Vogelgrippe
 
Stand: 26.01.2012
 
  Allgemeines Krankheitsbild
     
  Interaktive Karte Vorbeugung
     
 
Allgemeines
"Vogelgrippe" (englisch: Avian Influenza) ist der Sammelbegriff für Erkrankungen durch vogelpathogene Influenza-Viren. Die seit über hundert Jahren bekannte, weltweit auftretende Tierseuche blieb zunächst auf Federvieh beschränkt; Personen mit unmittelbaren Tierkontakten erkrankten allenfalls mit leichten Bindehautentzündungen. 1997/98 traten im Rahmen eines großen Ausbruchs durch Influenza A(H5N1) in Hongkong erstmals grippeähnliche Allgemeinerkrankungen mit einer Reihe von Todesfällen beim Menschen auf. Seit Ende 2003 breitete sich dieser Erreger zunächst in Ostasien aus, erreichte im Herbst 2005 Europa und im Februar 2006 Afrika. Im August 2006 wurde auch in den USA erstmals bei wilden Höckerschwänen in Michigan eine niedrig krankheitserregende Variante des H5N1-Virus gefunden. In den letzten Jahren wurden vor allem Fälle aus Ägypten, Indonesien und aus Südostasien gemeldet. Aus Australien gibt es bisher keine Meldungen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich nur auf diesen Erreger.
 
Aktuelles
Nach dem vorläufigen Höhepunkt der Epizootie im Winter 2005/2006 hat sich die Situation im Verlauf der letzten Jahre weltweit entspannt. Ausbrüche blieben weitgehend auf asiatische Länder beschränkt, wo der Erreger inzwischen weiträumig endemisch ist. Von den 51 Ländern, die bisher Auftritte von Influenza A(H5N1) meldeten, liegen 17 in Asien, 11 in Afrika, 27 in Europa und 7 im Mittleren Osten. Am stärksten betroffen ist immer noch Indonesien wo die Situation inzwischen als endemisch bewertet wird.
In Europa handelt es sich mehrheitlich um Nachweise bei Wildvögeln und nur vereinzelt um örtliche Ausbrüche bei Geflügel.

Ägypten: Ägypten steht an zweiter Stelle (nach Indonesien) der H5N1-Fälle weltweit. In einer Studie wird gezeigt, dass die in Ägypten vorkommenden Virusstränge aufgrund einer Mutation schneller und besser an menschliche Zellen (des unteren Respirationstraktes) binden können. Dies kann zu einem erhöhten pandemischen Potential und mehr schweren Verläufen führen, wie sie in Ägypten beobachtet werden. Im Jahr 2011 wurden 38 Erkrankungen und 15 Todesfälle gemeldet. Im Jahr 2012 gibt es bisher einen Erkrankungsfall, es handelt sich um einen 31-jährigen Mann, der zurzeit noch intensivmedizinisch behandelt wird. Damit erhöht sich die Zahl der menschlichen Erkrankungen in Ägypten auf insgesamt 159. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 55. Weltweit gab es bislang 581 Erkrankungen, von den Erkrankten sind 342 Personen gestorben. Seit ihrem Erstauftritt im Februar 2006 sind der hochpathogenen Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) in Ägypten mehr als 34 Millionen Tiere zum Opfer gefallen. Kontakt zu lebenden oder frisch geschlachtetem Geflügel sowie Geflügelausscheidungen sollte vermieden werden.

Bangladesh: Zuletzt wurden im März 2011 drei Vogelgrippe-Fälle bei Kindern in Dhaka gemeldet. Bereits 2008 hatte es einen menschlichen Erkrankungsfall bei einem Kleinkind gegeben. Zwischen März 2007 und September 2011 gab es landesweit 519 Ausbrüche bei Geflügel, eine Impfung der Tiere ist gesetzlich verboten. Kontakt zu Geflügel meiden.

China: Seit 2003 hat die hochpathogene Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) - mit einer 15-monatigen Pause vom Frühjahr 2004 bis zum Herbst 2005 - in diversen Landesteilen immer wieder zu örtlichen oder regionalen Ausbrüchen bei Wildvögeln und Nutztieren geführt. Insgesamt wurden in China bisher 42 menschliche Erkrankungen und 28 Todesfälle gemeldet. Alle Erkrankungen traten isoliert in unterschiedlichen Provinzen auf. Nach einer 18-monatigen Pause gab es im Dezember eine bestätigte Infektion bei einem 39-jährigen Mann, der in der Nähe von Hong Kong lebt. Er verstarb am 31. Dezember. Am 22. Januar verstarb ein weiterer Mann aus der Provinz Guizhou (SW). Bei der Mehrzahl der Patienten konnte Kontakt zu Geflügel nachgewiesen werden.

