Vogelgrippe
 
Stand: 14.05.2013
 
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Allgemeines
"Vogelgrippe" (englisch: Avian Influenza) ist der Sammelbegriff für Erkrankungen durch vogelpathogene Influenza-Viren. Die seit über hundert Jahren bekannte, weltweit auftretende Tierseuche blieb zunächst auf Federvieh beschränkt; Personen mit unmittelbaren Tierkontakten erkrankten allenfalls mit leichten Bindehautentzündungen. 1997/98 traten im Rahmen eines großen Ausbruchs durch Influenza A(H5N1) in Hongkong erstmals grippeähnliche Allgemeinerkrankungen mit einer Reihe von Todesfällen beim Menschen auf. Seit Ende 2003 breitete sich dieser Erreger zunächst in Ostasien aus, erreichte im Herbst 2005 Europa und im Februar 2006 Afrika. Im August 2006 wurde auch in den USA erstmals bei wilden Höckerschwänen in Michigan eine niedrig krankheitserregende Variante des H5N1-Virus gefunden. In den letzten Jahren wurden vor allem Fälle aus Ägypten, Indonesien und aus Südostasien gemeldet. Aus Australien gibt es bisher keine Meldungen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich nur auf diesen Erreger.

Informationen zu neuen Influenza A(H7N9) >>
 
Aktuelles
Nach dem vorläufigen Höhepunkt der Epizootie im Winter 2005/2006 hat sich die Situation im Verlauf der letzten Jahre weltweit entspannt, Ausbrüche blieben weitgehend auf asiatische Länder beschränkt. Von den 60 Ländern, die bisher Auftritte von Influenza A(H5N1) meldeten, konnten die meisten die Erkrankung wieder eindämmen. Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) benannte im Frühjahr 2011 nur noch 6 Länder als endemische Gebiete: Ägypten, Bangladesh, China, Indien, Indonesien und Vietnam.


Ägypten: Ägypten steht an zweiter Stelle (nach Indonesien) der H5N1-Fälle weltweit. In einer Studie wird gezeigt, dass die in Ägypten vorkommenden Virusstränge aufgrund einer Mutation schneller und besser an menschliche Zellen (des unteren Respirationstraktes) binden können. Dies kann zu einem erhöhten pandemischen Potential und mehr schweren Verläufen führen, wie sie in Ägypten beobachtet werden. 2011 wurden 39 Erkrankungen und 15 Todesfälle gemeldet. 2012 gab es 11 Erkrankungen, davon 5 Todesfälle. Im Februar, März und April 2013 wurde je 1 Fall gemeldet, mindestens zwei Patienten sind verstorben. Damit liegt die Anzahl der menschlichen Erkrankungen in Ägypten bei insgesamt 173, darunter sind 63 Todesfälle. Seit ihrem Erstauftritt im Februar 2006 sind der hochpathogenen Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) in Ägypten mehr als 34 Millionen Tiere zum Opfer gefallen. Kontakt zu lebenden oder frisch geschlachtetem Geflügel sowie Geflügelausscheidungen sollte vermieden werden.

Bangladesh: Im Februar ist ein 23 Monate alter Junge an der Vogelgrippe gestorben. Insgesamt 7 Fälle von Vogelgrippe bei Menschen wurden bislang registriert, davon 3 in 2012. Zwischen März 2007 und März 2013 gab es landesweit über 520 Ausbrüche bei Geflügel, eine Impfung der Tiere ist gesetzlich verboten. Kontakt zu Geflügel meiden.

