandslos zurück erstattet. Alles was darüber hinaus geht, ist für den gesetzlich Versicherten Glücksache; es sei denn, er hat die Police aus dem Reisebüro. Die sollte natürlich auch die Kosten für den Rücktransport im Ambulanz-Jet einschließen.

Ein anderes, neues Beratungsfeld für Reisebüros sind Dienstreisen. Schickt ein Unternehmen einen Mitarbeiter für längere Zeit in den Tropengürtel, so muss die Firma den Angestellten vor während und nach der Reise arbeitsmedizinisch betreuen lassen. Vergisst das die Firma, zahlt die Berufsgenossenschaft nicht, wenn der Mitarbeiter durch Krankheit beispielsweise berufsunfähig wird. Reisebüros sollten Angestellten von Unternehmen auf diese sogenannte G 35-Untersuchung hinweisen, wenn eine solche Dienstreise gebucht wird. Auskünfte erteilt das CRM (Telefon 0211/904290).

Wenn Reisebüros erkennen, dass sie ihren Kunden mit derlei Informationen einen mehr als geldwerten Vorteil liefern und Veranstalter einsehen, dass reisemedizinische Informationen aufgeklärte Verbraucher niemals vor Reisen abschrecken, dann ist die Tourismus-Branche wieder einen Schritt weiter.