Indonesien: Seit ihrem Erstauftritt im November 2003 hat sich die hochpathogene Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) landesweit ausgebreitet und ist aufgrund der Infrastruktur des Inselstaates schwer zu kontrollieren. Mehr als 10 Millionen Geflügeltiere sind ihr zum Opfer gefallen. Menschliche Erkrankungen sind seit Juli 2005 bekannt. Bis zum 19. Januar 2012 wurden kumulativ 184 Erkrankungen mit 152 Todesfällen gemeldet. Zuletzt erkrankte ein 5-jähriges Mädchen aus Jakarta, es verstarb am 16. Januar. Indonesien hat weiterhin weltweit die höchsten Inzidenzen und mit >80% die höchste Letalität. Die meisten Fälle stammen aus Java, einige aus Sumatra, einzelne aus Süd-Sulawesi und Bali. Fast alle Betroffenen hatten unmittelbare Kontakte zu kranken oder verendeten Tieren. Kontakte mit lebendem Geflügel oder kranken Menschen sollten von Reisenden weiterhin gemieden, Hygiene beachtet werden.

Kambodscha: Seit 2005 gab es 19 menschliche Erkrankungen (davon 17 Todesfälle), allein 8 Erkrankungen traten im Jahr 2011 auf. Alle betroffenen Menschen hatten direkten Kontakt zu erkrankten oder toten Tieren (Geflügel). Eine Mensch-zu-Mensch-Infektion wurde nicht registriert. Zuletzt infizierte sich ein 2-jähriger Junge am 3. Januar 2012, er verstarb am 18. Januar. Kontakt zu lebendem oder frisch geschlachtetem Geflügel sollte vermieden werden.

Vietnam: Wie die WHO nun bestätigte, ist ein 18-Jähriger am 16. Januar an Vogelgrippe verstorben. Er arbeitete auf einer Entenfarm im Mekong-Delta. Im April 2010 gab es zuletzt eine bestätigte Vogelgrippe-Infektion bei einem Vietnamesen. Damit beläuft sich die Gesamtzahl menschlicher Erkrankungen seit 2003 in Vietnam auf 120 mit 59 Todesfällen. Bei allen Betroffenen ließen sich entsprechende Tierkontakte nachweisen.
 
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Verbreitung
Bei Wildvögeln und/oder Hausgeflügel ist Influenza A(H5N1) bisher in folgenden Ländern aufgetreten:

Asien: Afghanistan, Aserbaidschan, Bangladesh, Bhutan, China, Georgien, Indien, Indonesien, Irak, Iran, Israel mit den Palästinensischen Gebieten, Japan, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Korea Nord, Korea Süd, Kuwait, Laos, Malaysia, Mongolei, Nepal, Myanmar, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Thailand, Türkei und Vietnam.
Europa: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Zypern (türkischer Teil);
Afrika: Ägypten, Benin, Burkina Faso, Côte d'Ivoire, Dschibouti, Ghana, Kamerun, Niger, Nigeria, Togo, Sudan.
Aktuell: Seit Beginn dieses Jahres wurden Auftritte der Tierseuche, von denen einige bereits wieder abgekungen sind, aus folgenden Ländern gemeldet (Stand: 20.01.2012):
Bangladesh, Bhutan, China, Indien, Iran.
Beim Menschen wurden seit Ende 2003 insgesamt etwa 560 Erkrankungen durch Influenza A(H5N1) aus folgenden 15 Ländern gemeldet:
Ägypten, Aserbaidschan, Bangladesh, China, Dschibouti, Indonesien, Irak, Kambodscha, Laos, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Thailand, Türkei, Vietnam.
Die meisten Erkrankungsfälle stammten 2004/2005 aus Vietnam, seit 2006 aus Indonesien und Ägypten. Mehr als die Hälfte endete tödlich. Zur aktuellen Situation wird auf die einzelnen Länder verwiesen.
 

Interaktive Karte:
Fortschreitende Verbreitung der hochpathogenen Vogelgrippe (HPAI)
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Krankheitsbild
Erkrankung beim Tier
Tiermedizinisch gibt es bei Vögeln zwei unterschiedliche Krankheitsbilder: Die leichte ("low pathogenic avian influenza - LPAI") und die schwere ("highly pathogenic avian influenza - HPAI") Verlaufsform. Letztere, auch als "Hühnerpest" bezeichnet, ist für Hausgeflügel fast hundertprozentig tödlich. Inzwischen wurde das A(H5N1)-Virus auch bei einer Reihe von Säugetieren nachgewiesen. Vor allem die Beteiligung von Haustieren wie Schweinen, Katzen und Hunden könnte für den Menschen gefährlich werden, wenn es zu einer Vermischung mit menschlichen Grippeviren mit Austausch genetischen Materials kommt. Im Hintergrund steht die mögliche Gefahr, dass sich daraus eine neue Pandemie entwickelt.