China: Seit 2003 hat die hochpathogene Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) in diversen Landesteilen immer wieder zu örtlichen oder regionalen Ausbrüchen bei Wildvögeln und Nutztieren geführt. Im Mai kam es in einer kleinen Farm in Tibet zu einem Ausbruch, etwa 370 Hühner wurden getötet. Im Februar wurden aus der Stadt Guiyang in der Provinz Guizhou (SW) zwei menschliche Erkrankungen gemeldet, beide Personen sind verstorben. Insgesamt wurden in China bisher 45 menschliche Erkrankungen, darunter 30 Todesfälle, gemeldet. Bei der Mehrzahl der Patienten konnte Kontakt zu Geflügel nachgewiesen werden. Seit Ende März sind insgesamt mindestens 132 Menschen an Influenza A(H7N9) erkrankt, darunter ein Reisender aus Taiwan, es gab 35 Todesfälle. Die ersten Erkrankungen wurden aus Shanghai (O) und den angrenzenden Provinzen Anhui (SO) und Zhejiang (SO) gemeldet. Mitte April wurden die ersten Fälle aus Peking (N) berichtet, außerdem sind in den Provinzen Henan (Z), Jiangsu (SO), Fujian (SO) und Shandong (NO) Erkrankungen aufgetreten. Dieser Subtyp wurde zuvor noch nicht beim Menschen nachgewiesen, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach aktuellem Erkenntnisstand in seltenen Fällen möglich.

Indonesien: Seit ihrem Erstauftritt im November 2003 hat sich die hochpathogene Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) landesweit ausgebreitet und ist aufgrund der Infrastruktur des Inselstaates schwer zu kontrollieren. Mehr als 10 Millionen Geflügeltiere sind ihr zum Opfer gefallen. Menschliche Erkrankungen sind seit Juli 2005 bekannt. Anfang Dezember ist ein vierjähriger Junge in West Java gestorben. Dies ist seit 2005 die 192. Vogelgrippe-Erkrankung in Indonesien, 160 Personen sind daran verstorben. Indonesien hat weiterhin weltweit die höchsten Inzidenzen und mit >80% die höchste Letalität. Die meisten Fälle stammen aus Java, einige aus Sumatra, einzelne aus Süd-Sulawesi und Bali. Fast alle Betroffenen hatten unmittelbare Kontakte zu kranken oder verendeten Tieren. Kontakte mit lebendem Geflügel oder kranken Menschen sollten von Reisenden weiterhin gemieden, Hygiene beachtet werden.

Kambodscha: In diesem Jahr wurden bisher aus verschiedenen Provinzen im Süden des Landes 10 Fälle gemeldet, davon sind 8 Personen verstorben. Seit 2005 gab es 31 menschliche Erkrankungen, davon 27 Todesfälle. Alle betroffenen Menschen hatten direkten Kontakt zu erkrankten oder toten Tieren (Geflügel). Eine Mensch-zu-Mensch-Infektion wurde nicht registriert. Kontakt zu lebendem oder frisch geschlachtetem Geflügel sollte vermieden werden.

Korea-, Nord: Mitte April wurde aus einer Enten-Farm ein Ausbruch von Influenza A(H5N1) gemeldet. Etwa 164.000 Tiere starben oder wurden getötet. Menschliche Erkrankungen wurden nicht registriert. Kontakt zu lebendem oder frisch geschlachtetem Geflügel sollte vermieden werden.

Nepal: In der Region Kathmandu (Z) sind im Februar mindestens 11 Farmen betroffen. Über 6.000 Hühner wurden vorsorglich getötet. In Gandaki (Z) waren im Januar vier Hühnerfarmen betroffen. Über 1.100 Tiere sind gestorben, die weiteren 2.000 wurden getötet. In der Hauptstadt Kathmandu (Z) sind im Dezember 2012 vorsorglich mehr als 500 Enten und Hühner getötet worden nachdem die Infektion bei einigen Hühnern nachgewiesen wurde. Dies ist der erste Fall in der Hauptstadt, in anderen Landesteilen hatte es zuvor bereits Ausbrüche gegeben. In Sitapaila und Ramkot, etwa 10 bzw. 15 km westlich von Kathmandu, sind in Dezember und Januar insgesamt 3 Hühnerfarmen von Vogelgrippe betroffen. Über 4.800 Hühner und über 19.000 Eier wurden vernichtet. 2.700 Hühner sind an Vogelgrippe gestorben.

