Möglichkeiten und Grenzen des Rücktransports durch internationale Fluggesellschaften
Dr. med. Lutz Bergau, Leitender Arzt des Medizinischen Dienstes der Deutschen Lufthansa AG, Frankfurt
 
Die in Verkehrsflugzeugen eingebauten "Stretcher" können nur für solche Patienten eingesetzt werden, bei denen der Schweregrad der Erkrankung eine ständige unmittelbare Betreuung nicht erfordert. So kann zwar Sauerstoff bereitgestellt werden, eine kontrollierte Beatmung und weitergehende intensivmedizinische Maßnahmen sind jedoch auf der in Flugzeug eingebauten Liege nicht möglich. Für schwersterkrankte Patienten musste daher in der Vergangenheit für größere Strecken ausschließlich auf Ambulanzflugzeuge zurückgegriffen werden, die jedoch nur über eine begrenzte, definierte Reichweite verfügen.

Einen völlig neuen Weg eröffnet das von der Deutschen Lufthansa AG entwickelte "Patient Transport Compartment" (PTC). Mit flexibel, innerhalb von einer Stunde einzubauenden Wandkomponenten wird in der Kabine der B747-400 ein eigener, abgeschlossener Raum geschaffen, der durch eine Schiebetür vom eigentlichen Passagierraum getrennt ist.

Zur Installation dieses Raumes werden vor der vierten Küche, in der Mitte der Kabine, drei Sitzreihen mit insgesamt 12 Sitzen entfernt und die Wandelemente montiert. Der Patient selbst wird auf einer sogenannten PTU, einer "Patient Transport Unit", gelagert, in dem in Modulbauweise alle zur intensiven Überwachung und Notfalltherapie notwendigen medizinischen Instrumentarien zur Verfügung stehen. Sauerstoffflaschen mit 13 000 Liter Sauerstoff ermöglichen mit dem Beatmungsgerät eine Beatmung mit hohem Sauerstoffdruck über mindestens 14 Stunden. Daneben stehen EKG-Monitor, Defibrillator, Infusionspumpen, Pulsoxymeter usw. zur Verfügung, die noch durch die Möglichkeit zur Durchführung von Laboruntersuchungen ergänzt werden können. Natürlich stehen auch sämtliche Notfallmedikamente, Verbrauchsmaterial wie Spritzen, Kanülen usw. in ausreichender Menge zur Verfügung.

Für den begleitenden Arzt sowie einen Assistenten (Rettungssanitäter, Krankenschwester) sind neben der Patientenliege zwei komfortable Business-Class-Sitze vorhanden, die auch genügend Platz zur Entspannung bieten. Im Gegensatz zu den Ambulanzflugzeugen besteht in der Kabine des PTC's eine volle Stehhöhe, die Kabine selbst ist etwa 2,30 x 2,40 m groß und damit steht ein außerordentlich großzügig bemessenes Platzangebot zur Versorgung des Erkrankten zur Verfügung.

Die Vorteile dieses Compartments liegen auf der Hand: Eingebaut in das Langstreckenflugzeug 747-400 werden auch extreme Entfernungen, wie z.B. Buenos Aires und Manila nach Frankfurt, im Nonstop-Flug bewältigt. Zeitraubende Zwischenlandungen zum Auftanken von Ambulanzflugzeugen entfallen.

Der Patiententransport verläuft wesentlich schonender, schneller und für die betreuenden Ärzte und Assistenten komfortabler, nicht zuletzt auch durch einen entsprechenden Service in einem Verkehrsflugzeug. Neben den genannten Vorteilen des PTC, ist letztlich auch ein erheblicher Preisvorteil gegenüber dem Einsatz eines Ambulanzflugzeuges festzuhalten.