Influenza A(H7N9)
 
Stand: 12.10.2017
 
Achtung: Die nachfolgend aufgeführten Informationen beziehen sich nur auf den Subtyp A(H7N9). Angaben zu den Subtypen A(H5N1), A(H6N1), A(H9N2) und A(H10N8) finden Sie hier:
Informationen zur aviären Influenza A (H7N9):


Allgemeine Informationen:  
Nach den Krankheitsfällen durch das humanpathogene Vogelgrippevirus H5N1 traten im April 2013 nach Berichten der Weltgesundheitsorganisation erstmals auch menschliche Infektionen mit dem Influenza A-Virus vom Subtyp H7N9 auf. Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 27.09.2017) erkrankten 1.564 Personen an der sogenannten "neuen" Influenza, 612 starben. Hierbei war vor allem der Osten Chinas mit den Provinzen Shanghai, Jiangsu, Anhui, Zhejiang, Shandong, Fujian, Guangdong, Jiangxi, Hunan, Henan, Hebai und Beijing betroffen, in denen sich die meisten Krankheitsfälle ereigneten. Zu weiteren Infektionen kam es außerdem in Hongkong und Taiwan.

Entstehung des Virus:  
Gensequenzierungen des Influenza-A-Virus vom Subtyps H7N9 lassen darauf schließen, dass dieses aus Genmaterial unterschiedlicher Herkunft entstanden ist. So stammt das Hämagglutinin-Gen aus einem H7N3-Virus von Enten, das für die Neuraminidase dagegen aus einem H7N9-Virus von Wildvögeln. Weitere Genelemente scheinen auf ein H9N2-Virus von Finken zurückzuführen zu sein. Darüber hinaus besitzt das Influenza A(H7N9) Eigenschaften, die es ihm erleichtern, menschliche Zellen zu infizieren.

Krankheitsbild beim Menschen: 
Die Infektion erfolgt mutmaßlich durch direkten Kontakt mit infizierten Wildvögeln oder Hausgeflügel oder durch indirekte Übertragung. Zudem gibt es Anhaltspunkte für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Das klinische Bild ist durch Fieber sowie grippeähnliche Symptome (beispielsweise Husten) und eine Pneumonie gekennzeichnet. Oftmals weist das Blutbild eine Leuko-, Lympho- und Thrombozytopenie auf. Bei dem Großteil der Erkrankten ist der Verlauf schwer. Bei ihnen kommt es häufig zum ARDS ("acute respiratory distress syndrome"), septischen Schock und Multiorganversagen. Ca. 30% versterben. Allerdings gibt es auch milde Krankheitsverläufe.

Diagnose und Therapie:  
Die Diagnose erfolgt durch den Erregernachweis mittels rRT-PCR (real-time reverse transcription polymerase chain reaction) im Labor, die Therapie mit Virustatika. Empfindlich gegen die Influenza A H7N9 sind die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®). Allerdings fanden chinesische Wissenschaftlern Hinweise für Resistenzbildungen gegen diese beiden Substanzen. Zusätzlich ließen die chinesischen Behörden Peramivir für die Indikation der Influenza A(H7N9) zu. Dabei handelt es sich um einen intravenös zu verabreichenden Neuraminidasehemmer. Resistenzen zeigte das Virus außerdem gegen Amantadin, einem Virustatikum aus der Klasse der M2-Membranproteinhemmer. Eine Einschleppung der Influenza A(H7N9) nach Deutschland ist möglich. Bei Patienten, die aus Gebieten mit Influenza A(H7N9) zurückkehren und grippeähnliche Symptome aufweisen, sollte daher an eine Reiseanamnese gedacht und die Diagnose aviäre Influenza in Betracht gezogen werden.

Falldefinition des RKI: 
Für das einheitliche Vorgehen bei humanen Erkrankungen mit Influenza A(H7N9) in Deutschland wurden vom Robert-Koch-Institut Falldefinitionen entwickelt. Genaue Informationen zu diesen Falldefinitionen bei Influenza A(H7N9) des RKI finden Sie hier: http://www.rki.de
Vorbeugung: 
Zurzeit besteht keine Reisebeschränkung für Reisende in Länder mit aviärer Influenza des Subtyps H7N9. Um dennoch Erkrankungen durch Vogelgrippe vorzubeugen, sollten Ratsuchende in der reisemedizinischen Beratung auf folgende Aspekte hingewiesen werden:

1. Expositionsprophylaxe:
  • Speziell in Gebieten mit grassierender aviärer Influenza Typ A(H7N9) sollten der Kontakt sowohl zu gesund erscheinenden als auch zu kranken oder toten Wildvögeln und Hausgeflügel sowie deren Ausscheidungen vermieden werden. Besuche auf Märkten und Farmen sollten ebenfalls unterlassen werden. - Auf eine sorgfältige Händehygiene sollte stets geachtet werden.
  • Geflügelfleisch, Eier und ähnliche Nahrungsmittel sollten nur nach ausreichend langer Garzeit verzehrt werden. Speisen, die von Ständen auf offener Straße stammen, sollten vermieden werden.
  • Da Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich sind, sollte auf Kontakt zu Personen, die an Vogelgrippe erkrankt sind, verzichtet werden.
  • Eine prophylaktische Mitnahme von Oseltamivir und Zanamivir als Notfallmedikation wird derzeit nicht empfohlen.
2. Maßnahmen bei Erkrankung:
  • Beim Auftreten von Beschwerden wie Fieber und grippeähnlichen Symptomen (Husten, Dyspnoe, etc.) sollte der Reisende unverzüglich ein Arzt konsultieren. Er sollte diesen darüber informieren, dass ein Aufenthalt in einem Infektionsgebiet mit Vogelgrippe stattgefunden hat.
3. Impfung:
  • Derzeit ist keine Impfung verfügbar, die vor der aviären Influenza A(H7N9) schützen würde. An der Entwicklung von Impfstoffen wird gearbeitet.
4. Importverbote:
  • Bestehende Importverbote für Vögel und deren Produkte sollten von Reisenden beachtet werden.
Reisebeschränkungen:  
Bisher gibt es keine Reisebeschränkungen.
 
Quellen und weitere Informationen finden Sie hier:
  • Weltgesundheitsorganisation: www.who.int
  • Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov
  • Robert-Koch-Institut: www.rki.de
  • Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-amt.de
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: www. bmelv.de
  • http://www.rki.de
  • Gao et al.: "Human Infection with a Novel Avian-Origin Influenza A(H7N9) Virus"; The New England Journal of Medicine (2013); 368 (20); 1888-1897
  • Liu et al: "Spatial and temporal analysis of human infection with avian influenza A(H7N9) virus in china, 2013"; Eurosurveillance 2013; 18 (47): 1-8
  • http://www.cidrap.umn.edu , entnommen: 15.01.2014
 
>> Pressemeldung des CRM - 25.04.2013
 
 
Haftungsausschluss
Die vorstehenden Angaben ersetzen keine ärztliche Beratung. Sie stammen aus diversen Informationsquellen, vorrangig der WHO, sind nach bestem Wissen zusammengestellt und entsprechen dem neuesten Stand. Für ihre Richtigkeit kann das CRM keine Verantwortung und für irgendwelche Gesundheitsschäden auf Ihrer Reise keine Haftung übernehmen. Reisenden wird empfohlen, sich vor der Reise ärztlich beraten zu lassen.
 
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