Vietnam: Im April ist ein 4-jähriger Junge gestorben und eine 20-Jährige erkrankt, dies sind die ersten Fälle seit mehr als einem Jahr. In 2012 wurden 4 menschliche Erkrankungen (davon 2 Todesfälle) an Vogelgrippe im Land registriert. Damit beläuft sich die Gesamtzahl menschlicher Erkrankungen seit 2003 auf 125 mit 62 Todesfällen. Sie sind in allen Landesteilen aufgetreten. Bei allen Betroffenen ließen sich entsprechende Tierkontakte nachweisen. Im Juli 2012 ist ein neues, hochansteckendes Vogelgrippe-Virus in Vietnam aufgetreten. Dieses hat sich im August im Norden und im Zentrum des Landes rasch verbreitet. Vermutlich wurde der Erreger durch illegal aus China importierte Hühner eingeschleppt.
 
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Verbreitung
Bei Wildvögeln und/oder Hausgeflügel ist Influenza A(H5N1) bisher in folgenden Ländern aufgetreten:

Asien: Afghanistan, Aserbaidschan, Bangladesh, Bhutan, China, Georgien, Indien, Indonesien, Irak, Iran, Israel mit den Palästinensischen Gebieten, Japan, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Korea Nord, Korea Süd, Kuwait, Laos, Malaysia, Mongolei, Nepal, Myanmar, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Thailand, Türkei und Vietnam.
Europa: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Zypern (türkischer Teil);
Afrika: Ägypten, Benin, Burkina Faso, Côte d'Ivoire, Dschibouti, Ghana, Kamerun, Niger, Nigeria, Togo, Sudan.
Aktuell: Seit Beginn dieses Jahres wurden Auftritte der Tierseuche aus folgenden Ländern gemeldet (Stand: 14.05.2013):
Bangladesh, Bhutan, China, Indien, Kambodscha, Nord-Korea, Nepal.
Beim Menschen wurden seit Ende 2003 insgesamt etwa 560 Erkrankungen durch Influenza A(H5N1) aus folgenden 15 Ländern gemeldet:
Ägypten, Aserbaidschan, Bangladesh, China, Dschibouti, Indonesien, Irak, Kambodscha, Laos, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Thailand, Türkei, Vietnam.
Die meisten Erkrankungsfälle stammten 2004/2005 aus Vietnam, seit 2006 aus Indonesien und Ägypten. Mehr als die Hälfte endete tödlich. Zur aktuellen Situation wird auf die einzelnen Länder verwiesen.
 

Interaktive Karte:
Fortschreitende Verbreitung der hochpathogenen Vogelgrippe (HPAI)
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Krankheitsbild
Erkrankung beim Tier
Tiermedizinisch gibt es bei Vögeln zwei unterschiedliche Krankheitsbilder: Die leichte ("low pathogenic avian influenza - LPAI") und die schwere ("highly pathogenic avian influenza - HPAI") Verlaufsform. Letztere, auch als "Hühnerpest" bezeichnet, ist für Hausgeflügel fast hundertprozentig tödlich. Inzwischen wurde das A(H5N1)-Virus auch bei einer Reihe von Säugetieren nachgewiesen. Vor allem die Beteiligung von Haustieren wie Schweinen, Katzen und Hunden könnte für den Menschen gefährlich werden, wenn es zu einer Vermischung mit menschlichen Grippeviren mit Austausch genetischen Materials kommt. Im Hintergrund steht die mögliche Gefahr, dass sich daraus eine neue Pandemie entwickelt.

