Betreuung erkrankter oder verunfallter Mitarbeiter im Ausland - Welche Möglichkeiten hat der Betriebsarzt
Dr. Benedikt Born Mannesmann Rexroth AG, Lohr
 
Die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland ist für weltweit agierende Unternehmensgruppen nahezu Tagesroutine. Dies schließt auch die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach BG-Grundsatz G 35 (Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen) sowie die reisemedizinische Beratung von Kurzzeitreisenden ein. Ein Unfall oder ein anderweitiges gesundheitliches Problem eines Mitarbeiters im Ausland führt dagegen immer zu einer Ausnahmesituation, auf die das Unternehmen nur schwer mit der gebotenen Routine und Erfahrung reagieren kann.

Im Rahmen seiner präventiven Gesundheitsfürsorge kann der Betriebs- oder Werkarzt sowohl die in der Personalverantwortung stehenden Vorgesetzten als auch die einzelnen reisenden Mitarbeiter über die Möglichkeiten der reisemedizinischen Beratung und Vorsorgeuntersuchung nach G 35 informieren. Das Angebot der Beratung umfaßt dabei die Darstellung grundlegender hygienischer Verhaltensregeln und Basismaßnahmen auf Reisen, die Einschätzung der individuellen Gesundheitssituation bei bekannten Vorerkrankungen in Bezug auf die Reise, die Überprüfung des vorhandenen Impfschutzes mit Schließung evtl. vorliegender Impflücken. In dem Beratungsgespräch wird der Mitarbeiter für mögliche landestypische Erkrankungen (z.B. Malaria o.ä.) sensibilisiert. Ihm werden die erforderliche Prophylaxe und/oder Stand-by-Medikation mitgegeben. Zur Abwendung der häufigsten Reisebeschwerden erhält der Mitarbeiter ferner eine kleine Reiseapotheke, auf die auch im Rahmen einer telefonischen Beratung bei gesundheitlichen Problemen zurückgegriffen werden kann.

Im Erkrankungsfall vor Ort sind für die Hilfesuchenden ebenfalls die Betriebs- oder Werkärzte erste Ansprechpartner. Sie sind allerdings nur selten 24 Stunden verfügbar. Risiken einer telefonischen Beratung durch den Betriebsarzt, dem oft die persönliche Erfahrung vor Ort fehlt und der die Rahmenbedingungen im Ausland nicht kennen kann, sind kaum abwägbar. Zur fehlenden Kenntnis über die Infrastruktur im Ausland kommen fehlende Erfahrungen im Umgang mit versicherungsrechtlichen Fragen bzw. den Versicherungen selbst. Selbst bei recht guten Rahmenbedingungen in Deutschland fehlt dem Betriebsarzt für die Organisation des Rücktransport eines Mitarbeiters die nötige Routine. Eine ärztliche und pflegerische Betreuung Schwerkranker im Ausland ist meist nicht zu gewährleisten.

In dem entsendenden Unternehmen bleibt ein Gesundheitsproblem eines Mitarbeiters im Ausland immer ein "organisatorischer" Einzelfall, dessen Klärung viel men power bindet, hohe direkte und indirekte Kosten und oftmals nicht kalkulierbare Kosten verursacht. Die Erkrankung des Mitarbeiters im Ausland stellt eine erhebliche Störung der eingeschliffenen Betriebsabläufe dar und führt damit letztlich zur Unzufriedenheit des Kunden vor Ort.

Im Ausland sieht sich der erkrankte Mitarbeiter Verständigungsproblemen, besonders im medizinischen Bereich, ausgesetzt. Ihm fehlen gewohnte Vertrauenspersonen vor Ort. Die Krankenpflege übernehmende Familienangehörige - wie häufig im Ausland üblich - stehen nicht zur Verfügung. Durch die Gesamtsituation ist ein persönliches Abwägen der medizinischen Risiken und Möglichkeiten nicht objektiv möglich. Dies kann zu weiteren Gesundheitsschädigungen führen.

Durch die Einbindung der Dienstleistung einer professionellen Assistance-Medizin bei einem Erkrankungsfall eines Mitarbeiters im Ausland wird die Fürsorgeverpflichtung des Arbeitgebers in professioneller Weise umgesetzt. Dies gilt sowohl bei Langzeitaufenthalten als auch insbesondere bei Kurzzeitreisenden (z.B. Kundendienst). Mehrkosten, aber auch Regresse oder Vorhaltungen infolge Fehlentscheidungen auf Grund Erfahrungsmangel der Vertreter des Arbeitgebers lassen sich vermeiden. Erkrankungen wichtiger Mitarbeiter im Ausland führen bei professioneller Abwicklung des Erkrankungsfalles durch den Assistance-Mediziner zu weniger betrieblichen Störungen und sichern damit die Kundenzufriedenheit.

Eine frühzeitige ärztliche Interaktion mit Bündelung weltweiter Erfahrungen führt zur schnellen und richtigen Weichenstellung sowie zu besseren Ergebnissen bei geringeren Kosten. Insgesamt stehen sehr geringe Kosten pro Person und Jahr hohen Kostenrisiken je Rückholfall gegenüber. Durch spezielles Know how erfolgt die Absicherung einer bestmöglichen Betreuung vor Ort ohne nennenswerte Mehrkosten.

Die ganzjährige 24-Stunden-Präsenz für medizinische Beratung auch bei kleineren Problemen bedeutet Sicherheit für alle Beteiligten. Durch die weltweiten Kontakte und Erfahrungen des Assistance-Unternehmens wird die medizinische Versorgung vor Ort erleichtert. Je nach Erfordernis werden deutsche Ärzte oder Pflegepersonal ins Ausland entsandt. Eine Entscheidung über Rückholung oder Auslandbehandlung erkrankter Mitarbeiter erfolgt unter Abwägung medizinischer, psychologischer, sozialer und wirtschaftlicher Aspekte.

Die Übernahme administrativer Aufgaben, z. B. bei Rückholung, Transporten, Dokumentenverlust, Finanztransfer, Prüfung von Rechnungen aus dem Ausland, Kostenübernahmegarantien für das Ausland, erfolgt durch das Assistance-Unternehmen mit der notwendigen Erfahrung und entlastet alle Betroffenen.

Bei Auslandentsendungen obliegt dem Betriebsarzt unter präventiven Gesichtspunkten die Fürsorge für die Vorbereitung der Reise in gesundheitlicher Hinsicht. Durch die Einbeziehung der Assistance-Medizin in die gesundheitliche Betreuung von Mitarbeitern im Ausland wird der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in hervorragender Weise Rechnung getragen. Sowohl die medizinische als auch administrative Abwicklung erfolgen mit der notwendigen Erfahrung und Professionalität. Eine permanente Erreichbarkeit ist gegeben. Der Betriebsarzt wird absprachegemäß informiert und hält den Kontakt zum Unternehmen sowie dem Haus- oder Facharzt des erkrankten Mitarbeiters. Geringe Kosten stehen dabei in Relation zu einem sehr hohen Nutzen. .