Erkrankung beim Menschen
Menschliche Erkrankungen durch Vogelgrippeviren sind im Verhältnis zu den Fallzahlen beim Tier extrem selten. Sie setzen in der Regel einen unmittelbaren Kontakt zum erkrankten Federvieh voraus. Übertragungen von Mensch zu Mensch wurden bisher nur vereinzelt gesehen. Neben einer leichten Form mit Bindehautentzündung und Schleimhautreizung der oberen Luftwege kann es, vor allem bei A(H5N1), zu schweren Krankheitsbildern mit Lungenentzündungen kommen. Nach den bisherigen Erfahrungen liegt die Sterblichkeit dieser Fälle über 50%. Die Diagnose erfolgt durch den Erregernachweis. Wie bei der menschlichen Grippe hat sich eine Behandlung durch sog. "Neuraminidasehemmer" (z.B. Oseltamivir, Zanamivir) als wirksam erwiesen, wenn sie frühzeitig einsetzt. Bei erhöhter Gefährdung wie z.B. berufliche Kontakte mit kranken Tieren im Rahmen eines Ausbruchs kann das Mittel auch vorbeugend eingesetzt werden.
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Vorbeugung
Fast alle Infektionen mit Influenza A(H5N1) ließen sich bisher auf unmittelbaren Kontakt mit lebendem Federvieh zurückführen. Die Übertragung erfolgt in der Regel über die Luft als "Tröpfcheninfektion". Eine Gefährdung durch Verzehr von unzureichend gegartem Hühnerfleisch oder rohen Eiern ist denkbar, in der Praxis aber unwahrscheinlich, da Grippeviren beim Erhitzen leicht abgetötet werden. Übertragungen von Mensch zu Mensch (Familie, Pflegepersonal) sind prinzipiell möglich, wurden bisher nur selten beobachtet.
Daraus resultieren folgende Ratschläge, speziell für Reisende:
  • In den Infektionsgebieten sind Kontakte mit lebendem Federvieh und dessen Ausscheidungen sowie mit rohem Geflügel (z.B. auf Märkten und Farmen) zu meiden. Das gilt auch für (scheinbar gesunde) Haus- und Wildenten sowie für tote oder kranke Vögel in der freien Natur.
  • Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nur in wenigen Einzelfällen beobachtet. Kontakte zu Erkrankten sollten vorsichtshalber gemieden werden.
  • Fleisch und Eier von Geflügel sind vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen.
  • Sorgfältige Hygiene bei Zubereitung der Nahrung ist einzuhalten.
  • Bei (beruflicher) Exposition ist adäquater Infektionsschutz zu beachten. Bei besonderer Gefährdung ist eine Chemoprophylaxe (Neuraminidasehemmer) zu erwägen.
  • Menschliche Erkrankungen an Vogelgrippe sind bisher sehr selten. Bei Fieber und grippalen Krankheitserscheinungen innerhalb von 2 Wochen nach verdächtigen Tierkontakten in einem Infektionsgebiet ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Rechtzeitige antivirale Behandlung mit einem Neuraminidasehemmer (Oseltamivir, Zanamivir) kann wirksam sein.
  • Die übliche Grippe-Impfung schützt nicht vor der Vogelgrippe; sie wird jedoch Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln empfohlen, um Doppelinfektionen zu verhindern.
  • Eine sogenannte "Präpandemie-Impfung" gegen H5N1 ist entwickelt worden. Dieser Impfstoff ist jedoch nicht im freien Handel verfügbar.
  • Das generelle Importverbot für lebende Vögel sowie die aktuellen Importbeschränkungen für "Geflügel oder andere Vögel, Geflügelfleisch, Eier und andere Produkte vom Geflügel sowie Federn oder unbehandelte Jagdtrophäen" aus betroffenen Ländern in die Europäische Union ist zu beachten. (Weitere Einzelheiten hierzu unter www.verbraucherministerium.de).
Reisewarnungen oder -beschränkungen gibt es nicht.
 
 
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Haftungsausschluss
Die vorstehenden Angaben ersetzen keine ärztliche Beratung. Sie stammen aus diversen Informationsquellen, vorrangig der WHO, sind nach bestem Wissen zusammengestellt und entsprechen dem neuesten Stand. Für ihre Richtigkeit kann das CRM keine Verantwortung und für irgendwelche Gesundheitsschäden auf Ihrer Reise keine Haftung übernehmen. Reisenden wird empfohlen, sich vor der Reise ärztlich beraten zu lassen.
 
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