Erkrankung beim Menschen
Menschliche Erkrankungen durch Vogelgrippeviren sind im Verhältnis zu den Fallzahlen beim Tier extrem selten. Sie setzen in der Regel einen unmittelbaren Kontakt zum erkrankten Federvieh voraus. Übertragungen von Mensch zu Mensch wurden bisher nur vereinzelt gesehen. Neben einer leichten Form mit Bindehautentzündung und Schleimhautreizung der oberen Luftwege kann es, vor allem bei A(H5N1), zu schweren Krankheitsbildern mit Lungenentzündungen kommen. Nach den bisherigen Erfahrungen liegt die Sterblichkeit dieser Fälle über 50%. Die Diagnose erfolgt durch den Erregernachweis. Wie bei der menschlichen Grippe hat sich eine Behandlung durch sog. "Neuraminidasehemmer" (z.B. Oseltamivir, Zanamivir) als wirksam erwiesen, wenn sie frühzeitig einsetzt. Bei erhöhter Gefährdung wie z.B. berufliche Kontakte mit kranken Tieren im Rahmen eines Ausbruchs kann das Mittel auch vorbeugend eingesetzt werden.
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Vorbeugung
Fast alle Infektionen mit Influenza A(H5N1) ließen sich bisher auf unmittelbaren Kontakt mit lebendem Federvieh zurückführen. Die Übertragung erfolgt in der Regel über die Luft als "Tröpfcheninfektion". Eine Gefährdung durch Verzehr von unzureichend gegartem Hühnerfleisch oder rohen Eiern ist denkbar, in der Praxis aber unwahrscheinlich, da Grippeviren beim Erhitzen leicht abgetötet werden. Übertragungen von Mensch zu Mensch (Familie, Pflegepersonal) sind prinzipiell möglich, wurden bisher nur selten beobachtet.
Daraus resultieren folgende Ratschläge, speziell für Reisende:
  • In den Infektionsgebieten sind Kontakte mit lebendem Federvieh und dessen Ausscheidungen sowie mit rohem Geflügel (z.B. auf Märkten und Farmen) zu meiden. Das gilt auch für (scheinbar gesunde) Haus- und Wildenten sowie für tote oder kranke Vögel in der freien Natur.
  • Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nur in wenigen Einzelfällen beobachtet. Kontakte zu Erkrankten sollten vorsichtshalber gemieden werden.
  • Fleisch und Eier von Geflügel sind vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen.
  • Sorgfältige Hygiene bei Zubereitung der Nahrung ist einzuhalten.
  • Bei (beruflicher) Exposition ist adäquater Infektionsschutz zu beachten. Bei besonderer Gefährdung ist eine Chemoprophylaxe (Neuraminidasehemmer) zu erwägen.
  • Menschliche Erkrankungen an Vogelgrippe sind bisher sehr selten. Bei Fieber und grippalen Krankheitserscheinungen innerhalb von 2 Wochen nach verdächtigen Tierkontakten in einem Infektionsgebiet ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Rechtzeitige antivirale Behandlung mit einem Neuraminidasehemmer (Oseltamivir, Zanamivir) kann wirksam sein.
  • Die übliche Grippe-Impfung schützt nicht vor der Vogelgrippe; sie wird jedoch Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln empfohlen, um Doppelinfektionen zu verhindern.
  • Eine sogenannte "Präpandemie-Impfung" gegen H5N1 ist entwickelt worden. Dieser Impfstoff ist jedoch nicht im freien Handel verfügbar.
  • Das generelle Importverbot für lebende Vögel sowie die aktuellen Importbeschränkungen für "Geflügel oder andere Vögel, Geflügelfleisch, Eier und andere Produkte vom Geflügel sowie Federn oder unbehandelte Jagdtrophäen" aus betroffenen Ländern in die Europäische Union ist zu beachten. (Weitere Einzelheiten hierzu unter www.verbraucherministerium.de).
Reisewarnungen oder -beschränkungen gibt es nicht.
 
 
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Haftungsausschluss
Die vorstehenden Angaben ersetzen keine ärztliche Beratung. Sie stammen aus diversen Informationsquellen, vorrangig der WHO, sind nach bestem Wissen zusammengestellt und entsprechen dem neuesten Stand. Für ihre Richtigkeit kann das CRM keine Verantwortung und für irgendwelche Gesundheitsschäden auf Ihrer Reise keine Haftung übernehmen. Reisenden wird empfohlen, sich vor der Reise ärztlich beraten zu lassen.
 
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